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Swiss Re: Die Zukunft ruht auf vier Säulen

Swiss Re: Drei Säulen im Logo, vier in der Strategie. Keystone

Der zweitgrösste Rückversicherer der Welt bekräftigt seine Finanzziele ab 2016. Um in der Spur zu bleiben, wählt Swiss Re eine Strategie, die auf vier Pfeilern ruht.

Veröffentlicht am 08.12.2015

Derzeit kämpft die Versicherungsbranche mit vier grossen Schwierigkeiten: Das sind erstens die geringen Gewinnmargen und zweitens das niedrige Zinsniveau, was die Kapitalerträge der Unternehmen mager ausfallen lässt. Drittens konsolidiert sich der Versicherungssektor momentan sehr stark, was den Bedarf an Rückversicherung bei grösseren Marktteilnehmern schrumpfen lässt. Und viertens sind die Entwicklungen in Wachstumsmärkten der Assekuranz alles andere als stabil.

Angesichts solcher Gegebenheiten müssen Rückversicherer, die Policen für Versicherungsgesellschaften und für Grosskonzerne anbieten, eine ausgeklügelte Unternehmensstrategie verfolgen, um langfristig erfolgreich zu sein. Der Schweizer Branchenprimus Swiss Re setzt dabei auf vier Säulen, wie der SMI-Konzern am Investorentag erklärte.

Strikte Zuteilung von Geld

Der Swiss-Re-Konzern will dem volatilen Marktumfeld mit der neuen Strategie eine gewisse Kontinuität entgegensetzen, da einige Elemente der Strategie bereits in Vorjahren verfolgt wurden. So plant der Rückversicherungskonzern, erstens, die Zuteilung seines Kapitals für die einzelnen Geschäftsaktivitäten zu verbessern.

Das bedeutet, dass als Kernstück der Strategie die Bereiche schneller als bisher Kapital für Wachstum zugeteilt bekommen sollen, falls jeweils die Gewinnmargen stimmen. Andernfalls will man auch rascher unprofitable Geschäfte herunterfahren. Dieses in der Versicherungswelt als Kapitalmanagement bezeichnete Vorgehen soll Übernahmen einschliessen, wie sie die Gruppe bereits in der Vergangenheit etwa im Lebensversicherungsgeschäft getätigt hat.

Diversifikation der Kundenbasis

Zweitens strebt Swiss Re die Ausweitung und Diversifikation seiner Kundenbasis an. Dies impliziert laut Angaben des Managements, dass die Gesellschaft in neue Regionen und neue Risikopools vordringen will. Indien, Mexiko oder Kolumbien seien bereits Beispiele für sehr interessante Märkte, erläuterte Konzernchef Michael Liès vor den Investoren.

Drittens plant der Schweizer Rückversicherer die Optimierung seiner Ressourcen. So sollen die elektronischen Plattformen und Prozesse verbessert werden. Ein explizites Kostenziel, so erklärt Liès gegenüber der Nachrichtenagentur sda, hat der Konzern allerdings nicht. Und viertens, setzt die Rückversicherungsgesellschaft auf eine Differenzierung am Markt. Dies soll sich etwa an einer überdurchschnittlichen Finanzstärke oder Reputation zeigen.

Ein Ziel fällt weg

Mit all diesen Massnahmen will der Rückversicherer die Investoren mit zwei Finanzzielen beeindrucken, die bereits im Februar 2015 bekanntgegeben worden waren und am Dienstag nochmals bestätigt wurden. Erstes Ziel ist eine Eigenkapitalrendite ab 2016 von mindestens 700 Basispunkten über dem risikofreien Zinssatz, der sich anhand der 10-jährigen US-Staatsanleihen orientiert. Das zweite Ziel ist mindestens ein 10 prozentiges Wachstum des ökonomischen Eigenkapitals je Jahr, einer Grösse, die der Konzern zur Steuerung seiner Geschäfte selbst berechnet. Swiss Re lässt damit explizit sein früheres Finanzziel fallen, den Reingewinn je Aktie jedes Jahr zu steigern.

Erstmals bricht der Rückversicherer seine Finanzziele der Gruppe für die neue Strategieperiode auch auf die Geschäftseinheiten herunter und die Werte der Profitabilität fallen sehr unterschiedlich aus. So sollen die Eigenkapitalrenditen für das Sachversicherungsgeschäft (Property und Casualty) und für die Sparte Industrieversicherungen bei Grosskunden (Corporate Solutions) zwischen 10 bis 15 Prozent liegen.

Zurückhaltung an der Börse

Mit Lebensrückversicherungen strebt der Konzern eine Verzinsung des Eigenkapitals von 10 bis 12 Prozent an. Schlusslicht bildet die unlängst in «Life Capital» umbenannte Geschäftseinheit, die Lebens- und Krankenversicherungsbestände verwaltet, und deren Eigenkapitalrendite zwischen 6 und 8 Prozent betragen soll.

An der Börse wurden die Informationen über die Kontinuität des Rückversicherers anfänglich verhalten aufgenommen und die Swiss-Re-Titel notierten etwas im Minus. Einige Investoren hatten sich laut Stimmen am Markt offenbar klarere Aussagen zu Akquisitionen und zur Dividendenpolitik erhofft. Im Laufe des Handels stiegen die Aktien im freundlichen Gesamtmarkt zwar etwas, gaben dann allerdings wieder spürbar nach.

(awp/ise/ama)

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