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Türkische Kinderarbeit für Schweizer Schokolade

Kinderarbeit in türkischen Haselnussplantagen. (Bild: Zvg)

Sie sind das Knacken in der süssen Verführung – die Haselnüsse. Die türkischen Kinder, welche die Nüsse sammeln, stehen allerdings nicht auf der Schokoladenseite des Lebens.

Von Benita Vogel
am 21.11.2012

Die Schweizer Schokoladenindustrie zittert um ihren guten Ruf. Jährlich kauft sie in der Türkei Zehntausende Tonnen Haselnüsse, die zum Teil unter widrigsten Bedingungen geerntet werden. Hungerlöhne und desolate Arbeitsverhältnisse sind dort an der Tagesordnung. «Ich habe Missstände bei den Erntearbeiten von Haselnüssen in der Türkei gesehen», bestätigt Franz U. Schmid, Direktor der Branchenorganisation Chocosuisse. Es gehe vor allem um Kinderarbeit, schlechte Bezahlung und die Diskriminierung von kurdischen Wanderarbeitern. Schmid reiste deswegen Anfang September selbst in die Ernteregionen am Schwarzen Meer.

Alle betroffen

Fast gleichzeitig besuchten die wichtigsten Schweizer Fabrikanten unabhängig voneinander die Ernteorte. Lindt & Sprüngli, Migros-Tochter Chocolat Frey, die den Haselnuss-Einkauf für die gesamte Migros-Industrie orchestriert, und Ragusa-Erfinder Camille Bloch – sie alle inspizierten die Produktionsbedingungen, wie die Unternehmen gegenüber der «Handelszeitung» bestätigen.
 
Chocosuisse-Direktor Schmid ist nun daran zu evaluieren, welche Aktionen die Schweizer Schokoladenindustrie zur Verbesserung der Verhältnisse vorantreiben kann. «Ich bin daran, die Herausforderungen, die wir beim Kakao haben, mit den Herausforderungen, denen wir uns bei den Haselnüssen stellen müssen, zu vergleichen», sagt er. Alle Akteure müssten zusammen zu einem Dialog finden. Lösungsansätze sieht er neben der Durchsetzung der bestehenden Gesetze vor allem in der Rückverfolgbarkeit der Haselnüsse.

Langer Weg zu Verbesserungen

Auch auf europäischer Ebene laufen Arbeiten. «Wir sind an der Initiative des europäischen Süsswarenverbandes Caobisco, die auf die Etablierung eines breit angelegtenStakeholder-Dialogs unter der Führung der türkischen Regierung fokussiert, beteiligt und engagieren uns», sagt Schmid. Im Juli fand in Ankara eine Konferenz mit der Beteiligung von Regierung, Produzenten und Nichtregierungsorganisationen statt. Dabei wurde entschieden, eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten zu etablieren. Diese soll laut dem türkischen Arbeitsministerium Anfang 2013 zum ersten Mal tagen.

Lesen Sie mehr zum Thema in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.

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