Das Corona-Virus zwingt die weltweite Reisetätigkeit in die Knie: Der Flugverkehr ist nahezu lahmgelegt, Airlines kämpfen ums Überleben und versuchen zugleich den Kunden gegenüber kulant zu sein. Weltweit lockern die Konzerne die Regeln für Umbuchungen oder Stornierung deutlich. Hintergrund ist: Sie brauchen nämlich dringend das Geld in der eigenen Kasse, um die Krise irgendwie zu überwinden.

«Im Grundsatz versuchen wir, die Kunden so oft wie möglich mit Gutscheinen zufriedenzustellen und keine sofortigen Rückzahlungen zuzulassen», sagte Lufthansas Finanzvorstand Ulrik Svensson an einer Konferenz vor wenigen Tagen, wie NZZ berichtet. Am 5. April verkündete Lufthansa, dass Svensson aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt.

Anspruch auf Rückerstattung

Laut EU-Recht steht Passagieren die Erstattung der Ticketkosten jedoch zu. Wenn der Kunde einen Gutschein oder eine Umbuchung ablehne, müsse das Unternehmen den Reisepreis erstatten, sagte EU-Verkehrskommissarin Adina Valean der Zeitung «Die Welt». Die Rechtslage sei in dieser Frage «klar».

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Auch in der Schweiz haben Passagiere Anspruch auf eine Rückerstattung des Ticketpreises. In Deutschland hat die Bundesregierung Anfang April einen Vorschlag für die Rückerstattung von wegen der Corona-Krise gestrichenen Flügen präsentiert. Demzufolge sollen die Verbraucher statt einer Erstattung erst einmal Gutscheine bekommen. Aber: Die Gutscheine sind auch hier nur mit Zustimmung des Kunden legal. In den USA wurde United Airlines bereits von einem Passagier verklagt, weil der Konzern das Geld nicht erstatten wollte.

Nichts desto trotz laufen viele Kunden mit ihrer Forderung bei den Airlines vor eine Wand. Stattdessen reichen die Angebote der Airlines von kostenlosen Umbuchungen und Rabattangeboten bis zu Statusverlängerungen. Eine Übersicht:

Lufthansa/ Swiss/ Edelweiss:
Im Zuge der Corona-Krise hat die Lufthansa Group, also auch die Swiss und Edelweiss, ihre Tickettarifstruktur umgestellt und verschiedene Spezialregeln für Umbuchungen und Annullationen lanciert. Demzufolge behalten Tickets, die bis einschliesslich 19. April 2020 gekauft wurden, ihren Wert und können in eine neue Buchung mit einem Abflugdatum bis einschliesslich 30. April 2021 umgewandelt werden. Umbuchungsgebühren entstehen dabei weiterhin nicht, egal welcher Tarif gebucht wurde. Zudem erhalten Kunden, die ihren Flug, statt zu stornieren, einfach auf ein Datum bis Ende 2020 umbuchen, einen Rabatt von 50 Franken. Aber: Wer sich dazu entscheidet, im Rahmen der Umbuchung von Kurz- auf Langstrecke oder die Reiseklasse zu wechseln, muss trotz Discount mit einem Aufpreis rechnen.

Bis zum 3. Mai 2020 bietet die Swiss nur noch zwei Langstreckenflüge an, die drei Mal wöchentlich durchgeführt werden sollen:

  • ZürichNew York (Newark)
  • Genf – New York (Newark)

Lufthansa führt ausschliesslich vom Flughafen Frankfurt drei Mal wöchentlich Langstreckenflüge zu sechs verbleibenden Destinationen durch. Dazu gehören:

  • Bangkok
  • Chicago    
  • Montreal    
  • New York (Newark)    
  • São Paulo    
  • Tokio (Haneda)

Emirates:
Bei der Golf-Airline erhalten Kunden, deren Flug annuliert wurde, einen Reisegutschein in Höhe des Ticketwertes mit einer Gültigkeit von 12 Monaten ab Ausstellungsdatum. Buchungen für Reisen am oder vor dem 30. Juni können zudem zu einem beliebigen Emirates-Ziel in derselben Region kostenfrei umgebucht werden. Doch auch hier gilt: Bei einem Upgrade muss die Preisdifferenz vom Kunden selbst getragen werden. Vielflieger können zudem in der Krise ihren Meilenstatus mit 80 Prozent der erforderlichen Anforderungen aufrechterhalten. Heisst: Für den Silver-Status reichen statt 25.000 jetzt 20.000 Statusmeilen, Gold-Mitglied wird man statt bisher mit 50.000 nun mit 40.000 Meilen und Platinum-Mitglieder müssen statt 150.000 nun 120.000 Meilen sammeln. Zudem wird der Status bis Ende Jahr verlängert – falls die Vielflieger zwischen März und September ihr Level nicht aufrechterhalten können.

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Seit dem 6.April fliegt Emirates wieder von Dubai nach London Heathrow, Frankfurt, Paris, Brüssel und Zürich – mit  vier Flügen pro Woche nach London Heathrow und drei Flügen pro Woche in die anderen Städte.

Qatar Airways:
Alle bestehenden und Neubuchungen können bei Qatar Airways, die bis zum 30. September 2020 vorgenommen werden, kostenfrei bis maximal drei Tage vor Abflug umgebucht werden. Zudem können Passagiere ihre Tickets gegen einen Gutschein mit 10 Prozent Mehrwert zurückgeben. Heisst: Es fällt ein zusätzlicher Betrag in Höhe von 10 Prozent des Grundpreises ohne Steuern und Gebühren an. Der Gutschein ist dann für Reisen innerhalb von 12 Monaten ab dem Datum der Gutscheinausstellung gültig.

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Air France/KLM:
Air France hat seine Flugkapazität um bis zu 90 Prozent reduziert. Seither bieten KLM und Air France die gebührenfreie Umbuchung von Tickets: Bei Buchungen bis 31. Mai haben Reisende bis zum 30. September Zeit, den Abflugtermin ohne Änderungsgebühren zu verschieben, sofern diese in derselben Reisekabine verfügbar sind. Die neue Reise muss dann spätestens am 30. November beginnen. Etwaige Kosten einer Tarifdifferenz bleiben bestehen. Auch können Passagiere ihre Tickets gegen Gutscheine tauschen. Diese sind einlösbar für Tickets von KLM, Air France oder Delta Air Lines und 12 Monate gültig.

Easyjet:
Der Billigflug-Anbieter Easyjet hat Ende März seine komplette Flotte gegroundet und erlässt bei Umbuchungen entsprechend die Gebühr. Reisende können nun auf alternative Termine und/oder ein alternatives Reiseziel umbuchen. Passagiere, die noch nicht bereit sind, umzubuchen, erhalten einen Fluggutschein im Wert der Buchung, gültig für den Zeitraum der Wintersaison 2020/2021. Wenn der neue Tarif höher ist, müssen die Kunden die Flugpreisdifferenz bezahlen.

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United Airlines:
Die amerikanische Airline hat im April ihren internationalen Flugplan um etwa 90 Prozent reduziert und führt aktuell noch sechs tägliche Flüge nach Asien, Australien, Lateinamerika, im Nahen Osten und Europa durch.
Umbuchungsgebühren für Tickets entfallen, die am oder vor dem 2. März 2020 ausgestellt wurden. Dies gilt auch für Neubuchungen: Wer bis zum 30. April 2020 einen Flug bucht, kann diesen in den nächsten 12 Monaten kostenlos ändern. Zudem behalten MileagePlus-Sammler bei United Airlines mindestens den Meilen-Status, den sie für 2020 erworben haben bis Januar 2022. Darüber hinaus senkt United für das Statusjahr 2021 die Schwellenwerte für jede Statusstufe um 50 Prozent.

British Airways:
Im März teilte die British-Airways-Mutter IAG mit, dass sie ihre Kapazitäten im April und Mai um mindestens 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduzieren wird. Zur IAG-Gruppe gehören auch die spanische Iberia, die irische Aer Lingus und die Billiglinien Level und Vueling. Reisende mit Buchungen bis zum 31. Mai erhalten einen Gutschein zu einem beliebigen Ziel. Diese Fluggutscheine sind zwölf Monate ab dem eigentlichen Flugtag gültig. Ist die neue Buchung günstiger als die ursprüngliche, erhält man auch dann keine Rückerstattung, sondern nur einen Gutschein für die Preisdifferenz.

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Ryanair:
Bei Ryanair können Kunden bei einer Fluannulierung entweder eine Erstattung oder eine kostenfreie Umbuchung ihres Flugs beantragen. Kunden, die eine vollständige Erstattung wünschen oder einen stornierten Flug umbuchen möchten, müssen sich bei Ryanair in ihr Kundenkonto einloggen und dort den jeweiligen Antrag stellen. Seit dem 24. März sind fast alle Ryanair Flüge gestrichen.

Singapore Airlines:
Die Airline verzichtet auf auf die Umbuchungsgebühr für Tickets, die am oder vor dem 15. März 2020 für Reisen bis zum 31. Mai 2020 ausgestellt wurden. Kunden können ihre bestehenden Flüge stornieren, den Wert ihrer Tickets behalten und ihre Reise zu einem späteren Zeitpunkt umbuchen. Sie erhalten dann einen Gutschein. Eine Differenz zum neuen Flugpreis muss aber bezahlt werden. Insgesamt sind bis Ende April 96 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazitäten gestrichen.

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