Die Untersuchung über die Beschattung des ehemaligen CS-Wealth-Management-Chefs Iqbal Khan könnte vor allem für Pierre-Olivier Bouée zum Problem werden: Diese These vertritt «Bloomberg» unter Berufung auf «a person familiar with the matter». Die Ermittlungen der Anwaltskanzlei Homburger zeigten an, dass Chief Operating Officer Bouée daran beteiligt war, die Überwachung von Iqbal Khan durch Detektive zu autorisieren.

Die Quelle von «Bloomberg» wollte anonym bleiben, «da die Sache privat ist». Der CS-Verwaltungsrat neige jetzt dazu, Tidjane Thiam zu verschonen, nachdem wichtige Aktionärsvertreter Unterstützung für den CEO markiert hätten. Die CS wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Geduldige Grossaktionäre

Pierre-Olivier Bouée, 48, ist ein enger Vertrauter von Thiam. Der Franzose arbeitete mit dem Ivorer zwischen 2004 und 2008 bei Aviva, wechselte dann mit ihm zu Prudential und folgte Thiam 2015 zur Credit Suisse, erst als Stabschef, wenig später als Chief Operating Officer. In dieser Rolle unterstehen ihm auch die Security-Dienste, denen die peinliche Khan-Beschattung angehängt werden dürfte.

Allerdings ist noch keineswegs ein Entscheid gefallen; der Verwaltungsrat der Grossbank soll Anfang der neuen Woche über den Casus Khan beraten. Zu den Grossaktionären, welche Thiam die Stange halten, zählt offenbar die US-Investmentgesellschaft Harris Associates: Es wäre «für die CS und ihre Stakeholder von Schaden, wenn sie wegen dieser Sache irgendein Mitglied ihres obersten Management verlieren würde», sagte Harris-Vizepräsident David Herro gegenüber «Bloomberg». Mit einer Beteiligung von 5,1 Prozent ist die Gesellschaft aus Chicago zweitgrösste CS-Aktionärin.

Allzu loyale Gefolgsleute

Eine sehr kritische Position gegenüber Thiam markiert derweil die «Neue Zürcher Zeitung»: In einem kommentierenden Beitrag sichtet man Identitätsproblem der Schweizer Grossbanken, das sich in der Wahl einer «wenig bekannte(n) Persönlichkeit» wie Thiam an die CS-Spitze ausgedrückt habe. «Zum Problem wird eine solche Konstellation dann, wenn der neue Chef, wie das Thiam offenbar getan hat, loyale Gefolgsleute mitnimmt, eine Bank in der Bank gründet und alles tut, um seine Position unangreifbar zu machen. Da kann es leicht passieren, dass anerkannte Grenzen überschritten werden.» 

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Angesichts der Vorfälle rund um den Paradeplatz drängten sich Fragen auf – insbesondere wie gut die Corporate Governance funktioniert hat.

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