Für die SV-Group war das vergangene Jahr ein schwieriges: In der Schweiz, Deutschland und Österreich, in denen das grösste Schweizer Unternehmen der Gemeinschaftsgastronomie tätig ist, machte sich ein enormer Spardruck bemerkbar: Die Grosskunden der SV Group wie Banken und Versicherungen haben Arbeitsplätze abgebaut, Personalrestaurants wurden geschlossen und die Gäste geben weniger aus.

Der Umsatz der SV Group ging zurück und der Ebit schrumpfte. SV-Group-Chefin Susy Brüschweiler führt den Umsatzrückgang auf das Management Buyout der Movis AG zurück und den Ebitrückgang begründet sie mit den Aufwendungen für den neuen Markenauftritt und dem Umzug des Konzerns nach Dübendorf.

Die Stehauf-Frau

Trotz wirtschaftlich garstigerem Umfeld lässt sich die SV-Group-Chefin nicht unterkriegen. Sie versucht den Geschäftsführern ihrer Grosskunden klar zu machen, dass ihre Einsparungen beim Catering Peanuts seien im Vergleich zu den übrigen Aufwendungen eines Grossbetriebs. Und schliesslich hat Brüschweiler bisher schon manche Turbulenzen im Markt mit seinen niedrigen Margen von 1,2 bis 1,5% geschafft und eine beeindruckende Leistung erbracht.

In ihrer zehnjährigen Tätigkeit als CEO der Gruppe hat sie den 1914 für den Betrieb von Soldatenküchen gegründeten Verein erst in eine AG überführt; und dann den verkalkten Betrieb in einen in drei Ländern operierenden, international anerkannten Caterer verwandelt, der Gewinn abwirft.

Brüschweiler hat die SV Group mit den vier Beinen SV Business, SV Care, SV Event und SV Hotel klar positioniert und damit eine stabilere Grundlage für die Zukunft geschaffen.

Die ehemalige Krankenschwester hat als unbekannte Quereinsteigerin angefangen und ihr Beziehungsnetz sukzessive ausgebaut ­auch zu Gunsten der SV Group. Sie ist mittlerweile Vorstandsmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Beirätin der Credit Suisse Group, Verwaltungsrätin der Siegfried AG und ab dem 13. Mai wird sie auch noch Mitglied des Verwaltungsrates der Schweizerischen Mobiliar Holding AG.

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Das letzte Jahr war für die SV Group neben dem neuen Markenauftritt und dem Umzug des Konzernsitzes geprägt durch eine Aktienkapitalerhöhung. Mitarbeitende sowie dem Unternehmen nahestehende Dritte hatten erstmals die Möglichkeit, Aktien zu zeichnen. Das Unternehmen konnte die Eigenkapitalquote von 28,6 auf 33,8% steigern.

Zukunftsmarkt Deutschland

Auf dem Heimmarkt kämpft die SV Group gegen die Konkurrenten Compass, DSR und ZFV im gesättigten Bereich der Gemeinschaftsgastronomie. Im Event Catering stehen der SV Group mit Migros und Coop starke Konkurrenten gegenüber. Und in Österreich harzt das Geschäft. Hier werden immer noch rote Zahlen geschrieben. Immerhin wurde letztes Jahr «der tiefere Gewinn in der Schweiz durch eine Gewinnzunahme in Deutschland mehr als ausgeglichen», erklärt Brüschweiler.

In Deutschland sieht sie denn auch das grösste Wachstumspotenzial für die Zukunft. Sie glaubt, dort mit dem Schweizer Label grosse Chancen zu besitzen. Zudem stimmen sie die ersten Monate des laufenden Jahres zuversichtlich.

Umsatz stagniert:
(in Mio Fr.) 2004 2003 %

Umsatz total 522.8 525.7 ­0.5

Schweiz 372.8 375.1 ­0.6

Deutschland 130.2 129.7 0.4

Österreich 19.9 21­ 5.2

Ebit 4,7 5.4­ 12.6

Konzernergebnis 3,3 3,2 4.7

Vollzeitstellen 4920 4720 4.2

Quelle: SV Group

Nachgefragt: Susy Brüschweiler, CEO SV Group

«Die Marke SV soll im Catering so bekannt werden wie IBM im IT-Bereich»: Der Markt in Ihrem grössten Geschäftsfeld, dem Business Catering in der Schweiz (Personalrestaurants), ist gesättigt und Ihre Aussichten sehen offenbar nicht rosig aus. In der Schweiz ist das Geschäftsfeld Business Catering ein Verdrängungsmarkt. Hier noch grosse Steigerungen zu erwarten, wäre utopisch.

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Sie haben letztes Jahr im Business Catering Schweiz 1,8% Umsatz verloren. Der Umsatzrückgang im Business-Geschäftsfeld hat damit zu tun, dass Firmen geschlossen wurden oder sich neu organisierten. Wir können aber unseren Umsatz halten, indem wir den Gästen ein neues Dienstleistungsangebot offerieren. Damit hoffen wir auch neue Gäste zu gewinnen.

Und wie sieht dieses neue Dienstleistungsangebot aus? Zum Beispiel ist unser neues Ernährungskonzept fit@work seit der Einführung im März 2005 ein riesiger Erfolg. Dabei handelt es sich um ein Menu mit maximal 500 Kalorien. Ab Mai starten wir zudem ein KMU-Konzept. Wir wollen Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitenden beliefern und diesen auch noch die nötige Infrastruktur installieren. Trotzdem ist beim Business Catering kein grosses Wachstum mehr möglich, deshalb haben wir in den letzten Jahren neue Geschäftsfelder entwickelt.

Seit Jahren sprechen Sie vom Geschäftsfeld SV Care (Spitäler, Heime), das Sie beackern wollen, bisher aber mit wenig Erfolg. Das stimmt. Die Verpflegung wird von den Spitalleitern immer noch als eine ihrer Kernkompetenzen betrachtet. Aber ich bin überzeugt, dass wir irgendwann angesichts der steigenden Gesundheitskosten diesen Markt auch bedienen können.

Weshalb konnten Sie mit Ihrer Biographie als Rektorin der Kaderschule für Krankenpflege die Spitalleiter bisher nicht von ihrem Konzept überzeugen? Eine von aussen initiierte Veränderung ist in einem Spital oder einem Alters- und Pflegeheim sehr schwer zu erreichen. Vertrauen schaffen ist das A und O und hier haben wir zu wenig kontinuierlich Kontakte gepflegt. Das werden wir aber künftig ändern.

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Wann kommt der Durchbruch? Wenn die Schmerzgrenze des Kostendrucks im Gesundheitswesen gross genug ist. In den nächsten drei Jahren sollten wir im Alters- und Pflegebereich die nötige Vertrauensbasis schaffen können.

Sie sind stolz auf Ihren neuen Markenauftritt. Trotzdem ist der Name SV Group nicht geläufig. Ich bin überzeugt, das wird sich ändern. In zwei, drei Jahren können Sie mir diesen Vorwurf nicht mehr machen. Die Marke SV soll im Catering so bekannt werden wie beispielweise IBM im IT-Bereich.

Sie haben kürzlich einen Franchisevertrag mit der Hotelkette Marriott für Hotels der Marke Courtyard unterschrieben und nennen dies einen Meilenstein. Weshalb? Wir haben uns entschieden, das Geschäftsfeld der Business-Hotels zu stärken. Mit einer internationalen Hotelkette zusammenzuarbeiten, bietet uns Möglichkeiten, dass diese uns auch im Marketing unterstützt. Das erste Hotel der Marke Courtyard wird im Herbst 2006 in Zürich Nord eröffnet. Wir hoffen noch mehrere solche Hotels in der Schweiz zu eröffnen.

Und im Ausland? Für das Ausland haben wir keine Franchiseverträge abgeschlossen, aber natürlich hoffen wir immer auf eine Zusammenarbeit, die auch für das Ausland gelten könnte.

Weshalb sind die Resultate in Österreich ungenügend? Operativ läuft das Geschäft gut, aber wir haben noch Altlasten, die uns Kosten verursachen. Wir konnten nicht einfach aus Verträgen aussteigen. Seit zwei Jahren haben wir deshalb negative Resultate.

Haben Sie selbst diese Verträge gutgeheissen? Ich war nicht operativ in Österreich tätig und habe selber nie Verträge unterschrieben. Aber ich trage als CEO die Gesamtverantwortung und stehe dazu, dass wir Fehler gemacht haben. Wir haben rasch Massnahmen eingeleitet. Das alte Management wurde ausgewechselt und seit Dezember bin ich nebst meiner Funktion als CEO von SV Group auch CEO von SV Österreich.

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Zurück zur Gesamtgruppe. Weshalb sind Sie immer noch die einzige Frau in der Geschäftsleitung? Ich will niemanden ersetzen, nur damit ich eine Frau habe. Meine Konzernleiter machen einen Superjob. Seit vier Jahren sind wir in dieser Besetzung. Zuvor habe ich für SV Schweiz vergeblich eine Frau ge-sucht.

Für Österreich hätten Sie ja eine Frau einsetzen können. Dieser Bereich ist zu klein für eine Vollzeit-CEO-Funktion, deshalb führe ich diesen Bereich selber. Aber vor Ort in Österreich ist eine Frau operativ tätig.

Interview: Gret Heer