Die Parallelen zwischen dem kürzlich zurückgetretenen Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam und dem designierten UBS-Chef Ralph Hamers sind frappant: Beide sind Ausländer und haben keinerlei Bezug zur Schweiz. Beide hatten zuvor nicht in der jeweiligen Grossbank kontinuierlich Karriere gemacht. Und beide stammen nicht aus dem eigentlichen Kerngeschäft der beiden Institute.

Der Ex-McKinsey-Berater Thiam war zuvor Chef eines britischen Versicherungskonzerns. Hamers amtet zwar aktuell als Bankchef. Aber die ING Groep ist ein weltumspannender Allfinanz-Koloss mit einem Schwergewicht auf Direkt- und Retailbanking. In der eigentlichen Paradedisziplin der UBS, der Vermögensverwaltung, hat 53-jährige Holländer keine Erfahrung.

Das musste er wohl auch nicht, ging es nach Assessment-Kriterien von UBS-Präsident Axel Weber. Denn wie seinerzeit Urs Rohner mit Tidjane Thiam einen unbelasteten Outsider als Bankchef rekrutierte, um die CS grundlegend neu aufzustellen, soll die Wahl Hamers dem grössten Schweizer Bank nun wohl endlich den erhofften Schub verleihen.

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Zwar ist die Lage bei der UBS keineswegs so existentiell bedrohlich, wie 2015 als Thiam bei der CS antrat und mit notorischen Kapitalnöten und einer aufgeblähten Investment Bank zu kämpfen hatte. Vielmehr hinterlässt UBS-Chef Ermotti dem neue CEO Hamers eine grundsolide aufgestellte Bank, die allerdings wenig zukunftsträchtiges Potenzial zeigt.

Zusehends ausser Tritt

Schliesslich geriet die grösste Schweizer Bank in der neunjährigen Regentschaft des Tessiners zusehends ausser Tritt. Ein ums andere Mal musste Ermotti seine Ziele zurückschreiben wie zuletzt bei der Präsentation der Jahreszahlen Ende Januar. Und immer war das garstige ökonomische Umfeld Schuld an der anämischen Entwicklung, obwohl die Börsen seit bald zehn Jahren einen andauernden Bullenmarkt erleben. 

Umbau bei der UBS

Soviele Jobs könnten bei der Schweizer Nummer eins wegfallen. Mehr hier.

Diese fast schon notorische Wachstumsschwäche wirkte wie Blei auf den UBS-Valoren. Auch, weil es Ermotti nicht gelang, die Kostenstruktur der Bank strukturell zu verbessern. Fairerweise muss man sagen, dass in seinen Amtsjahren gigantische Mehrkosten durch Compliance und Regulierungen zu bewältigen waren. Ganz zu schweigen von den Topline-Einbussen durch die rigorose Weissgeld-Strategie.

Jedenfalls wirkte die Bank unter ihrem Tessiner Chef zusehends uninsipiriert und verbissen. Vor allem im Bereich der Digitalisierung des Kerngeschäfts, der Vermögensverwaltung. Dort machte Ermotti bis zuletzt wenig Anstalten, das eigene, nach wie vor artisanale Private-Banking-Geschäft grundlegend neu zu denken. Die Angst der eigenen Kanibalisierung schien in der Organisation stets zu überwiegen. Weshalb zahlreich interne UBS-Digitalinitiativen es nie über den Status eines Versuchsballons schafften, der an den starren, siloartigen Konzernstrukturen zerplatzte.

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Chefwechsel bei der UBS

Die wichtigste Frage bleibt unbeantwortet. Mehr hier.

Stellenabbau bei der ING

Es wird nun der vordringlichste Job von Ralph Hamers sein, der Grossbank diese digitalen Skills strukturell und nachhaltig einzuimpfen. Dass die Wahl, wie seinerzeit bei Thiam, auf einen unbelasteten Ausländer als neuen Chef fiel, hat auch damit zu tun, dass diese konsequente Digitalisierung aller Geschäftsprozess nochmals massiv Jobs kosten wird.

Hamers weiss dies nur zu gut: Als ING-Chef kündigte er vor vier Jahren eine «Digital Plattform»-Initiative an. Im gleichen Atemzug strich Hamers 7000 Jobs, was rund zwölf Prozent der Bankbelegschaft entsprach. Die holländischen Gewerkschaften geisselten die Aktion damals als «Horror Show». Nun ist die UBS nicht ING, aber eins ist sicher: Auf die grösste Schweizer Bank kommen mit dem neuen Chef Ralph Hamers schmerzhafte Einschnitte zu.

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