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Zeitmesser
Tag Heuer «Connected»: Das kann die neue Uhr

Tag Heuer feierte Premiere mit der Smartwatch «Connected». Die Uhr ist elegant, die Rechenleistung beachtlich – und die Hoffnung der Schweizer Uhrenindustrie gross.

Von Gisbert L. Brunner
am 10.11.2015

Die Tatsache, dass Tag Heuer im illustren Dreierbund der mit Abstand kleinste Partner ist, lässt sich beim besten Willen nicht bestreiten. Dennoch ist es für die beiden anderen, den mächtigen Computerchip-Spezialisten Intel und den über alle Ländergrenzen hinaus bekannten Softwareriesen Google, durchaus eine Ehre, mit der altehrwürdigen Schweizer Uhrenmanufaktur kooperieren zu können. Deshalb liessen es sich denn auch Intel-Chef Brian Krzanich und der bei Google für Android zuständige Vizepräsident David Singleton nicht nehmen, die Weltpremiere der Tag Heuer Connected zu Beginn dieser Woche in New York höchstpersönlich aufzuwerten.

Zur Ankündigung des ambitionierten Gemeinschaftsprojekts einer innovativen Smartwatch war es im März 2015 während der Uhrenmesse «BaselWorld» gekommen. Seitdem drangen nur noch Gerüchte an die Öffentlichkeit. Zu den Pionieren dieses viel diskutierten Genre Uhr gehört Tag Heuer definitiv nicht. Das gibt auch Chief Executive Officer (CEO) Jean-Claude Biver ganz offen zu. «Die Schweizer Uhrenindustrie, also auch Tag Heuer, hat der Thematik Smartwatches keine sonderlich grosse Bedeutung beigemessen.»

Strategische Weggefährten

Die Apple Watch habe die Industrie aufgeweckt und auch ein wenig aufgeschreckt. «Somit bestand für uns Verspätete die einzige Aufholmöglichkeit in einer Partnerschaft mit erfahrenen Playern. In Sachen Software kam lediglich Google mit Android Wear in Betracht. Bei der Hardware zählt Intel zu den Technologieführern. Beide Unternehmen sind für Tag Heuer somit fortan strategische Weggefährten.»

In diesem Marktsegment kann gemäss Biver nur bestehen, wer den potenziellen Kunden etwas Besonderes bietet. Tag Heuer offeriert, wie Biver expressis verbis betont, «vordergründig eine richtige Armbanduhr, mit der man auch problemlos unter die Dusche gehen kann». Ein dunkles Display, wie es sich bei der Apple Watch zeigt, gibt es hier nicht. Solange die elektrische Energie reicht – und das sind zirka 30 Stunden –, sieht man drei Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden.

Kratzfestes Saphirglas

Uhr-Aficionados identifizieren den Zeitmesser mit 46 Millimeter grossem Titangehäuse denn auch sofort als Carrera, die markante Tag-Heuer-Ikone. Für dauerhaft ungetrübte Optik sorgt ein kratzfester Saphirglas-Touchscreen. Die dahinter positionierte Elektronik in Gestalt eines Mikrocomputers mit beachtlicher Rechenleistung hingegen ist das Werk kalifornischer Intel-Spezialisten. Biver: «In diesem Zusammenhang wird die Kooperation mit dem Marktführer dafür sorgen, dass unsere Smartwatch-Produkte immer den aktuellen Entwicklungsstand repräsentieren.»

 

 

Die Gefahr, etwas Veraltetes zu bekommen, kennt man bei Tag Heuer aus der wenig erfolgreichen Vergangenheit mit Telefonen. Technisch Überholtes war beim Lieferanten Vertu an der Tagesordnung. Logischerweise muss der Rechner nach dem Einschalten erst hochfahren, was er durch das Markenlogo signalisiert. Danach heisst es entscheiden. Die aufgespielte Software stellt schwarze, blaue oder weisse Zifferblätter, drei Zeiger mit Datum, ein GMT-Display mit zusätzlichem 24-Stunden-Zeiger oder einen Chronographen im typischen Valjoux-7750-Look zur Wahl.

David Guetta als Designer

Doch damit nicht genug. Biver: «Alle unsere Markenbotschafter, also beispielsweise die britische Schauspielerin Cara Delevingne und der französischer House-DJ und Musikproduzent David Guetta, haben spezielle Zifferblätter gestaltet, die sich über unsere App herunterladen lassen.» Vielseitige Auftritte während des Tages sind damit garantiert.

Die nächste Funktionenebene bietet autonome, also vom Smartphone unabhängige Zeitmessapplikationen wie Stoppuhr, Timer oder Alarm. Sensorgesteuerte Komplikationen zur Schlafkontrolle, Geschwindigkeitsmessung sowie der Activity-Tracker Google Fit stehen im nächsten Bedienlevel zur Verfügung.

Apps aus dem Google Play Store

Wer seine Herzfrequenz messen möchte, benötigt allerdings externe Sensoren. «Fachleute haben uns glaubhaft versichert, dass an der Haut anliegende Pulssensoren von Hauttyp zu Hauttyp anders reagieren und zu ungenauen Resultaten führen können. Heute», so Biver weiter, «sollte man derartige Sensoren also noch nicht in einer Uhr haben. Wer professionell läuft, möchte beim Training nämlich exakt wissen, ob er das mit 110 oder 115 Pulsschlägen pro Minute tut. Er möchte also keinen ungefähren Wert geliefert bekommen.»

Darüber hinaus gibt es jede Menge Apps aus Googles Play Store, die sich bildschirmfüllend oder in Mini-Displays der klassischen Zifferblätter betreiben lassen. Wer diese nutzen möchte, muss sich zwangsläufig verbinden. Per WiFi lassen sich Apps herunterladen oder Daten, darunter auch in die Uhr gesprochene Notizen, in der Cloud speichern.

Häufige Updates

Bluetooth braucht es zur Kommunikation mit Sensoren, einer Soundbox oder Smartphones. Das umfassende bidirektionale Leistungsspektrum bietet in diesem Zusammenhang nur Android Wear. IOS-Nutzer müssen mit gewissen Dialogeinschränkungen leben. In jedem Fall können jedoch Wettermeldungen, Push-Nachrichten, Kalendererinnerungen oder Anrufertelefonnummern aufs Display der Armbanduhr übertragen werden.

Software-Updates mit weiteren nutzbringenden Apps werden künftig an der Tagesordnung sein. Dann könnte, um nur ein Beispiel zu nennen, die Deutsche Fussball-Bundesliga als Partner von Tag Heuer Wissenswertes und Aktuelles direkt ans Handgelenk senden.

Junge als Zielgruppe

Als Zielgruppe für die Connected, deren Preis sich um 1500 Franken bewegt, sieht Biver zum einen angestammte Kunden. «Davon gibt es sehr viele, denn immerhin verkauft Tag Heuer jedes Jahr 600’000 Uhren. Ein Teil davon ist Avantgarde, jung, technisch interessiert, dynamisch und will immer das Neueste besitzen.»

Des Weiteren denke Biver an Leute, die bisher noch keine Armbanduhr tragen. «Manche können wir vielleicht zur Tag Heuer Connected motivieren, weil sie sich einen Computer kaufen. Ich glaube, wir bekommen einen Mix aus alter, aber modern denkender und ganz neuer Klientel, die sich einen sportlich-leichten Computer aus Titan mit starker Optik gut vorstellen kann.»

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