Die Kunden von Glattnet.ch der Glattwerk AG erhielten unerwartet dicke Post. In einem Brief, der «Handelszeitung Online» vorliegt (siehe Downloads), informiert die Glattwerk AG, dass ihnen «völlig überraschend» am 28. Januar von den Werken Wallisellen gekündigt worden sei. 

Kunden an Cablecom «übergeben»

Der Geschäftsführer der Werke Wallisellen, Markus Attiger, informierte Glattnet, dass er von UPC Cablecom «ein besseres Angebot» erhalten hätte. Etwas, das Glattnet im Brief «nicht nachvollziehen» kann. Somit werden die Kunden der Glattwerk AG unvermittelt an Cablecom «übergeben». Die Umschaltung soll zwischen Oktober und November 2013 erfolgen.

Ausbau «immer wieder verzögert»

So werden die Glattnet-Kunden informiert: «Wir haben unsere Angebote regelmässig ausgebaut. Im Internetbereich sind schon seit Monaten neue Abonnemente mit einer höheren Datenrate geplant. Leider wurden die dazu notwendigen Ausbauten von den Werken Wallisellen immer wieder verzögert. Seit Monaten schlummern unsere neuen Headendsysteme im Untergeschoss des neuen Werkgebäudes in Wallisellen und können nicht genutzt werden.»

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Glattnet war einer der ersten Provider in der Schweiz, der den Direktempfang der digitalen Fernsehprogramme ohne Set-Top-Box zuliess. Der von Glattnet benutzte Standard HbbTV werde von Konkurrent Cablecom aber unterdrückt.

Weiterer Vorwurf: Technisch wäre ein Parallelbetrieb von Glattnet-Produkten und jenen der Cablecom möglich - doch die Werke Wallisellen sperrten sich dagegen.

Damit die Glattwerk-Kunden ihren Unmut über den Wechsel zur Cablecom kundtun können, gab Glattwerk gleich noch die E-Mail-Adresse vom Werke-Wallisellen-Chef Markus Attiger an.

«Belohnung für Standortwahl»

Im «Anzeiger von Wallisellen» sprach Markus Attiger von unzufriedenen Kunden, die sich bessere Produkte gewünscht hätten. Diese hätte die Dübendorfer Glattwerk AG nicht bieten können. Die Gemeinde hat einen externen Berater engagiert, der die Anbieter unter die Lupe nahm. Das Resultat seiner Untersuchung war, dass die Cablecom «das Mass aller Dinge» sei, meinte Attiger.

Glattwerk-CEO Markus Gautschi vermutet einen Deal: Cablecom verlege seinen Hauptsitz im Herbst 2014 nach Wallisellen. «Da liegt es doch auf der Hand, dass man der Firma als Belohnung für die Standortwahl unsere Kunden verkauft», so Gautschi gegenüber dem «Zürcher Unterländer». Die Werke Wallisellen bestreiten eine solche Abmachung.

«Unlautere Informationen»

Bei Cablecom sieht man die Auseinandersetzung entspannt. Ein Mediensprecher sagte gegenüber «Handelszeitung Online»: «UPC Cablecom freut sich, ihre leistungsfähigen und modernen Produkte bald auch der Walliseller Bevölkerung anbieten zu können». Und weiter: «Herr Gautschi hat in seinem Schreiben an Kunden der Glattwerk AG einige falsche, irreführende und unlautere Informationen betreffend UPC Cablecom formuliert.»