UBS-Chef Ralph Hamers gilt gemeinhin als Digitalisierungsexperte. Auch bei der UBS will er Prozesse digitalisieren und künstliche Intelligenz dort einsetzen, wo es möglich ist. «Aber wir sind in einem Geschäft, in dem Beratung wichtig ist, dort sehe ich keine Veränderung», sagte er am Swiss Economic Forum (SEF).

Allerdings werde die Rolle der Berater durch die zunehmende Digitalisierung eine andere. «Sie müssen viele Themen lösen, die in den Prozessen nicht abgebildet sind, darum müssen wir sie besser unterstützen, damit sie mehr Zeit für die Kunden aufwenden können», sagte er. Dadurch verändern sich auch die Jobs bei der Bank: «Wir haben Jobprofile, die in der Zukunft vielleicht nicht mehr benötigt werden», sagte er. Als Beispiel nannte er Jobs in der Verwaltung.

Das heisse aber nicht, dass Stellen abgebaut würden: «Es gibt Verschiebungen. Durch die Digitalisierung werden dafür anderswo Stellen geschaffen», erklärte Hamers. Dabei sei es auch wichtig, die eigenen Mitarbeitenden zur Weiterbildung zu befähigen, damit sie auch in anderen Funktionen im Unternehmen bleiben können. «Denn mit jeder Person, die man verliert, verliert man auch Kontakte und Erfahrung.»

Vertrauen in Schweizer Banken gross

Angesprochen auf das Voranschreiten der Pandemie gab sich Hamers sehr zuversichtlich: «Die Gefahr einer Rezession ist nicht um die Ecke», sagte er. Aber man sei in der Schweiz auch nicht so tief gefallen wie anderswo, beispielsweise in den USA. Das liege daran, dass die Unterstützung durch den Staat hierzulande sehr gut gegriffen habe.

«Aber es braucht auch Anstrengungen, denn die Digitalisierung hat stark an Bedeutung gewonnen während der Pandemie. Und auch Schulden werden zurückgezahlt werden müssen», so Hamers.

Dass die UBS im Zusammenhang mit dem Archegos-Fonds einen Verlust erlitten habe, sei zwar ein Schock gewesen, sagte Hamers. «Aber wütend zu werden hilft nichts. Stattdessen mussten wir herausfinden, welche Fehler gemacht wurden und welche Lehren wir daraus ziehen.»

Das Vertrauen der Schweizer Banken sei international nach wie vor sehr gross und sie hätten einen guten Ruf. «Selbst ein solcher Verlust bringt eine Schweizer Bank nicht in Gefahr und ich hoffe, dass alle daraus gelernt haben», sagte er. Es sei aber auch ein isolierter Fall gewesen, betonte Hamers. «Und das das bestätigt, dass das Bankensystem stärker ist als vor 12 Jahren.»

(awp/tdr)