Jetzt auch die UBS. Nachdem die Credit Suisse vergangenes Jahr die Integration der Neuen Aargauer Bank ins Mutterhaus vollzog und den Abbau von 39 Filialen ankündigte, zieht nun die andere Grossbank nach. 44 von 239 UBS-Aussenstellen werden geschlossen, sagt der abtretende Schweiz-Chef Axel Lehmann in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

Überraschend kommt das nicht. Wenn, dann überrascht höchstens, wie lange sich die UBS mit diesem Entscheid Zeit liess. Denn der Trend vom Schaltergeschäft zur Digital-Transaktion ist ungebrochen und wurde durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt.

Längst fallen nicht nur Bargeld-Transaktionen oder kleine Schalter-Aufträge weg. Auch Kontoeröffnungen, Anlageberatung oder das Hypothekargeschäft wickeln viele Bankkunden online ab. Und selbst die Bankomaten, die einst den Abbau der Kassenfronten eingeleitet hatten, verzeichnen immer weniger Transaktionen.

Zwar gibt es noch Banken, die weiterhin auf ein möglichst breites Netz schwören. Migros-Bank-Chef Manuel Kunzelmann sagte im vergangenen Sommer im Gespräch mit der «Handelszeitung», er könne sich sogar neue Niederlassungen vorstellen. Andere Banken gründen Filialen, um in noch unerschlossene Regionen vorzustossen (wie die BLKB im Aargau). Doch unter dem Strich ist die kleine Filiale im Dorf oder Quartier ein Auslaufmodell.

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«Wie in anderen Branchen wird die Digitalisierung Stellen obsolet machen. Aber sie verlangt neues Personal in anderen Bereichen.»

Zu hoffen ist, dass die Banken in diesem Umbauprozess ihre Angestellten nicht vergessen. Aus Kassiers und Auftragsempfängerinnen müssen sie – über Weiterbildung und Förderung – echte Berater machen, die ihren Kunden einen Mehrwert bieten können, der über das hinaus geht, was diese sich mit ein wenig Googlen selbst beschaffen können. Heute ist das leider oft noch nicht der Fall.

Wie in anderen Branchen wird die Digitalisierung Stellen obsolet machen. Aber sie macht Investitionen – und damit auch Personal – in anderen Bereichen notwendig. Zwar brauchen Banken in Zukunft weniger Leute an der «Front». Doch hinter den Kulissen ist das Geschäft anspruchsvoller geworden. Globale Technologie-Konzerne stossen zunehmend in die Finanzbranche vor und stellen alte Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen in Frage.

Gleichzeitig greifen kleine Startups die Banken in jenen Bereichen an, in denen der Wettbewerb zu wenig spielt und die Margen noch zu fett sind. Im Börsenhandel oder dem Zahlungsverkehr haben diese Veränderungen bereits deutliche Spuren hinterlassen. Banken, die sich hier nicht neu aufstellen und kreative, neue Ansätze entwickeln, haben bald grössere Probleme als die Frage nach der korrekten Anzahl Filialen.

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