Es ist der Aufreger der Woche. Aufgrund eines Datenlecks wurden tausende Geldwäscherei-Meldungen bekannt, die von amerikanischen Banken eingereicht wurden und den internationalen Zahlungsverkehr betreffen. Und, oh Wunder, darunter finden sich auch zahlreiche Transaktionen von oder an Schweizer Banken. Das dreckige Geld der Welt sucht noch immer seinen Weg in den sicheren Hafen an den Alpen.

Es ist ein Reizthema. Denn wir alle wissen: Wer sich auf superreiche Kunden spezialisiert, wird die Gefahr und den Ruf nie ganz los, auch mal ein Auge zuzudrücken. Und vielleicht auch Gelder zu akzeptieren, die nicht ganz lupenrein sind. Und haben uns diese neuen Zahlen nicht genau das wieder bewiesen?

Ja und nein. Zunächst mal, kann man die Geschichte positiv lesen. Denn die vielen Meldungen zeigen, dass das kollektive Schweigen längst gebrochen ist. Banken verpfeifen nicht nur Kunden, sondern auch andere Banken, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Die Zeiten, in denen Korrespondenzbanken einfach durchschleusten, was von einer Bank an die andere ging, sind offenbar vorbei.

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Auch in der Schweiz funktioniert das Meldesystem grundsätzlich. Die Meldestelle für Geldwäscherei erhält immer mehr Meldungen. Vom langjährigen Mittelwert von rund 1500 Meldungen pro Jahr ist die Zahl bis 2018 auf mehr als 6000 Meldungen zuletzt steil angestiegen. Das kann man doppelt deuten. Ja, bei den Banken hat das Bewusstsein zugenommen. Gleichzeitig geht es auch um das gute alte «Cover my Ass»: Im Zweifel wird gemeldet, um am Ende nicht haftbar zu sein. Den Zweck erfüllt aber auch das.

Noch immer aber wird man den Eindruck nicht ganz los, dass die Geldwäscherei-Verdachtsmeldungen hierzulande vor allem beim Kleinkunden besonders gut funktionieren. Dort übersteigen die Kosten mühsamer Abklärungen schnell mal die möglichen Erträge. Entsprechend leicht fällt es den Banken, auf solche Kunden zu verzichten.

Heikler wird es im Private Banking und im Geschäft mit den High Net Worth Individuals. Dort geht es um hohe Erträge, die bei einer Verdachtsmeldung oder gar Sperrung aufs Spiel gesetzt werden. Keine Kundenberater, kein Segmentleiter verzichtet gerne auf diese. Die Meldung wird zur Chefsache, wenn der Chef denn meldet. Und das passiert wohl immer noch zu wenig.

Immer wieder tauchen Schweizer Banken auf, wenn es um effektive Geldwäscherei geht. Nicht einfach Verdachtsmeldungen, sondern Fälle, die sich bestätigen. Wie im Fall des Milliarden-Korruptions-Skandals um die brasilianischen Baukonzerne und den staatlichen Erdölkonzern Petrobras. Wie selbstverständlich flossen auch diese Schmiergelder in die Schweiz. 170 Rechtshilfegesuche sind an die Schweiz getragen worden, Hunderte von Millionen Franken wurden beschlagnahmt und teilweise bereits an Brasilien zurückerstattet. Nein, wir sprechen hier nicht von Altlasten aus den Achtzigerjahren, sondern von Geldern, die im neuen Jahrtausend angenommen wurden.

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Und dann bleibt noch das ganz grosse Tabuthema: Geldwäscherei ausserhalb der Banken. Anwälte und Treuhänder, die sich gegen Offenlegungspflichten wehren. Der Handel mit Kunst und Immobilien. Wer auch hier für saubere Geschäfte sorgen will, braucht neue Ansätze.

Wenn es Banken und Politiker wirklich ernst meinen mit dem sauberen Zahlungsverkehr, müssen sie bei all diesen Themen ansetzen. Ganz offensichtlich muss das Bewusstsein für korrektes Verhalten weiter geschärft werden. Und sehr wahrscheinlich braucht es bei Fehlverhalten härtere Sanktionen.