Kurz vor Mittag traten UBS-Präsident Axel Weber, Chef Sergio Ermotti und der designierte Nachfolger Ralph Hamers in Zürich vor die Medien. Zunächst gab es viel Eigen- und Fremdlob für den abtretenden UBS-Chef: Ermotti habe das Gesicht der Bank grundlegend verändert und eine Komplett-Überholung der UBS vollbracht, lobte Präsident Weber seinen langjährigen operativen Leiter.

Auch Ermotti sparte nicht mit Superlativen nach neun Amtsjahren: Der einzige globale Vermögensverwalter sei heute seine UBS und eine «rocksolid bank» , die seinem Nachfolger Ralph Hamers nun eine «maximale strategische Flexibilität» biete. 

Alle drei Herren der Hochfinanz kennen sich übrigens bereits seit Jahren. Denn Präsident Weber, der designierte Chef und heutige ING-Groep-Banker Hamers wie auch der noch amtierende CEO Ermotti sitzen gemeinsam in verschiedenen europäischen Finanzindustrie-Gremien. In einem dieser Branchengefässe, der European Banking Group, haben sich Weber und Hamers übrigens bereits vor sechs Jahren kennen und schätzen gelernt.

Nach einem strengen 15-monatigen Assessement, so der UBS-Präsident, habe am Ende «Ralph» am meisten überzeugt und deshalb das Rennen gemacht. Auf die Frage, weshalb man keinen Vermögensverwalter wählte und stattdessen auf einen Retailbanker von der ING Groep setze, machte Weber klar, dass die Bank über ausreichend eigenes Know-How im Wealth Management verfüge.

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Gefragt sei vielmehr die Fähigkeit, ein global systemrelevantes Institut in allen Facetten zu leiten. So gehören UBS wie ING zur Gruppe der 30 G-SIB-Institute, die für das weltumspannende Finanzsystem von zentraler Bedeutung sind. 

Einführung ab September

Diese Führungserfahrung bei einer globalen Bank ist allerdings nur ein Aspekt, weshalb die Wahl des UBS-Verwaltungsrates auf den Holländer fiel. Hamers sei ein «digitaler Leader», so Weber, der für die Bank ein neues Kapital aufschlage. Stichwort: Digitalisierung des Kerngeschäfts, also der Vermögensverwaltung. Dabei wurde der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber nicht müde zu betonen, dass man aber gleichzeitig an der bisherigen, erfolgreichen Strategie der Bank festhalten wollen.

Wie dieser Spagat zu bewerkstelligen ist, wird sich ab September weisen. Dann nämlich tritt Hamers für zwei Monate in die Konzernleitung ein, um bis zum Abgang Ende Oktober vom bisherigen Stelleninhaber Ermotti bestmöglich eingeführt zu werden. Ermotti versprach denn auch eine «smooth transition» für Hamers.

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Schliesslich war der designierte UBS-Chef Ralph Hamers an der Reihe, seinen Jobwechsel von Amsterdam nach Zürich zu begründen: Der Niederländer blieb bei seinem ersten öffentlichen Auftritt allerdings im Vagen. Ja, er geriet gar ins Schwadronieren, während Weber und vor allem Ermotti ziemlich sauertöpfisch dreinblickten.

Viel blieb von Hamers Floskeln allerdings nicht hängen: Es sei eine Ehre für die Bank zu arbeiten, betonte der holländische Banker. Und ja, mit Big Data Modelling und Artificial Intelligence liesse sich der Kundennutzen deutlich erhöhen. 

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Folgt Ermotti auf Weber?

Eine zentrale Frage für die Führung der Grossbank blieb allerdings bis zum Schluss der Veranstaltung unbeantwortet: Wird Sergio Ermotti in zwei Jahren Axel Weber als UBS-Präsident beerben? Es sei heute nicht der Tag, um über seine Karrierepläne zu spekulieren, unterband der Tessiner die Frage nach der eigenen beruflichen Zukunft, in- oder ausserhalb der UBS.

Auch die operativen Abgangsmodalitäten seien noch nicht geklärt, sagte Ermotti. So sieht sein Arbeitsvertrag eine Kündigungsfrist von sechs Monaten vor. Abtreten wird er allerdings erst Ende Oktober. Mit anderen Worten: Noch arbeitet Ermotti in ungekündigter Stellung für die Bank. 

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