Neben dem Besprechungstisch im Eingangsbereich des Zürcher Trekksoft-Büros stehen zwei Rennsessel, wie man sie aus der Spielhölle kennt. Was auf dem Bildschirm vom Sessel aus per Knopfdruck funktioniert, will Trekksoft mit frischem Kapital bis nächsten Sommer schaffen: Technologiechef Valentin Binnendijk und seine zwei Partner möchten das Wachstum ihrer Buchungsplattform für Freizeitaktivitäten-Anbieter beschleunigen.

Wer heute in die Ferien fährt, will etwas Besonderes erleben. Die grossen Hotelbunker sind out, viele Touristen suchen nach individuellen Hotels. Was für die Übernachtung bereits gilt, soll sich auch vermehrt im Bereich der Urlaubsaktivitäten durchsetzen. Ob Pub-Tour, Canyoning oder Bungee-Jumping, bei den Freizeit­aktivitäten hat jeder seine eigenen Vorlieben. Wer als Hotel oder ­Reiseveranstalter seinen Gästen das entsprechende Angebot bieten wolle, brauche ein schnelles, aktuelles und verlässliches System für den Zugang zu Anbietern und die Buchungsabwicklung, sagt Binnendijk. «Mit unserer Software bringen wir Tour-Anbieter und Hotels oder Reiseveranstalter zusammen und bieten beiden Seiten eine einfache Abwicklung.» Das Startup unterstützt mit seiner Plattform ­bereits 200 Touren- und Aktivitäten-Anbieter in 80 Ländern und bietet damit etwa Hotels oder Reiseveranstaltern über 3000 Touren an.

Gerade kleine Anbieter würden ihre Buchungen vorwiegend auf Papier verwalten, sagt Binnendijk. Seit einem Jahr ist das 2010 gegründete Startup aus Inter­laken dabei, Anbieter für seine Online-­Lösung zu gewinnen. Die Nachfrage nach Ferienaktivitäten verschiebe sich nach und nach ins Internet. Im Vergleich zu den Hotel- und Flugbuchungen, wo der Online-Anteil bereits teils bis zu 60 Prozent ausmache, gebe es im Aktivitätenbereich noch viel Potenzial. Smartphones und freier Internetzugang in Hotels und öffen­tlichen Einrichtungen würden die Verschiebung vorantreiben, sagt Binnendijk. Damit werde sich der Markt für Trekksoft um ein Vielfaches vergrössern.

«Unsere Software deckt den ganzen Buchungsprozess von der Präsentation auf allen Online- und Offline-Kanälen über den Zahlungsverkehr bis hin zur Kommissionsabrechnung ab», erklärt Binnendijk. Die Hauptherausforderung liege darin, eine möglichst einfache, standardisierte Plattform zu bieten, die aber gleichzeitig auch unterschiedlichen Ansprüchen grosser und kleiner Anbieter gerecht werde. Neben der Technologie sei aber das Wissen über die Branche genauso wichtig, um auf Gegebenheiten und Bedürfnisse eingehen zu können. Ein Wissen, das die Online-Unternehmer mitbringen.

Geschäftsführer Jonathan Fauver und Finanzchef Philippe Willi waren zuvor Partner bei Outdoor Adventure im Schweizer Adventure-Mekka Interlaken. Auf der Suche nach einer umfassenden Lösung für die Buchungsabwicklung entwickelten sie zusammen mit Binnendijk, den Willi vom Studium an der Universität St. Gallen kannte, den ersten Prototyp der Trekksoft-Software.

Ein Kunde der ersten Stunde war ebenfalls die Tourismus-Organisation Inter­laken. Wie Direktor Stefan Otz sagt, habe sich die Software über die letzten Jahre stets weiterentwickelt. Für Otz und die ­lokalen Anbieter, die über die Seite der Organisation laufen, sei es wichtig gewesen, eine Buchungsanwendung zu finden, welche die ganze Abwicklungskette abdeckt. «Für uns muss es einfach und schnell sein, da die Tourismusbranche sehr schnell­lebig ist», sagt Otz. Die Trekksoft-Lösung schaffe das.

Frisches Kapital für Expansion

Die Technologie steht. Nun geht es gemäss Produktionschef Binnendijk darum, das Wachstum voranzutreiben und die dafür notwendigen Verkaufsanstrengungen zu verstärken. Der Fokus liegt dabei auf Nord- und Südamerika. Seit einem Jahr betreibt Trekksoft dazu neben Interlaken und Zürich eine Niederlassung in New York. Das Verkaufsteam zählt dort bereits 16 Personen. Die Umsatzziele sind ambitiös: 2012 hat Trekksoft mit gut 200 Anbietern ein Transaktionsvolumen von 5 Millionen Franken über seiner Plattform abgewickelt. Nächstes Jahr sollen es 8 Millionen Franken und doppelt so viele Anbieter sein.

Für die dazu notwendige Expansion sollen die 800 000 Dollar dienen, die Trekksoft in den letzten neuen Monaten von Investoren zusammengetragen hat. Unter den Geldgebern befinden sich namhafte Investoren wie der ehemalige Kuoni-Chef Armin Meier, ein Branchenkenner mit Technologieerfahrung. «Trekksoft hat mich überzeugt», sagt er. Heute wollten die Kunden individuell reisen. Da reiche das Standardangebot der Reiseveranstalter nicht mehr aus. Deshalb brauche es neue Anbieter, die ihnen den Zugang zu zahlreichen Freizeitangeboten und Adventure-Touren weltweit böten.

Doch auch unter den neuen Anbietern gibt es bereits jene, die sich international etabliert haben. Die Konkurrenzplattform GetYourGuide bietet Touristen über 20 000 Touren. Obwohl sich GetYourGuide anders als Trekksoft primär auf den Verkauf an den Endkunden konzentriert, beackern beide Online-Plattformen weltweit den gleichen Markt. Das beobachtet auch Tim Bachmann, Verantwortlicher für individuelle Pauschalreisen bei Hotelplan Schweiz. «Es bestehen Überlegungen für eine Zusammenarbeit mit Trekksoft und GetYourGuide, um unser Angebot erweitern zu können.» Man sei momentan dabei, zu eruieren, welcher Partner wo stärker sei, sagt Bachmann.

Binnendijk weiss, dass gerade die Kundenakquise schwierig ist. Denn es liege in erster Linie an den Anbietern, Online als Distributionschance zu erkennen. Ent­gegen der Technologie der Rennautos auf seiner virtuellen Kartbahn im Büro entscheide aber nicht primär die bessere Technologie über den Erfolg. «Das Rennen entscheidet der, der letztlich am effi­zientesten Kunden akquirieren kann.»

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