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Telekom-Konzern
Sunrise verteidigt geplante UPC-Übernahme

Sunrise

Sunrise: Grossaktionär Freenet kritisiert Kapitalerhöhung.

Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Trotz Kritik sieht Sunrise Rückhalt für die UPC-Übernahme. Doch an der Börse zeigen sich die Anleger ungnädig.

Veröffentlicht am 21.03.2019

Trotz der Kritik des grössten Aktionärs sieht der Schweizer Telekom-Konzern Sunrise die geplante milliardenschwere Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC nicht in Gefahr. «Wir sind überzeugt, dass wir die Transaktion vollziehen werden», sagte Konzernchef Olaf Swantee am Donnerstag zu Reuters.

Die Signale der übrigen Aktionäre seien insgesamt positiv. «Wir sind überzeugt, dass wir die Investoren für uns gewinnen können», erklärte der niederländisch-schweizerische Doppelbürger nach Treffen mit über 100 Grossanlegern.

Aktie hat seit Ankündigung verloren

Sunrise hatte Ende Februar angekündigt, die Schweizer UPC vom US-Kabelnetzkonzern Liberty Global für 6,3 Milliarden Franken zu übernehmen. Die Transaktion soll durch eine Kapitelerhöhung im Umfang von 4,1 Milliarden Franken finanziert werden - mehr, als das Unternehmen an der Börse zur Zeit auf die Waage bringt. Die Anleger reagierten ungnädig, die Aktie verlor inzwischen rund acht Prozent an Wert.

Der mit einem Anteil von 24,5 Prozent grösste Eigner Freenet kannte zwar die Logik des Zukaufs an, zog die vorgesehene Transaktionsstruktur aber in Zweifel. An der Kapitalerhöhung wollen sich die Deutschen nicht beteiligen. Ob sie für den Deal stimmen werden ist zur Zeit unsicher.

Vertrag ist unterschrieben

«Die Aussagen des Freenet-Finanzchefs, wonach die Gesellschaft grundsätzliche Änderungen an der Transaktionsstruktur fordert, haben uns etwas überrascht», sagte Sunrise-Finanzchef Andre Krause. «Wir haben sämtliche Details der Transaktion während einem Jahr im Verwaltungsrat diskutiert und wir haben einen unterschriebenen Vertrag.»

Freenet könne die Abstimmung, bei der eine einfache Mehrheit der abgegeben Stimmen für einen Sieg notwendig ist, ohnehin nicht allein entscheiden. Auf einer normalen Generalversammlung seien jeweils 60 bis 70 Prozent der Aktionäre präsent. Bei einer ausserordentlichen Versammlung dürften es mehr sein, so Krause. Die betreffende Aktionärsversammlung soll einige Wochen nach dem Entscheid der Wettbewerbshüter zum Deal stattfinden. Sunrise rechnet nicht mit nennenswerten Auflagen der Kartellbehörden, sodass die Freigabe spätestens im September vorliegen dürfte.

«Sehr viele überzeugt»

Swantee und Krause hatten jüngst auf einer zwölftägigen Investorenshow in England, Nordamerika, Frankreich, Deutschland und der Schweiz bei Anlegern für den Deal geworben. «Wir haben mit unseren Argumenten sehr viele überzeugt», erklärte Krause im ersten Interview seit den Treffen.

«Hier entsteht ein neuer nationaler Champion, der den Platzhirsch Swisscom wirklich herausfordern und Wachstum treiben kann und erhebliches Synergie-Potenzial hat.» Auch grosse Fonds aus England und den USA seien interessiert, einzusteigen.

Fragezeichen hinter Kaufpreis

Analysten setzten dennoch ein Fragezeichen hinter die Erfolgschancen des Deals, auch wenn sie der Transaktion strategisch viel abgewinnen können. Berenberg hält den Kaufpreis angesichts des rückläufigen operativen UPC-Ergebnisses für zu hoch.

Falls das UPC-Geschäft bis Mitte 2019 nicht anziehe, müsse der Deal überarbeitet werden, so der Broker. Krause gibt sich unbeirrt: «Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass das UPC-Geschäft kurz vor dem Wendepunkt steht.»

«Keine neuen Verhandlungen führen»

Auch Sunrise-Chef Swantee erteilte Forderungen nach einer Anpassung des Deals eine Absage. «Wir haben keinen Plan B», sagte er. «Wir werden keine neuen Verhandlungen führen.»

Sunrise habe alle Szenarien diskutiert, einschliesslich einer Fusion, einer Übernahme und einer Minderheitsbeteiligung von Liberty. Die einzige Alternative sei ein Alleingang. Sunrise, die vor allem im Mobilfunk stark ist, werde auch dann erfolgreich sein, aber auf viele Vorteile des UPC-Deals wie eine umfassende Internet-Infrastruktur, eine breitere Kundenbasis und Kostensynergien verzichten müssen. «Es wird auch in ein paar Jahren kein besseres Projekt für Sunrise geben», prognostizierte Swantee.

(awp/gku)

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