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Zukunft
Der Verrückte, der 900 Milliarden investieren will

Softbank-Chef will 900 Milliarden in Tech stecken
Masayoshi Son: «Der Verrückte, der auf die Zukunft wettet». Kyodo News/Getty Images

Für den Vision Fund hat der japanische Tech-Tycoon Masayoshi Son fast 100 Milliarden Dollar aufgetrieben. Doch das reicht dem Softbank-Chef nicht. Son hat viel grössere Pläne für die Menschheit.

Von Gabriel Knupfer
2017-10-24

Vor wenigen Monaten hat Softbank-Chef Masayoshi Son den grössten Tech-Fonds der Welt lanciert. 100 Milliarden Dollar sollen über den Vision Fund in den nächsten Jahren in Startups fliessen, die das Potenzial dazu haben, die Welt zu verändern. Doch das Geld, von dem fast die Hälfte aus Saudi-Arabien stammt, dürfte schon bald aufgebraucht sein, schätzt Son. Er plane deshalb bereits die Vision Funds 2, 3 und 4, sagte der Unternehmer gegenüber der japanischen Zeitung «Nikkei».

In den nächsten zehn Jahren will Son insgesamt 100 Billionen Yen – umgerechnet sind das gigantische 870 Milliarden Franken – in mindestens 1000 Techfirmen investieren. Das Geld soll den Weg zu einer Zukunft ebnen, in der überlegene künstliche Intelligenz die Geschicke der Menschheit in die Hand nimmt. Und diese Zukunft, die sogenannte technologische Singularität, liegt für Son in greifbarer Nähe, wie er immer wieder betont.

Reichster Japaner

«Der Verrückte, der auf die Zukunft wettet», antwortete Son in einer Podiumsdiskussion auf die Frage, wer er sei. Tatsächlich hat der Japaner eine lange Geschichte von erfolgreichen Investitionen in Techfirmen, die ihn gemäss «Forbes» mit einem Vermögen von über 20 Milliarden Dollar zum reichsten Mann des Landes gemacht haben. Viel Geld verdiente Son beispielsweise mit frühen Investitionen in Alibaba, Yahoo und Vodafone.

Zwar waren nicht alle Investitionen erfolgreich – der Kauf des US-Mobilfunkbetreibers Sprint für 20 Milliarden Dollar im Jahr 2013 war bisher ein Fehlschlag. Doch Son verfolgt vor allem langfristige Ziele. Die Welt soll irgendwann von einem einzigen Computer kontrolliert werden und die menschliche Lebenszeit technologisch auf 200 Jahre verlängert werden. Für seine Firma Softbank, die in den Bereichen Telekommunikation, Internet und Robotik tätig ist, hat Son einen 300-Jahres-Plan entwickelt.

Begrüsser und Mönchsersatz

Bekannt ist Softbank im Westen vor allem dank «Pepper». Der humanoide Roboter, der an ein Kind erinnern soll, wird in Japan in vielen Verkaufsräumen als Begrüsser eingesetzt. In Zukunft soll der niedliche Roboter zum «personal robot» und Helfer mit vielen Anwendungen weiterentwickelt werden. Davon zeugt beispielsweise der Plan «Pepper» als Mönchsersatz für Bestattungen in Japan zu verwenden.

Ende letzten Jahres sorgte Son mit dem Vision Fund für Aufsehen. 50 der angestrebten 100 Milliarden Dollar Investitionskapital sollten in die USA gehen und dort 50'000 neue Arbeitsplätze schaffen, so der Unternehmer damals. Beim frisch gewählten Präsidenten Donald Trump sammelte er damit kräftig Bonuspunkte. Zusammengekommen sind für den Vision Fund bis im Mai 93 Milliarden Dollar, davon 45 Milliarden aus Saudi-Arabien und 28 Milliarden von Softbank. Beteiligt ist neben weiteren Firmen auch Apple mit 1 Milliarde Dollar.

Die Gans legt goldene Eier

Für Son ist klar, dass er noch viel mehr Geld auftreiben könnte. Prinz Mohammed bin Salman habe er in 45 Minuten dazu gebracht, 45 Milliarden Dollar einzubringen. «Das ist eine Milliarde pro Minute», so Son gegenüber der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Und die Investitionen sollen sich lohnen. Für Son ist das Geld des Fonds das Futter, das die Gans dazu bringt, goldene Eier zu legen.

Doch es gibt Kritiker an der Strategie – und dies nicht nur wegen der grössenwahnsinnig anmutenden Visionen. Die Milliardenspritzen für teils völlig unbekannte Startups führten zu überbewerteten Firmen, die kein Interesse an einem Börsengang mehr hätten, befürchten Investoren. Auch ohne den Vision Fund sind viele Unternehmen im Silicon Valley schon heute hoch bewertet.

Das Beste aus zwei Welten

Der Vision Fund strebe eine Beteiligung von 20 bis 40 Prozent an den Firmen an und wolle Einsitz in den Geschäftsleitungen nehmen, so Son. Die Startups kriegen damit das Beste aus zwei Welten. Durch Softbank und den Vision Fund kommen sie an Geld, ohne den mühsamen und riskanten Weg des Börsengangs zu gehen. Gleichzeitig sorgt der Geldregen für mediale Bekanntheit und lockt weitere Investoren an.

Ein Beispiel: Der Internet-Fanartikelhändler Fanatics hat im September 1 Milliarde Dollar über den Fonds aufgetrieben und wird nun auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt. Doch es geht nicht nur ums Geld. «Es ist eine grosse Sache von einem globalen Konzern wie Softbank unterstützt zu werden», so Chef Doug Mack zu CNN. «Das verschafft uns Glaubwürdigkeit auf der ganzen Welt.»

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