Die Buchhandlung Thalia hat in Deutschland mehrere Läden dicht gemacht: «Cottbus, Hattingen, Soest und Plauen wurden bereits geschlossen», schreibt die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» («FAZ»), «es folgen demnächst Wuppertal, Bielefeld und Köln, Basel und Mannheim, vielleicht auch Mülheim.»

Thalia betreibt in Basel an der Freien Strasse die grösste Buchhandlung der Stadt, an dem Standort, an dem über Jahrzehnte die Buchhandlung Jäggi prägend war, erinnerte das Nachrichten-Portal «Onlinereports». Doch diese Filiale ist gar nicht betroffen, wie Thalia Schweiz auf Anfrage von «Handelszeitung Online» nun mitteilt.

Geschäftsführer Michele Bomio nennt den «FAZ»-Bericht «unkorrekt» und «irreführend»: «Die Filiale von Thalia an der Freie Strasse in Basel wird nicht geschlossen und es gibt auch keine solchen Pläne.»

In dem Artikel sei zwar von Basel die Rede, «aber es handelt sich um die Filiale im Basler Einkaufszentrum Stücki». Dieser Sachverhalt sei von Thalia mit einem Pressecommuniqué bereits am 7. Mai kommuniziert worden - und die Filiale sei seit Anfang September geschlossen, so Bomio. Auch die «Tageswoche» hatte bereits im Mai von der bevorstehenden Schliessung im Stücki berichtet.

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Schweiz steht besser da als Deutschland

Für die anderen Filialen im Land gibt sich der Schweiz-Geschäftsführer optimistisch. «Keine Thalia-Filialen in der Schweiz sind aktuell in Gefahr, geschlossen zu werden», so Bomio.

Ganz anders in Deutschland: In der Stadt Essen im Bundesland Nordrhein-Westfalen schloss Thalia am Samstag eine Niederlassung in einem Gebäude mit 200-jähriger Buchhandelstradition. Rund 20 Mitarbeiter verlieren dort einem Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» zufolge nun ihre Stelle. Laut Angaben aus der Belegschaft gebe es einen «äusserst bescheidenen Sozialplan».

In der Schweiz und in Östereich steht der Buchhändler nicht so schlecht da wie in Deutschland: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 (bis Ende Juni) erzielte die Thalia-Gruppe gesamthaft Umsätze in Höhe von 689,8 Millionen Euro, was einem Rückgang von 1,7 Prozent entspricht. Während in Deutschland 2,7 Prozent weniger Umsatz zu Buche standen, konnten die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz 1,3 Prozent mehr umsetzen.

Thalia belastet Mutterkonzern

Thalia wird auch zum Problem für den Douglas-Konzern, zu dem die Buchhandlung gehört. «Das Ergebnis des Berichtszeitraums wurde durch Restrukturierungsaufwendungen im Buchbereich belastet», heisst es in der Mitteilung zu den ersten neuen Monaten. Das Programm umfasse vor allem Standortschliessungen, Flächenverkleinerungen, Untervermietungen und Sortimentsoptimierungen.

Im zweiten Quartal nahm Douglas ausserdem ausserplanmässige Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen vorzunehmen, «da sich die mittel- und langfristigen Umsatz- und Ertragspotenziale bei Thalia verschlechtert hatten».

Douglas führt laut «FAZ» seit Monaten Gespräche mit Investoren, die sich sehr für den Konzern interessieren - aber nicht unbedingt für eine defizitäre Buchsparte.

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