Transocean treibt in turbulenten Gewässern. Den weltgrössten Vermieter von Ölbohrinseln mit Sitz in Zug belasten Abschreiber und schwere Unternehmensverluste. Grund ist der massive Preisverfall beim Öl. Am Montag kam es zum Eklat: Unternehmenschef Steven Newman trat per sofort zurück. Daneben gab das Unternehmen bekannt, Ausschüttung an die Aktionäre von 3 Dollar auf  0,60 Dollar pro Titel zu kürzen – eine Reduktion um 80 Prozent.

Der schlechte Geschäftsgang hinterlässt an der Börse tiefe Spuren. In den vergangen sechs Monaten ist der Aktienkurs von Transocean um mehr als die Hälfte gesunken. In dieser Woche ging die Talfahrt weiter, der Kurs lag bei unter 19 Dollar. Auch die Analysten reagierten. Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel heute auf 6 von zuvor 16 Dollar. Geht der Kurs tatsächlich derart drastisch auf Tauchgang, könnte Transocean schon bald seinen Platz im wichtigsten Schweizer Aktienindex, dem Swiss Market Index (SMI), verlieren.

Zwei Kriterien für Aufnahme in den SMI

Das Problem: Sinkt der Aktienkurs, schwindet die Marktkapitalisierung. Und im SMI sind die 20 grössten Titel der Schweizer Börse gelistet. Transocean gehört dazu – noch. Denn verringert sich die Marktkapitalisierung des Konzerns weiter, wächst die Gefahr, dass der Titel aus dem Index fällt.

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Allerdings gehört neben der Grösse der Marktkapitalisierung auch das Handelsvolumen zu den beiden Kriterien, die für die Aufnahme in den Index entscheiden. Bei sinkender Marktkapitalisierung könne ein höherer Handelsumsatz den Rückgang kompensieren, sagt ein Sprecher der Schweizer Börsenbetreiberin Six.

«Die Marktkapitalisierung könnte weiter fallen»

Die Index-Zusammensetzung wird einmal im Jahr geprüft. In den SMI aufgenommen wurde Transocean 2010. Die Folge damals: Der Lebensversicherer Swiss Life flog aus dem Index. Entscheidend für die Rochade war die hohe Marktkapitalisierung.

Unter den Anlegern ist das Interesse an Transocean bereits stark gesunken, das Handelsvolumen entsprechend gesunken. Daher wird vor allem der Aktienkurs über den Verbleib des Konzerns im SMI entscheiden. Und der dürfte weiterhin stark unter Druck geraten. «Die Marktkapitalisierung könnte weiter fallen», sagt Philipp Lienhardt, Analyst bei der Bank Julius Bär.

Weniger Aufträge

Denn Transocean steuert weiterhin auf schwierige Zeiten zu. Die Deutsche Bank begründet denn auch ihre drastische Rückstufung des Kursziels unter anderem mit einer rapide sinkenden Profitabilität, höheren Überkapazitäten und einer höheren Nettoverschuldung.

Anfang des Übels ist vor allem der tiefe Ölpreis. Ölunternehmen dürften wegen den tiefen Ölpreisen weniger einnehmen und ihre Investitionen zurückfahren. Das bekommt Transocean zu spüren. Lienhardt ist sich sicher: «Transocean wird weniger Aufträge erhalten.» Und das in einer Zeit, wo die Offshore-Bohrbranche sowieso schon unter Überkapazitäten leidet. Zudem seien die Fixkosten sehr hoch, so Lienhardt. Er wäre nicht erstaunt, wenn noch mehr Abschreiber hinzukommen würden.

Keine Dividende mehr

«Die kommenden zwei, drei Jahre werden für Transocean sehr schwierig», fasst Lienhardt zusammen. Er kann sich daher vorstellen, dass die Dividende im nächsten Jahr gleich ganz gestrichen werde.

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Und sollte Transocean tatsächlich aus dem SMI fliegen, stehen die nächsten Anwärter für den wichtigsten Schweizer Aktienindex bereit: Angesichts der hohen Marktkapitalisierung stehen die Chancen für eine Rückkehr von Swiss Life gut. Doch auch Unternehmen wie Clariant oder Sonova können sich berechtigte Hoffnung machen.