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Defekte
Apple bestraft Reparatur bei Drittanbietern

Apple möchte, dass Kunden ihr iPhone bei Partnern oder bei Apple selbst reparieren lassen. Drittanbieter sind dem Tech-Giganten ein Dorn im Auge. Wer auf diese zurückggreift, könnte es bereuen.

Von Matthias Olschewski («Business Insider Deutschland»)
2017-10-20

Unabhängige Reparatur-Shops für Smartphones gibt es vor allem in Städten zuhauf. Sie sind wahrscheinlich gut besucht, weil ein Tausch eines gebrochenen Displays beim Hersteller meist sehr viel Geld kostet. Der Service bei privaten Unternehmen ohne offizielle Lizenz der Hersteller wird oft für einen Bruchteil des Geldes angeboten.

Das ist Apple seit langer Zeit ein Dorn im Auge, weshalb das Unternehmen manchmal rabiat gegen unabhängige Dienstleister vorgeht, besser gesagt gegen die Kunden, die diese Dienste in Anspruch nehmen.

An Servicedienstleistungen verdienen

Apple legt wert darauf, dass iPhones immer bei Partnern oder bei Apple selbst repariert werden, denn dadurch verdient das Unternehmen zusätzlich Geld. Darüber hinaus will Apple an Servicedienstleistungen verdienen, wie etwa dem beliebten Apple Care, das eine Art Rundum-Sorglos-Paket für iPhones, iPads und Macs darstellt.

Wer den Service nicht nutzt, sondern es selbst repariert oder unbefugte Dritte das iPhone öffnen lässt, könnte das aber bereuen. Wie «Vice» berichtet, behebt das iOS 11.0.3-Update einige Fehler, die nur bei Smartphones mit Ersatzteilen aufgetreten sind. In der Release-Note dazu schreibt das Unternehmen: «Die Touch-Funktion auf einigen Displays von iPhone 6S-Geräten funktionierte nicht, weil diese mit nicht-originalen Apple-Teilen repariert wurden.» Diese Passage ist nur in der englischen Version aufgetaucht, im deutschen Update war offenbar kein Wort davon zu lesen.

Aufgeblähte Akkus

Man kann den Hinweis von Apple durchaus als Warnung verstehen, denn das Unternehmen besteht auf eine Reparatur durch Fachleute, gerade nachdem von angeblich aufgeblähten Akkus beim iPhone 8 berichtet wurde. Apple versucht damit nicht nur, den Nutzer zu schützen, das Unternehmen versucht vor allem, den eigenen guten Ruf zu verteidigen. Einen Skandal, wie er etwa beim Samsung Galaxy Note 7 auftauchte, kann sich der Tech-Riese nämlich nicht leisten.

Mithilfe des iOS-Updates kann Apple offenbar erkennen, ob ein Gerät Teile besitzt, die nicht vom Unternehmen selbst stammen. So soll es laut «Vice» vermutlich auch möglich sein, dass Apple diese Teile des iPhones sperrt oder das ganze Smartphone lahmlegt, wenn dieses geöffnet oder mit Teilen bestückt wurde, die nicht offiziell von Apple stammen.

Keine Apple-Zertifizierung

Die freien Anbieter haben in der Regel keine Apple-Zertifizierung, was bedeutet, dass bei einem Folgefehler Apple nicht haftbar gemacht werden kann. Shops, die bereit sind, die Lizenzgebühr an Apple zu bezahlen, verlangen in der Regel auch viel Geld für eine Reparatur. Dafür kann man sich als Kunde darauf verlassen, dass ein repariertes Display auch zum Telefon passt und keine Funktionen beim iPhone durch die Reparatur beeinträchtigt werden.

Vielen Shops, die iPhone-Reparaturen ohne Lizenz anbieten, geht es nicht nur ums Geld. Natürlich bringt ein Displaywechsel Geld ein, doch viele Anbieter wollen den Kunden ein Stück Unabhängigkeit zurückgeben. Der Zwang, zu einem Apple-Store gehen zu müssen, gefällt nicht jedem Nutzer, und so stellen viele unautorisierte Shops eine gute Alternative dar.

Drittanbieterteile werden erkannt

Apple kann man zunächst keine böse Absicht unterstellen, sondern es scheint ein ungewünschter Nebeneffekt gewesen zu sein, dass manche iPhones nach dem iOS-11.0.2-Update ein eingefrorenes Display hatten, wenn der Bildschirm nicht original war. Dennoch bleibt die Aussage von Apple, dass man auf originale Teile setzen soll, teilweise als Warnung haften.

Denn Fakt ist: Apple ist es in iOS möglich, Drittanbieterteile zu erkennen. Und Apple kann auch zugreifen auf das Telefon durch die Updates. Das ist bei vielen Firmen der Fall.

Spezialwerkzeug

So hat es bereits Tesla nach einem verheerenden Hurrikan in Florida bei vielen Autos gemacht, um mehr Akkuleistung freizugeben. Dadurch war es den Fahrern möglich, dem Sturm zu entkommen, ohne an einer leeren Batterie scheitern zu müssen.
Apple wird von selbst nicht einlenken

Apple wird auch in Zukunft versuchen, iPhones so zu konstruieren, dass sie ohne Spezialwerkzeug nicht mehr zu reparieren sind. So war es bereits beim Home Button der Fall. Der kann nicht ohne die «Horizon Machine» ausgewechselt werden.

Zahlreiche Klagen

Auch Error 53, das in der Vergangenheit für Unmut bei iPhone-Nutzern sorgte, bezieht sich auf das unrechtmässige Reparieren von Drittanbietern. Apple entfernte nach Protesten das Error wieder.

In den USA gab es indessen zahlreiche Klagen darüber, ob ein Unternehmen das Monopol auf die Reparatur haben darf. Apple ist gegen einen freien Verkauf von Ersatzteilen, wie es zu erwarten war. Es könnte aber sein, dass Apple die Entscheidung bald abgenommen wird und ein entsprechendes Gesetz kommt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem «Business Insider Deutschland» unter dem Titel «Apple soll besonders perfide gegen Kunden vorgehen, die ihr Smartphone bei Drittanbietern reparieren lassen».

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