Am Sonntagabend meldete sich CS-CEO Tidjane Thiam bei Instagram öffentlich zu Wort. Das sorgte für grosse Verwunderung: Zum einen inhaltlich, weil einige Kommunikationsprofis der Meinung sind, man solle sich nicht selber äussern, wenn man unter Beschuss steht, sondern stattdessen der hauseigenen Kommunikationsabteilung vertrauen. Bloss: Ist hier ernsthaft anzunehmen, dass Herr Thiam in Eigenregie – und ohne Absprache mit der Kommunikations- und Rechtsabteilung – gepostet hat?

Wohl kaum. Mit Compliance kennt er sich als Chef einer Grossbank viel zu gut aus, um da ein Risiko einzugehen.

Zum anderen gab es Kritik, dass der CS-Grande sich via Instagram zu Wort meldete. «Ausgerechnet Instagram…», wurde moniert: Im Bildernetzwerk seien doch nur die Jungen.

Warum also ausgerechnet Instagram?

Die Frage ist berechtigt: Warum ausgerechnet Instagram? Weshalb keines der Netzwerke mit ausgeprägterem Profi-Image wie Twitter oder Linkedin?

Diese fünf Gründe sprechen dafür, dass Konzernchefs wie Tidjane Thiam Instagram als Kommunikationskanal nutzen:

1. Es kommt auf den Sender einer Nachricht an: Bei einem Schwergewicht wie einem CS-Konzernchef spielt es keine Rolle, wo er sich meldet. Denn die anderen Medien werden es sowieso aufgreifen.

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2. Zahl der aktiven Nutzer: Instagram hat – nach Facebook (2'449 Millionen Nutzer/Monat), Youtube (Video), Whatsapp und Facebook (Messenger) und WeChat (chinesisch) am meisten aktive monatliche Nutzer – nämlich stramme 1'000 Millionen pro Monat. Plus: Instagram wächst immer noch (+ 5,7 Prozent) – im Gegensatz zu Twitter (- 3,1 Prozent).

Das heisst: Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Plattform auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. 

the world's most-used social platforms
Quelle: We are social/Hootsuite

3. Altersstruktur: 43 Prozent der Instagram-Nutzer sind zwischen 18 und 44 Jahre alt. Ergo: Bei Instagram erreicht man eine attraktive Zielgruppe. Für ein Unternehmen, das viel ins Recruiting junger Talente investiert, handelt es sich um eine gute Wahl, hier gelegentlich die eigene Darstellung zu posten.

Positiver Nebeneffekt: Das Image als moderner Konzernlenker wird gepflegt.

Instagram Altersstruktur
Quelle: We are social/Hootsuite

4. Der «First Mover»-Vorteil: UBS-Konzernchef Sergio Ermotti war der erste bei Twitter, die Meldung sorgte für ein grosses Medienecho. Thiam ist der erste Chef einer Schweizer Grossbank bei Insta. Und auch hier geht die Rechnung auf: Das Interesse der Medien ist gross.

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Es kommt hinzu: Die Ausdrucksmöglichkeiten bei einem stark visuell betonten Medium wie Instagram – wo sich Fotos und Videos gut präsentieren lassen – sind wesentlich besser als bei anderen Plattformen.

Tidjane Thiams Socialmedia-Stunt hat sich bereits gelohnt: Von null (beim ersten Post während des Wef am 20. Janaur 2020) kam er innert zehn Tagen auf knapp 5'000 Abonnenten – ein äusserst gelungener Start eines neuen Profils. Sergio Ermotti kommt nach etwas mehr als einem Jahr gerade mal auf rund 3000 Twitter-Follower.

Tidjane Thiam Instagram Profil

Knapp 5'000 Abonnenten in wenigen Tagen: Insta-Profil von Tidjane Thiam

Quelle: Screenshot Instagram
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5. Die potenzielle Reichweite (895 Millionen Nutzer) sowie der Frauenanteil (50,9 Prozent) bei Instagram übertrifft die bei Twitter (340 Millionen Reichweite, 38 Prozent Frauen) und Linkedin (663 Millionen Reichweite, 43 Prozent Frauen) bei weitem. Wenn man ein Thema breit in der Gesellschaft streuen möchte, sollte man eine Plattform wählen, bei der die Hälfte der Nutzer weiblich sind.

 
instagram-audience-females

 

 
Quelle: We are social/Hootsuite
twitter audience females

 

 
Quelle: We are social/Hootsuite
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linkedin-audience-females-2020

 

 
 
Quelle: We are social/Hootsuite

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