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Teurer Spass adé: Endlich rasieren ohne Klinge

Rasierer namens «Skarp»: Komplexe Lasertechnik macht Klingen überflüssig. Skarp

Das Kaufen teuerer Rasierklingen soll bald passé sein. Ein Startup will mit Lasertechnik eine milliardenschwere Branche aufmischen. Das könnte Gillette und Co. empfindlich treffen.

Von Benedikt Fuest («Die Welt»)
am 06.10.2015

«Skarp» ist das schwedische Wort für scharf – und der Name eines Rasierers, mit dem Morgan Gustavsson eine ganze Branche umkrempeln will. Dabei ist der Schwede kein Spezialist für scharfe Klingen. Er setzt vielmehr auf die Kraft gebündelten Lichts und hat Ende der 80er-Jahre eine Pulslasertechnik erfunden, mit der Dermatologen unter anderem Hautbehandlungen und Haarentfernungen vornehmen.

In den vergangenen Jahren arbeitete der Schwede daran, seine Lasertechnik zu verbessern und vor allem miniaturisieren. Sein Ziel: Ein Haarschneide-Laser den man im eigenen Bad unterbringen kann, weil er kleiner ist als ein handelsüblicher Akkurasierer.

3,4 Millionen Dollar für das Projekt

Ende September hat der Erfinder zusammen mit seinem Partner Paul Binun das Ergebnis der langjährigen Forschung auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorgestellt: Der Skarp-Rasierer soll mithilfe von Crowdfunding-Unterstützern zur Serienreife weiterentwickelt werden – wer bereits jetzt überzeugt ist, konnte zum Preis von 159 Dollar ein Modell vorbestellen.

Das Ergebnis der Kampagne überraschte selbst die Gründer: Innerhalb weniger Tage wurde das Crowdfunding-Ziel von 160'000 Dollar um mehr als das 20-Fache übertroffen, mehr als 17'000 Unterstützer versprachen insgesamt gut 3,4 Millionen Dollar für das Projekt der neu gegründeten Firma Skarp Technologies.

Bis zur Serienreife weiterentwickeln

Mit dem Budget müssen die beiden Erfinder nun den Prototyp bis zur Serienreife weiterentwickeln. Der Laserrasierer sieht bislang aus wie ein futuristischer Klingenrasierer. Und soll Männer wie Frauen gleichermassen ansprechen.

Anstelle der Klinge hat «Skarp» einen Lichtleiter, durch den Laserlicht pulst. Trifft der Lichtleiter aus Glasfaser auf ein Barthaar, wird er gebogen – am Punkt der Krümmung kann das Laserlicht austreten, und dabei das Haar durchschneiden.

Problemfall: blonde Haare

Die wichtigste Innovation liegt laut Erfinder Gustavsson in der Laser-Steuerung. Der Laserexperte war jahrelang daran gescheitert, blondes Haar per Licht zu schneiden, ohne es dabei zu verbrennen. Doch nun hat er die richtige Lichtwellenlänge zum Haareschneiden gefunden. Sein Laser reagiert auf ein Haarpigment, das in jedem menschlichen Haar vorkommt, egal, ob dieses braun, blond oder grau ist.

In Serienreife soll Skarp auch unter der Dusche funktionieren, eine Rasur soll nicht länger dauern als mit einem gewöhnlichen Klingenrasierer. Der Laser verbraucht nach Angaben der Erfinder zudem nur wenig Energie, und soll mit einer einzelnen AA-Batterie einen Monat lang schneiden. Im ersten Quartal des kommenden Jahres will Skarp Technologies die ersten Serienmodelle an die Kickstarter-Unterstützer verschicken.

Bis dahin muss Gustavsson jedoch noch viel Entwicklungsarbeit leisten, und alle Tücken einer Serienfertigung überwinden. Ob der knappe Zeitplan tatsächlich einzuhalten ist, bleibt abzuwarten. Vergleichbare Kickstarter-Projekte verspäten sich meist um mindestens ein paar Monate.

Nie mehr neue Klingen kaufen

Sollte Gustavsson all seine Versprechen einhalten, hat Skarp das Potenzial, eine komplette Branche durcheinanderzuwerfen. Weltweit nehmen die Rasierer-Hersteller 13 Milliarden Dollar im Jahr ein, neue Klingen für Einmal-Rasierer kosten zum Teil mehr als drei Euro pro Stück und halten nur ein oder zwei Wochen lang. Laut Skarp Technologies werden allein in den USA jedes Jahr mehr als zwei Milliarden gebrauchte Klingen entsorgt.

Der US-Konzern Procter & Gamble beherrscht mit seiner Marke Gillette knapp 70 Prozent des Marktes, für ihn könnte ein immer scharfer Laserrasierer herbe Umsatzeinbussen bringen. Wie frustriert die Kunden über die hohen Preise für die Klingen sind, zeigt der Erfolg des US-Startups «Dollarshaveclub», das mit dem Versprechen auf ein günstiges Klingen-Abonnement seit 2012 mehr als zwei Millionen Abo-Kunden gewinnen konnte.

Sollte der Laserrasierer tatsächlich im harten Alltagseinsatz bestehen, könnte die Nassrasur mit scharfem Stahl künftig nur noch etwas für Nostalgiker sein.

Dieser Artikel erschien zunächst in der «Welt» unter dem Titel «Für diesen Rasierer müssen Sie keine Klingen kaufen».

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