Zu den Vorteilen, die die Post gegenüber den Privatpaketpöstlern haben soll, gehört nicht nur der erlaubte Nachttransport, sondern auch der günstige Einkauf von Militärbenzin. «Die Schweizerische Post darf militärisches Benzin benutzen, welches viel billiger ist als jenes an der Pumpe», kritisierte kürzlich der Claude Béglé, CEO der französischen Paketpost DPD, gegenüber der «HandelsZeitung». Die Transportkosten von DPD verteuerten sich dadurch im Vergleich zur Post um einen einstelligen Millionenbetrag.

Post nicht steuerbefreit

«Das stimmt nicht, die Post wird beim Benzin nicht begünstigt», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler. Sehr wohl beziehe die Post den Treibstoff für ihre Flotte von des Bundestankstellen, die sie mit dem Militär teilt. Doch die Post sei weder von der Mehrwertsteuer noch von der Mineralölsteuer befreit.

Von den 1.75 Fr. für einen Liter Benzin gehen heute 12,4 Rp. an die Mehrwertsteuer, und 73,5 Rp. werden durch die Mineralölsteuer und weitere Treibstoffabgaben abgezwackt. An die Mineralölfirma beziehungsweise die Tankstelle gehen weitere 10,2 Rp., während der Ankaufspreis in Rotterdam 77,3 Rp. beträgt

Da die Post dank einem Mengenrabatt maximal 1 bis 3 Rp. pro Liter Benzin spare, sei dies ein Tropfen auf den heissen Stein, erklärt Flüeler weiter. Zudem profitierten andere Unternehmen ebenfalls von Mengenrabatten beim Treibstoff.

Flüeler vermutet, dass der Mythos über den günstigen Militärmost der Post entstanden ist, weil die Privatkonkurrenz davon ausging, dass das Benzin für die Post wie zum Militär steuerbefreit sei.

Dass staatsnahe Betriebe und Bundestransportfahrzeuge über ein eigenes Tankstellennetz verfügen, ist angesichts der Anfälligkeit von Infrastrukturnetzen sinnvoll. In der Schweiz gibt es mehrere Hundert solcher Tankstellen, die häufig auf dem Gelände der Post als Profitcenter für Post und Militär betrieben werden. Allein im Kanton Zürich gibt es rund 20 davon.

Anzeige

Auch SBB belastet Hausse

Allerdings befindet sich das Bundestankstellennetz anscheinend in einer ähnlichen Schrumpfphase wie das Poststellennetz. Als letzte wurde die Tankstelle an der Zeughausstrasse in Winterthur geschlossen.

Mit den derzeit hohen Benzinpreisen und dem anstehenden Klimarappen auf Benzin und Diesel, womit im Jahr 100 Mio Fr. eingenommen werden sollen, per 1. Oktober, wird der Militärrabatt der Post sowieso weggefressen.

Der andere ehemalige Bundesbetrieb, die SBB, haben keinen Zugang zu den Bundestankstellen. Die Unterhaltsfahrzeuge kaufen ihren Treibstoff zu Tagespreisen mit Mengenrabatt von kommerziellen Tankstellen, wie SBB-Sprecher Roland Binz sagt.

Selbst die SBB käme die Treibstoffhausse teuer zu stehen. «Wer die Wahl hat, fährt mit dem Zug wohl billiger als mit dem Auto», sagt Binz. Zu aktuellen Benzin- und Ticket-Preisen nachprüfen kann man das auf dem Internet unter «www.sbb.ch/vergleichsrechner».