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UBS: Zocker-Verlust noch höher als erwartet

Nach dem Gerichtstermin in London: Der angeklagte Händler Kweku Adoboli (Bild: Keystone)

Das Milliardendesaster bei der UBS ist noch grösser, als bislang erwartet: Der Verlust liegt 300 Millionen Dollar über der bisherigen Schätzung, teilte die Grossbank mit - und verriet weitere Details

Veröffentlicht am 18.09.2011

Nach Tagen des Schweigens hat die UBS am Nachmittag weitere Details zum Zocker-Verlust in der Investmentbank bekanntgegeben. Der durch unbewilligte Handelsgeschäfte eines Händlers in London entstandene Schaden beläuft sich gemäss den neuesten Angaben der Grossbank auf 2,3 Milliarden US-Dollar und liegt damit über den bislang genannten 2 Milliarden.

Die Bank habe vor der Bekanntgabe weiterer Details erst sicherstellen müssen, dass sie die verbuchten Positionen kenne und den entstehenden Verlust beziffern könne, so die UBS in einer Mitteilung. Inzwischen sei das im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel entstandene Risiko abgedeckt und das Aktiengeschäft laufe innerhalb der vormals festgelegten Risikolimiten wieder normal weiter.

Der fehlbare Händler arbeitete im Bereich Global Synthetic Equity in London. Der Verlust sei durch unautorisierten, spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, Dax und EuroStoxx im Verlauf der letzten drei Monate entstanden. Die dabei eingegangen Positionen hätten sich innerhalb des für eine globale Aktienhandelsfirma üblichen Rahmens bewegt, wenn sie Teil eines korrekt abgesicherten Portfolios gewesen wären.

Die tatsächliche Dimension des Risikoengagements sei jedoch dadurch verfälscht worden, dass die Positionen im UBS-System abgesichert wurden. Allerdings habe diese Absicherung aus fiktiven Forward-Transaktionen in Cash-ETFs bestanden, welche der Händler zum Schein getätigt habe. Diese fiktiven Transaktionen hätten die Tatsache verdeckt, dass die Risikolimiten der Bank durch den Handel mit den Indexfutures überschritten wurden, so die UBS weiter.

Händler meldete sich erst nach Prüfung

In der Mitteilung macht die Bank auch erste Angaben darüber, wie der Händler entlarvt wurde: Nachdem UBS-Kontrollstellen die Positionen des Händlers geprüft und Rückfragen an ihn gerichtet hätten, habe dieser am Mittwoch, 14. September 2011 seine unerlaubten Aktivitäten zugegeben.

Gegen den fehlbaren Händler Kweku Adoboli haben die britischen Behörden Anklage wegen Betrugs und Missbrauchs seiner Stellung erhoben.

Zur weiteren Aufarbeitung des Falls hat der UBS-Verwaltungsrat einen speziellen Ausschuss eingesetzt. Dieser soll die unerlaubten Handelsaktivitäten und deren Bezug zum Kontrollumfeld unabhängig untersuchen.

Der Ausschuss stehe unter dem Vorsitz von David Sidwell, Senior Independent Director, und werde an den Verwaltungsrat rapportieren. Die weiteren Mitglieder des Ausschusses sind Ann Godbehere und Joseph Yam.

UBS-Chef Oswald Grübel denkt trotz der Vorkomnmnisse nicht an einen Rücktritt. «Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert», sagte Grübel in «Der Sonntag». «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich Nein.»

(tno/kgh/awp/sda)

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