Das letzte Kapitel des Schweizer Buchhändlers Ex Libris ist geschrieben. Bis zum Jahresende werden die letzten 15 Filialen in der Deutschschweiz geschlossen. 2010 betrieb Ex Libris noch 114 Filialen. 2017 schrumpfte das Netz auf 57 Filialen. Ein weiteres Jahr überlebten nur die heutigen 15 Geschäfte. Nach dem nun anstehenden Kahlschlag soll das Onlinewarenhaus Galaxus den Buchhandel der Migros-Tochter übernehmen. Als Grund wird oft ein verändertes Konsumverhalten genannt. Da drängt sich die Frage auf: Steht das haptische, analoge Buch vor dem Aus?
Weit gefehlt. Hätten E-Books dem gedruckten Wort tatsächlich den Todesstoss versetzen können, läge die Beerdigung längst hinter uns. Denn das digitale Lesen wurde durch das Kindle von Amazon bereits 2007 massentauglich. Schon damals prophezeiten viele das Ende des gedruckten Buches. Doch fast zwei Jahrzehnte später zeigt sich: Totgesagte leben länger. Das physische Buch dominiert den Handel noch immer.
Dass es dem treuen Gefährten auf dem Nachttisch blendend geht, beweist auch die Konkurrenz: Orell Füssli steigerte seine Ladenanzahl seit 2022 von 46 auf 59. Offenbar glaubt man dort ans Anfassen und Stöbern. Und fährt gut damit.
Ist der Tod des Buches trotzdem eine Frage der Zeit? Stehen analoge Bücher vor dem Aus, wenn die Digital Natives übernehmen? Als Teil dieser Generation möchte ich entwarnen: Als E-Bücher 2007 auf den Markt kamen, war ich fünf Jahre alt. Sobald ich also lesen konnte, stand mir die Welt des digitalen Lesestoffs offen. Macht mich das zur E-Book-Verfechterin? Keinesfalls. Ich schwelge gerne in Erinnerungen an mein Bücherregal im Kinderzimmer und an mein Pferde-Lesezeichen.
Überhaupt besitzt das analoge Buch zahlreiche Qualitäten, mit denen kein E-Reader konkurrieren kann: Es lebt. Und das ganz ohne Strom. Es hat einen Geruch, verursacht ein Knirschen zwischen den Fingern, wird zum Zuhause für Gedanken in eigener Handschrift. All das möchte ich nicht missen.
Und damit stehe ich nicht allein. Erhebungen zum Leseverhalten der Gen-Z zeigen, dass junge Leute trotz oder gerade wegen ihrer starken digitalen Prägung eine Vorliebe für das physische Buch hegen. Bis zu 80 Prozent des gelesenen Materials sollen Printbücher sein, was auf einen höheren Printanteil als bei Älteren hindeutet. Als Teil dieser Altersgruppe überrascht mich das nicht.
Für eine Generation, die mit Bildschirmen, permanenten Benachrichtigungen und digitaler Reizüberflutung aufgewachsen ist, stellt das gedruckte Buch eine bewusste Pause dar. Es steht für die Entscheidung, ganz in eine Geschichte einzutauchen und ihr ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Für Romantiker symbolisiert es eine Konstante und vielleicht sogar eine analogere, langsamere Welt, nach der wir uns mitunter sehnen. Für Realisten bedeutet es: Das Buch ist und bleibt.

