Am Tag nach der überraschenden Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, das erste europäische Werk des US-Elektroautobauers in Brandenburg bei Berlin zu errichten, betont die Landesregierung von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Subventionsversprechen hätten nicht den Ausschlag für die Entscheidung gegeben. Es könne sein, dass Tesla die Investition von mehreren Milliarden Euro allein tragen müsse, hiess es in Potsdam.

Mögliche staatliche Unterstützungsleistungen müssten von der EU genehmigt werden. Statt üppiger Subventionen hätten vor allem die Nähe zu Berlin, die günstige Verkehrsanbindung und die Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie die Amerikaner überzeugt.

Musk hatte am Dienstagabend bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads im Berliner Axel-Springer-Haus verkündet, dass die erste sogenannte Gigafactory in Europa in der Nähe des neuen Berliner Flughafens BER entstehen werde.

Das Werk soll der brandenburgischen Landesregierung zufolge auf einem 300 Hektar grossen Grundstück in der Gemeinde Grünheide im Landkreis Oder-Spree gebaut werden, einem kleinen Ort ausserhalb der Grenzen Berlins. Auf dem Gelände stehe derzeit noch ein Kiefernwald, schon im Frühjahr 2020 soll mit den Arbeiten für die deutsche Gigafactory begonnen werden. Die Produktion könne womöglich schon 2021 beginnen. Der Landrat des Kreises Oder-Spree, Rolf Lindemann, sprach von einem «Glücksfall für die gesamte Region».

Bis zu 8000 Jobs entstehen

Musk hatte angekündigt, dass in der neuen Fabrik nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Batterien produziert werden sollen. Die ersten Autos aus dem brandenburgischen Werk sollen Exemplare des Model Y sein, einer SUV-Version des Mittelklasseautos Model 3, die bislang noch nicht auf dem Markt ist. Anfangs sollen laut der Landesregierung 3000 Jobs entstehen, später könnten bis zu 8000 Menschen in der Gigafactory arbeiten.

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Tesla unterzeichnete am Dienstag eine Absichtserklärung über den Bau der Fabrik. Die Verhandlungen im Vorfeld seien allein von Brandenburg geführt worden, betont die dortige Landesregierung. Dennoch macht sich auch Berlin Hoffnung, dass Tesla in der Hauptstadt zusätzlich ein Design- und Entwicklungszentrum aufbauen könnte. Allerdings gibt es dafür bislang keinen Standort und keine verbindlichen Vereinbarungen.

«Bei aller Freude gibt es eine ganze Reihe Fragen»

Selbst in Grünheide wurden die Kommunalpolitiker von der Ankündigung überrascht. Er habe aus den Medien von der geplanten Tesla-Fabrik erfahren, sagte Ulrich Kohlmann, Vorsitzender der Fraktion «Bürgerbündnis» in der Gemeindevertretung. Das Gremium sei zuvor nicht informiert worden. Das sollte nun in einer Sondersitzung am Donnerstag geschehen.

«Bei aller Freude gibt es eine ganze Reihe Fragen», sagte Kohlmann. Vor allem müsse das Land Brandenburg dafür sorgen, dass auch die benötigte Infrastruktur finanziert werde. So müsse womöglich die Grundschule erweitert werden, wenn Tausende Tesla-Mitarbeiter und ihre Familien in die Region ziehen sollten. «Trotzdem überwiegt natürlich die Freude», sagte Kohlmann.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüsste die Entscheidung von Tesla. Sie zeige, dass Deutschland für die Fertigung von Elektroautos attraktiv sei. «Für den Automobilstandort Deutschland ist das eine gute Ankündigung», sagte Präsident Bernhard Mattes.

«Wir freuen uns auf den Wettbewerb , er wird das Geschäft beleben», so Mattes. Wenn Tesla hierzulande eine Produktion eröffne, könne der amerikanische Hersteller auch Mitglied des VDA werden, wenn er das wolle. Sorgen wegen einer möglichen Wettbewerbsverzerrung mache man sich in der deutschen Industrie nicht. Für staatliche Subventionen gebe es europaweit geltende Regeln.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel «Tesla-Gigafactory – Grünheide stellt sich schon die Grundschul-Frage».