Es war eher ein Strohfeuer. Nachdem «Inside Paradeplatz» gemeldet hatte, dass UBS-Präsident Axel Weber und CS-Präsident Urs Rohner ernsthaft über eine Fusion sprechen, sprangen die Aktien beider Grossbanken gestern nach oben. Es gebe eine «Operation Signal», so die Branchensite unter Berufung auf anonyme Quellen, wobei McKinsey mit Beratungsaufgaben betraut sei.

Doch schon am nächsten Tag wurden beide Grossbanken-Titel – in einem insgesamt freundlichen Markt – dann gleich wieder nach unten korrigiert.

Was ahnen lässt, was die Anleger dem Fusions-Szenario abgewinnen können – entweder nicht allzu viel Glaubwürdigkeit oder nicht allzu viel Sinn.

«Erscheint mir sinnvoll»

Dabei folgte am Dienstag die «Financial Times» (Paywall) mit Hinweisen, dass etwas dran sein könnte am Bericht von «Inside Paradeplatz»: Unter Berufung auf eigene anonyme Quellen («people briefed on the matter») meldete das Leitmedium der Londoner City, Axel Weber prüfe in der Tat mit Beratern solch einen Zusammenschluss. Aber formelle Gespräche mit der CS-Spitze hätten noch nicht stattgefunden.

Die Idee wurde gestern landesweit diskutiert. In der «BZ Basel» meldete sich beispielsweise die SP-Politikerin Jacqueline Badran zu Wort: «Eine Fusion scheint mir sinnvoll.» UBS und CS seien abgehängt worden von den amerikanischen Grossbanken; und wolle man diesen etwas entgegensetzen, sei ein Zusammengehen unerlässlich. Auf der anderen Seite meinte SVP-Nationalrat und Bankier Thomas Matter, dass die Wettbewerbskommission solch eine Elefantenfusion nicht genehmigen sollte: Für die Vielfalt des Schweizer Bankenplatzes wäre ein Zusammengehen problematisch.

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Teilverkauf?

Das regulatorische Problem stand im Zentrum der helvetischen Debatte. «Nach der Finanzkrise 2007/08 haben Politiker und Regulatoren Jahre darauf verwendet, die beiden Grossbanken bilanzmässig einzubremsen, um die 'Too big to fail'-Problematik zu entschärfen», kommentierte etwa die «Neue Zürcher Zeitung»: «Seit dem Beinahe-Untergang der UBS sind sie sich einig: Banken dürfen nicht zu gross werden, damit sie im Krisenfall 'sterben' können, ohne das gesamte Finanzsystem in Gefahr zu bringen. Eine Fusion von UBS und CS würde diesem breit abgestützten Konsens zuwiderlaufen.»

Und die «Too big to fail»-Regeln sehen vor, dass grössere Bilanzen überproportional mehr Eigenkapital verlangen. «Ein Zusammengehen von UBS und CS wäre vor diesem Hintergrund regulatorisch wohl nur zu stemmen, wenn Teile des fusionierten Gebildes veräussert würden.»

In der SRF-Sendung «Eco» deutete HSG-Banken-Professor Manuel Ammann die Lage ähnlich: Mit solch einer Fusion würden die Fortschritte bei der «Too big to fail»-Kontrolle mit einem Schlag zunichte gemacht – die fusionierte Grossbank wäre ein «substanzielles Klumpenrisiko» für die Schweiz. Und angesichts der drohenden Marktmacht im Inland könnte UBS-CS von den Behörden kaum «ohne schwerwiegende Auflagen» durchgewunken werden.

Basel IV? 

Anders erscheint die Lage, wenn man sie aus der internationalen Adlerperspektive betrachtet. In Europa zeigt sich eine Tendenz zu Grossbankenfusionen – aktuelle Fälle sind die aufgegleisten Zusammenschlüsse von Intesa Sanpaolo und Ubi Banca in Italien sowie von Ciaxa und Bankia in Spanien. Auch in Deutschland werden diverse Fusionsszenarien mit Commerzbank und Deutscher Bank geprüft. Denn einiges drängt derzeit in diese Richtung – tiefe Zinsen, tiefe Margen, hohe anstehende Digitalisierungskosten. Und vor allem auch eine Neubeurteilung der gesellschaftlichen Rolle der Finanzinstitute.

Dies wiederum führt zu einer politischen Neubewertung der Lektionen aus der Finanzkrise. Aktueller Fall: Die Regierungen von Deutschland und Frankreich arbeiten bei der EU darauf hin, die so genannten «Basel III»-Kapitalregeln wieder zu lockern. Dies meldet «Reuters» nach Einblick in entsprechende Schreiben der Finanzminister in Paris und Berlin.

«Give it a chance»

Für die Schweizer Grossbanken geht es eben auch darum, mit den globalen Riesen mithalten zu können. Bezeichnend die Einschätzung der New Yorker Wirtschaftsagentur «Bloomberg»: «Give it a chance», so der Titel.

Zwar thematisiert der Kommentar auch die Widerstände: Etwa die gewaltige Bilanzsumme von UBS-CS; sie wäre mit 1'900 Milliarden Franken mehr als dreimal so gross wie die jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz. Oder das Antitrust-Problem, das im Schweizer Hypothekenmarkt unweigerlich entstehen würde.

Doch im internationalen Investmentbanking sähe die Lage anders aus: UBS-CS könnte im Obligationenhandel wie im Aktienhandel wie im M&A-Geschäft wieder Anschluss finden. Auch im Asset Management würden Skaleneffekte die Schweizer konkurrenzfähiger machen. «Die Schweiz müsste davon überzeugt werden, dass es besser ist, eine Bank zu haben, die profitabler und wettbewerbstauglicher ist – als zwei kleinere Banken, die von ihren Wallstreet-Konkurrenten überstrahlt werden.»

Und so deutet sich an, in welche Richtung die «Operation Signal» gehen könnte. Die «Financial Times» zitierte dazu einen der zehn grössten Aktionäre einer der beiden Grossbanken: Es gäbe wohl einen «Case», beispielsweise im Investmentbanking gewisse Geschäftsbereiche zusammenzuführen; denn hier fehle den Schweizer Grossbanken die kritische Masse, um mit den Wallsstreet-Riesen mitzuhalten. Aber in einer vollumfänglichen Fusion sehe er keine Logik.

(rap)

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