Existiert Landis & Gyr (L+G) überhaupt noch? Die Frage hätten bis vor kurzem selbst Wirtschaftsexperten kaum beantworten können. Vor wenigen Tagen gab nun das Unternehmen, dessen Stromzähler bis heute in unzähligen Häusern ihren Dienst verrichten, ein kräftiges Lebenszeichen von sich: Der irische Verlegersohn Cameron O’Reilly, seit 2004 über die australische Bayard Group im Besitz des einst berühmten Zuger Konzerns, liess verlauten, er wolle die Firma 2009 an die Börse bringen, und zwar unter altbekanntem Namen. Diesen hält der aktuelle Eigentümer weiterhin für eine zugkräftige Marke.

Der Hauptsitz von Landis+Gyr dürfte weiterhin in Zug bleiben. Dort sind gegenwärtig 400 der insgesamt auf über 30 Länder verteilten 5000 Beschäftigten tätig. L+G werden von Branchenkennern glänzende Wachstumschancen bescheinigt. Aus den Stromzählern sind komplexe digitale Systeme geworden, mit denen sich der Verbrauch von Strom nicht nur messen, sondern auch zentral ab lesen, in Rechnung stellen und regulieren lässt.

Grossauftrag als Signal

Zur Erinnerung: 1994 beschäftigte L+G 16 000 Personen und tätigte knapp 3 Mrd Fr. Umsatz. Ein Loch in dreistelliger Millionenhöhe in der Pensionskasse war dann der Anfang eines langen Absturzes, in dessen Verlauf das Unternehmen mehrmals tranchiert, zerstückelt und verkauft wurde. Mit jedem neuen Besitzer gingen Arbeitsplätze und Umsätze verloren. Erst mit dem Einstieg der Bayard Group wurde die Talfahrt gestoppt. Innerhalb der letzten vier Jahre konnte L+G den Umsatz von rund 550 auf 1500 Mio Fr. fast verdreifachen. Jetzt scheint es bloss eine Frage der Zeit, bis der Konzern zu alter Grösse zurückgefunden haben wird. Ein Signal ist der aktuelle Grossauftrag für den US-Stromversorger Oncor mit 7 Mio Konsumenten.

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Das Comeback von L+G weist Parallelen auf mit dem Schicksal des Schuhherstellers Bally. Auch dort stieg, als tiefrote Zahlen geschrieben wurden und das definitive Ende nur noch eine Frage der Zeit schien, mit der Texas Pacific Group (TPG) eine Beteiligungsgesellschaft ein, die Bally 1999 der Oerlikon-Bührle abkaufte.

So richtig in Fahrt kam Bally allerdings erst in den letzten drei Jahren. Zwar ist das Unternehmen mit einem Umsatz von inzwischen 500 Mio Fr. heute noch deutlich von vergangener Grösse entfernt, aber es ist wieder so gut aufge-stellt, dass die TPG im April mit dem in Wien domizilierten Luxusgüterunternehmen Labelux einen Käufer für die Traditionsmarke gefunden hat.

Aus Alt mach Neu, mach Alt

Am operativen Hauptsitz Caslano TI, wo die Schuhe grösstenteils produziert werden, wollen die neuen Besitzer weiterhin festhalten. Die über 150-jährige Bally beschäftigte in den besten Zeiten über 7000 Mitarbeitende. 1976 verkaufte die Gründerfamilie die Aktienmehrheit dem Financier Werner K. Rey, der die Firma aushöhlte und sie nach neun Monaten an Oerlikon-Bührle abstiess.

Damit kommt eine weitere Traditionsfirma ins Spiel, die einmal namentlich schon verschwunden war und nun ein Comeback feiert. 1999 trennte sich Oerlikon-Bührle nicht nur von Bally und der Rüstungssparte Oerlikon Contraves, sondern auch vom eigenen Namen. Sieben Jahre lang hiess das Unternehmen Unaxis.

2006 kehrten die inzwischen österreichischen Besitzer von der Beteiligungsgesellschaft Victory wieder zum alten Namen zurück. «Der Name Oerlikon verkörpert die traditionellen Stärken des Unternehmens und typisch schweizerische Werte wie Qualität, Zuverlässigkeit, und Präzision», meinte der damalige CEO Thomas Limberger. Als OC Oerlikon fand Unaxis auch wieder zurück in die Gewinnzone, was das Interesse weiterer Investoren weckte.

Jetzt hat die russische Renova von Victor Vekselberg bei OC Oerlikon das Kommando übernommen. Limberger seinerseits ist bei Von Roll gelandet. Dem einstigen Flaggschiff der schweizerischen Stahlindustrie drohte 2003 das definitive Aus. Die damals aus der Not erzwungene Zerstückelung leitete einen erstaunlichen Genesungsprozess ein.

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Heute lebt Von Roll mindestens unter drei Namen in drei Firmen weiter, wenn auch hauptsächlich in ausländischen Händen. Denn bei Von Roll hat im Januar 2008 die Familie des deutschen Barons August von Finck definitiv die Aktienmehrheit übernommen, und die Von Roll Inova ist nun eine Tochter der österreichischen AE &E-Gruppe. Einzig die Von Roll Infratec mit Giessereien sowie Wasser- und Energietechnik gehört weiter privaten Schweizer Investoren.