Der frühere Bankier und heutige Unternehmer Thomas Matter ist neu Verwaltungsrat sowohl der Rast Holding als auch der Gaydoul Holding. «Ich habe Thomas Matter angefragt, weil ich seine hohe Kompetenz als Investor und Bankkaufmann sowie seine Unabhängigkeit schätze», bestätigt Denner-Chef Philippe Gaydoul Recherchen der «Handelszeitung». «Anders als die meisten Bankiers muss Matter seit seinem Ausscheiden bei der Swissfirst auf keine fremden Interessen Rücksicht nehmen, sondern kann unabhängig agieren. Darüber hinaus ist er für mich und meine Mutter eine Vertrauensperson und ein Freund», präzisiert Gaydoul.

Seit dem Verkauf von Denner an Migros ist die Rast Holding ebenso wie die Gaydoul Holding das Vehikel, in dem die verbliebenen Beteiligungen von Denner-Chef Philippe Gaydoul und seiner Mutter Denise Gaydoul-Schweri eingebracht sind. Vor allem ist die Rast Holding auch Besitzerin zahlreicher Immobilien in der ganzen Schweiz, darunter das Gebäude des Denner-Hauptsitzes in der Stadt Zürich, drei Verteilzentren in Mägenwil, Frauenfeld und Schmitten sowie weitere Geschäftsliegenschaften zum Teil an besten Zentrumslagen in Bern, St. Gallen, Genf, Lausanne, Basel und Zürich. Der Wert dieses Liegenschaftenportefeuilles wird auf über 350 Mio Fr. geschätzt.

Gleichzeitig mit der Wahl von Thomas Matter in die Rast Holding sind ein Sohn und eine Tochter von Denner-Gründer Karl Schweri aus dem Verwaltungsrat der Beteiligungsgesellschaft ausgeschieden. Nicht mehr im VR sind nämlich Eliane Borzatta-Schweri und René Schweri. Deren Unterschriftsberechtigung für die Rast Holding wurde gemäss Handelsregister aufgehoben. Dies lässt darauf schliessen, dass sie von Philippe Gaydoul und seiner Mutter Denise Gaydoul-Schweri ausbezahlt wurden. Bereits früher aus dem VR ausgeschieden war Nicolas Schweri. Neu gehören dem VR somit neben Philippe und Denise Gaydoul nur noch Thomas Matter sowie der Wirtschaftsanwalt Hans Wille, ebenfalls ein Vertrauter der Familie, an. Durch diese Mutationen wurde aus der Rast Holding eine reine Familien-Holding von Mutter und Sohn Gaydoul.

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Was plant Gaydoul?

Thomas Matter bringt nicht nur eine reiche Erfahrung in der Verwaltung von grossen Vermögen, sondern auch im Schnüren von Aktienpaketen und dem Kauf- und Verkauf von Firmenbeteiligungen mit. Genau dieses Wissen dürfte sich Gaydoul mit der Wahl von Matter in den Verwaltungsrat seiner Familienholdings sichern wollen. Gemäss Handelsregistereintrag kann die Gaydoul Holding nämlich Beteiligungen an anderen Gesellschaften im In- und Ausland sowie Grundstücke und Liegenschaften halten. Zu den Plänen, die er mit seinen Beteiligungsgesellschaften hat, will sich Gaydoul indes nicht äussern: «Es ist zu früh, da weitere Details zu nennen», erklärt er. Der Grund für die Zurückhaltung dürfte in seiner Verpflichtung gegenüber der Migros liegen. Als Gaydoul am 12. Januar 2007 den Verkauf von 70% des Aktienkapitals an die Migros bekannt gab, versprach er, dass er noch bis 2009 Denner-Chef bleibt.

Matters Comeback

Thomas Matter selbst erklärt auf Anfrage: «Ich freue mich auf dieses Mandat.» Zu weiteren Details nimmt er nicht Stellung. Mit dem VR-Sitz in den Familienholdings von Philippe Gaydoul übernimmt Matter erstmals seit seinem erzwungenen Rücktritt bei der Swissfirst wieder ein VR-Mandat.

Erst vor rund einem Monat hatte Matter seinen Rekurs beim Bundesgericht gegen die Verfügung der Bankenkommission (EBK) vom Dezember 2006 zurückgezogen, gleichzeitig aber betont, dass er die Vorwürfe der EBK für nicht gerechtfertigt hält. Durch den Rückzug Matters ist die Verfügung der EBK gegen die ehemalige Bank Swissfirst am 21. November 2007 rechtskräftig geworden. Die EBK vertrat die Auffassung, dass die Swissfirst Bank bei ihrem Zusammenschluss mit der Bellevue-Holding gegen börsengesetzliche Verhaltenspflichten und gegen das Gebot einwandfreier Geschäftstätigkeit verstossen habe.

Daran stösst sich Philippe Gaydoul nicht. «Ich habe nie daran gezweifelt, dass Thomas Matter sich stets einwandfrei verhalten hat», sagt der Denner-Chef. Auch hat er keine Angst, dass die noch laufenden strafrechtlichen Abklärungen der Untersuchungsbehörden nicht doch noch allfällige Fehler des Swissfirst-Gründers zu Tage fördern. «Ich bin überzeugt, dass nichts Nachteiliges zum Vorschein kommt, denn der Fall Swissfirst war nicht ein Banken-, sondern ein Medienskandal.»

In seinem Buch «Swissfirst – Die verlorene Ehre einer Schweizer Bank» hat sich Matter als Opfer einer Rufmordkampagne beschrieben. Gaydoul erinnert daran, dass denn auch der «Blick» und «Sonntags-Blick» Fehler bei der Berichterstattung über den Fall Swissfirst zugegeben und sich öffentlich entschuldigt haben. «Thomas Matter hat nie etwas Unrechtes getan, sondern ist das Opfer einer ungerechtfertigten Treibjagd in den Medien. Ich habe volles Vertrauen in ihn.»