Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Händler Kweku Adoboli gelangen neue Details an die Öffentlichkeit: Neben seiner Fehlspekulation in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar, setzte der Trader bei der Schweizer Grossbank mit einem verbotenen Finanzgeschäft - dem sogenannten Spread Betting - insgesamt 185'000 Franken in den Sand. 

Spread Betting ist eine Form von Spekulation, bei der sich die Gewinnquote verändert - abhängig vom Zeitpunkt, an dem das Ereignis eintritt. Dabei hat der Spekulant die Chance auf hohe Gewinne, riskiert aber auch hohe Verluste. Wie Staatsanwältin Esther Schutzer-Weissmann darüber hinaus ausführte, wurde Adoboli von der UBS zweimal darüber orientiert, dass diese Wettpraxis gegen die internen Bankregeln verstossen. Diesen Sachverhalt bestreiten weder die Anklage noch die Verteidigung. 

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Ausserdem erfuhren die Geschworenen während des Prozesses, dass Adoboli im Jahr 2010 gegen 541'000 Franken verdient hatte und von seinem UBS-Konto aus Zahlungen an verschiedene Kleinkreditfirmen ausführte. Sein Konto, auf welchem die Grossbank das Adoboli-Gehalt überwies, war denn auch zum Zeitpunkt der Festnahme mit 5400 Franken überzogen. 

Investmentbank-Chef informierte Grübel

Zur Erinnerung: Am 15. September 2011 wurde der UBS-Händler Kweku Adoboli festgenommen. Am selben Tag musste die UBS einen Handelsverlust aufgrund nicht autorisierter Handelsgeschäfte bekanntgeben. Das kostete die Bank letztlich 2,3 Milliarden US-Dollar. Der Skandal führte daraufhin zu einer Welle der Entrüstung und kostete den damaligen UBS-Konzernchef Oswald Grübel schliesslich das Amt. 

Dieser nahm gestern nun im Interview mit Roger Schawinski zum Fall ausführlich Stellung. So habe der Topbanker laut eigenen Aussagen nach Verlassen eines Flugzeugs - einige Tage vor Bekanntwerden der Affäre - von der Neuigkeit erfahren. «Als ich das Handy einschaltete, erhielt ich eine SMS des Chefs des Investmentbankings. Ich solle ihn dringend anrufen».

Wenn dieser in solch einer Tonalität schreibe, verheisse das in der Regel nichts Gutes. «Wo brennt's?» habe Grübel den Investmentbank-Chef beim Rückruf gefragt. Die Antwort war: «Diesmal brennt's richtig». 

Grübel wusste: Seine Zeit war abgelaufen

Neun Tage nachdem die Öffentlichkeit vom Skandal erfuhr, musste Grübel zurücktreten. Für ihn sei jedoch schon früher klar gewesen, dass er seinen Posten aufgeben müsse. Der Verwaltungsrat habe ihn aber darum gebeten, mit dem Rücktritt zu warten. «Das war meiner Ansicht nach ein Fehler», sagt Grübel in der Sendung «Schawinski». Der Grund: «Jemand musste die Verantwortung übernehmen», so der ehemalige UBS-Chef. Und weiter: «Ich war eh alt genug, um in Pension zu gehen». 

Die Verluste in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar waren laut Grübel aber nicht der Grund für den Rücktritt. «Es ging mehr um den Reputationsschaden.» Dass der Chef der Investmentbank nicht seinen Hut nehmen musste, kann Grübel durchaus nachvollziehen. «Das hätte der Bank auch nicht geholfen, die Reputation wäre nicht wieder hergestellt worden.» Man hätte sich weiter auf die Person Grübel fokussiert, ist sich der Topmanager sicher. 

(muv/tno/sda)