Mitten im härtesten Arbeitskampf der Firmengeschichte sollen die Gehälter der Lufthansa-Spitze massiv steigen. So soll CEO Carsten Spohr einen Aufschlag von rund 14 Prozent erhalten, wie das deutsche Wochenmagazin «Der Spiegel» in der aktuellen Ausgabe schreibt. Bei einem Gehalt von rund zwei Millionen Euro wären das knapp 300’000 Euro. Die Bezüge der übrigen Vorstände sollen um gut 100’000 Euro steigen. Vom Geldsegen betroffen ist auch noch-Swiss-CEO Harry Hohmeister, der im Lufthansa-Vorstand sitzt.

«Verzicht predigen, selbst kassieren», denken Vertreter der Arbeitnehmer – nicht nur in Deutschland. Die Swiss-Pilotenvertretung Aeropers ist «verwundert» über die Erhöhung der Grundgehälter für das Top-Management. «Während die Mitarbeiter auf einen harten Sparkurs getrimmt werden und beim Personal weitreichende Einsparungen gefordert werden, scheint das Management vom Sparkurs verschont zu werden», schreibt die Gewerkschaft in einer Medienmitteilung vom Montag.

Debatte um letzte Erhöhungsrunde

Eine Lufthansa-Sprecherin verteidigt die Lohnerhöhung gegenüber dem deutschen Magazin damit, dass das Salär im Vergleich zu anderen Unternehmen ohnehin niedrig sei. Ausserdem hätte vor sieben Jahren die letzte Erhöhungsrunde stattgefunden.

Die Schweizer Pilotengewerkschaft zweifelt diese Aussage an: Die Gewerkschaft rechnet vor: 2008 betrug Spohrs Grundgehalt 762'000 Euro, ausgehend von einer 14-prozentigen Lohnerhöhung gegenüber der Vergütung von 2014 würde das Grundgehalt 2016 1'183'000 Euro betragen. Dies entspräche seit 2008 einer Lohnerhöhung um 55 Prozent. Ergo: Die Lufthansa-Sprecherin hat sich vertan.

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Kosten in der Teppichetage

Dabei belässt es die Gewerkschaft aber nicht, sie prangert das Kostenwachstum in der Teppichetage generell an: «Immer wieder unternimmt der Lufthansa-Konzern grosse Anstrengungen, um jährliche Einsparungen zu generieren. Was dabei verwundert: einer der wenigen Kostenpunkte, der in den letzten zehn Jahren beinahe explodiert ist, ist die Gesamtvergütung des Lufthansa-Vorstandes», schreibt die Gewerkschaft.

Dies sei einerseits auf die Vergrösserung des Gremiums zurückzuführen, aber auch auf die Lohnerhöhungen der einzelnen Vorstandsposten. «So kostete das oberste Management des Konzerns, bestehend aus drei Vorständen, 2005 den Konzern rund 3,1 Millionen Euro. 2014 beliefen sich die Kosten für das aus fünf Vorständen bestehende Gremium auf ganze 8 Millionen Euro.»

Unverhältnismässige Erhöhungen

Diese Kostenexplosion stehe in keinem Verhältnis zum Spardruck, den das Management an die eigenen Mitarbeiter weitergebe. «Die Mitarbeiter der Swiss haben diesen Druck in den Verhandlungen zu den aktuellen Gesamtarbeitsverträgen schon mehr als deutlich spüren dürfen», monieren die Piloten-Vertreter.

Ganz offensichtlich scheine die Lufthansa finanziell aber gar nicht so schwach dazustehen, wie es vom Management gegenüber den Mitarbeitern gerne beschrieben werde, sagt Aeropers-Gewerkschaftsführer Henning Hoffmann. «Anders lassen sich diese massiven Lohnerhöhungen nicht erklären.»