Bis jetzt sind in der Schweiz kaum Synergien der bereits vor sieben Jahren erfolgten Übernahme von BT Industries durch Toyota Industries Corporation (TICO) sichtbar. Soll sich dies in Zukunft ändern?

Robert Frauenfelder: Beide Firmen waren in den vergangenen Jahren erfolgreich auf dem Schweizer Markt aktiv, deshalb drängten sich unmittelbare Massnahmen nicht unbedingt auf. Hinter den Kulissen allerdings hat sich bereits einiges verändert. Bei allen Integrationsmassnahmen besteht die grösste Herausforderung darin, den Kunden und seine Bedürfnisse nicht aus dem Fokus zu verlieren. Wir wollten nicht Änderungen vornehmen, die dazu geführt hätten, dass sich die beiden Firmen mehr mit sich selbst als mit dem Dienst am Kunden beschäftigten.

In jüngster Zeit jedoch hat sich also einiges bewegt, auch in Europa

Frauenfelder: das ist so. Unter dem Dach der im Jahr 2005 gegründeten Toyota Material Handling Europe (TMHE) werden alle europäischen Märkte hinsichtlich der Distribution von Toyota- und BT-Produkten analysiert und, wo sinnvoll, eine gemeinsame Verkaufsorganisation geschaffen, wie beispielsweise in der Schweiz.

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Werden die beiden Marken auch in Zukunft selbstständig am Markt vertreten sein?

Frauenfelder: Die beiden Marken treten auch weiterhin unter ihrem eigenen Label auf, liefern sich aber gegenseitig keine Konkurrenzkämpfe. Beide Marken verfügen in Europa über einen hohen Bekanntheitsgrad.

Das Beste aus zwei Welten, heisst der Slogan von Toyota und BT. In welchen Bereichen ergänzt BT das Angebot von Toyota und umgekehrt?

Frauenfelder: Die beiden Marken ergänzen sich in idealer Weise. BT-Produkte werden in erster Linie im innerbetrieblichen Material Handling, also in der Lagertechnik, eingesetzt. Das Spektrum erstreckt sich vom einfachen Palettenhubwagen über Deichsel- und Kommissioniergeräte bis zum Schmalgangstapler, zu fahrerlosen Transportsystemen und Lagersatelliten. Toyota andererseits fertigt Gegengewichtsstapler mit Elektro- und Verbrennungsmotoren im Tragkraftbereich von 1 bis 8 t sowie Schlepperfahrzeuge. Je nach Antriebskonzept sind Toyota-Produkte sowohl für den Innen- als auch für den Ausseneinsatz geeignet.

Wie sieht es in Sachen Preiskampf im Flurfördergeschäft in der Schweiz derzeit aus?

Frauenfelder: Der Konkurrenzkampf unter den zahlreichen Anbietern im Bereich Material Handling ist sehr hart. Um jeden Auftrag wird hart gerungen, mit dem Resultat, dass die Marge in den vergangenen Jahren kontinuierlich und teils dramatisch eingebrochen ist. Dies gilt vor allem für sogenannte Commodities. Für den Kunden andererseits bedeutet dies, dass er aus einem umfassenden und auch preisattraktiven Angebot auswählen kann.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass das Preisniveau in der Schweiz für Flurfördergeräte tiefer liegt als etwa in Deutschland. Trifft das noch immer zu?

Frauenfelder: Ja, dies trifft in gewissen Fällen tatsächlich zu. Angesichts der oft höheren Kosten in der Schweiz ist dies alles andere als ein Vorteil. Dank der positiven Entwicklung des Marktvolumens in der Schweiz in den vergangenen Jahren, Produktivitätsverbesserungen sowie neuen, zusätzlichen Dienstleistungen konnten wir diesen negativen Trend bisher weitestgehend absorbieren.

Wie entwickelte sich der Schweizer Markt für Flurfördergeräte im Jahr 2007, und welche Prognosen wagen Sie für 2008?

Frauenfelder: Nach einem positiven Wachstum von rund 12 bis 14% im Jahr 2006 ist auch für das soeben zu Ende gegangene Jahr wieder mit einem Plus von bis zu 8% auf etwa 6500 Geräte zu rechnen. Für das laufende Jahr 2008 rechnen wir mit einer weiteren Zunahme in der Grössenordnung von etwa 4%.

Das Angebot an Marken in der Schweiz ist sehr gross. Ist in Zukunft mit noch mehr Anbietern zu rechnen, zum Beispiel aus China oder Korea?

Frauenfelder: Namentlich aus China und Korea muss in den kommenden Jahren mit weiteren Anbietern gerechnet werden. Allerdings entsprechen viele dieser Geräte noch nicht den hiesigen Kundenanforderungen bezüglich Qualität, Lebensdauer sowie Sicherheit und Ergonomie. Kritisch zu beurteilen ist auch die Ersatzteilversorgung.

Wo werden die einzelnen Geräte von Toyota und BT für den europäischen Markt hergestellt?

Frauenfelder: Toyota Material Handling Europe verfügt über Produktionsstandorte im französischen Ancenis, im schwedischen Mjölby sowie im italienischen Bologna. Die Gruppe kann also durchaus als europäisches Unternehmen betrachtet werden. In den kommenden Jahren sollen alle Produktionsstätten, vor allem auch jene in Mjölby, deutlich erweitert werden.

Wie präsentiert sich das Niederlassungsnetz von Toyota und BT in der Schweiz, bestehen da noch «weisse Flecken»?

Frauenfelder: Wir wollen in Europa – auch als globaler Marktleader – in Zukunft weiter wachsen. Das gilt auch für die Schweiz. Konkret werden wir die Präsenz in der Schweiz weiter ausbauen, insbesondere im Kundendienst und im Servicebereich. Wir setzen in der Schweiz auch konsequent auf den Direktvertrieb, wollen wir doch so kundennah wie möglich agieren. Für die gesamte Ersatzteillogistik in der Schweiz können wir uns auf die Dienste des Zentrallagers der Emil Frey Betriebs AG abstützen. Von Safenwil aus erfolgt die Belieferung unserer einzelnen Servicemonteure sowie der Kunden mit den notwendigen Ersatzteilen.

Dienstleistungen werden auch bei den Staplern immer wichtiger. Wie sieht das bei Toyota/BT aus, wie viele Geräte werden derzeit mit einem Servicevertrag und auf Leasing verkauft?

Frauenfelder: Der Trend zu den Dienstleistungen hat sich in den letzten Jahren intensiviert. Auch in der Schweiz werden Flurfördergeräte zunehmend mit verschiedenen Zusatzleistungen unterschiedlichster Ausprägung ausgeliefert. Der Kunde hat heute die Möglichkeit, aus einer breiten Palette an Dienstleistungen diejenigen auszuwählen, die am ehesten seinen Bedürfnissen entsprechen. Auch die Übernahme ganzer Flotten, das sogenannte Fleet Rental, nimmt an Bedeutung zu. In diesem Fall übernehmen wir das gesamte Management der Fahrzeugflotte beim Kunden.

Toyota und BT sind in erster Linie Flurfördergerätehersteller. Will man sich in Zukunft auch in der Lagerplanung stärker engagieren?

Frauenfelder: BT ist schon seit vielen Jahren in Europa und auch in der Schweiz erfolgreich in der Lagerplanung tätig. Die BT Autopilot-Baureihe mit ihren fahrerlosen und programmierbaren Geräten sowie das hochverdichtete Lagersystem BT Radioshuttle sind interessante Beispiele für unsere System-Kompetenz. In der Schweiz verfügen wir im Bereich Satelliten-Systeme – BT Radioshuttle – über namhafte Referenzen, beispielsweise im Tiefkühlbereich. Mit unserem Software-Tool Virtual Warehouse können zudem ganze Lagerkomplexe geplant und berechnet werden.

Wohin geht Ihrer Ansicht nach der Trend im Lagergeschäft? Ist eher eine Tendenz zu wieder kleineren, lokalen Lägern feststellbar?

Frauenfelder: Ein Trend zum dezentralen Lager ist nicht eindeutig festzustellen. So oder so können wir dank unseren flexibel einsetzbaren Flurfördergeräten jedem Kunden eine effiziente Lösung anbieten.

Im Herbst dieses Jahres findet in Basel die Pack&Move, eine Fachmesse für die Logistik- und Verpackungsbranche, statt. Was erwarten Sie von dieser Messe?

Frauenfelder: Die zentrale und dominierende Messe für die Logistikbranche ist und bleibt die CeMAT in Hannover, die dieses Jahr im Mai stattfindet. Ich kann mir vorstellen, dass es für kleinere Messen schwierig ist, mit der CeMAT mitzuhalten. Auch über das Internet kann sich der Kunde heute sehr gut über das aktuelle Angebot im Bereich Intralogistik informieren. Angesichts der rückläufigen Margen im Flurfördergerätemarkt fallen Messebeteiligungen mit ihren teils enorm hohen Kosten deutlich ins Gewicht, sodass man sich eine Beteiligung sehr wohl überlegen muss.

Braucht es aus Ihrer Sicht eine nationale Logistikmesse in der Schweiz?

Frauenfelder: Die Antwort wird der Kunde geben. Denkt man zurück an die Staplex in Zürich im November 2005, dann darf wohl von einer Enttäuschung gesprochen werden. Aufgrund dieser Erfahrung müsste die Frage eher verneint werden. Es gibt durchaus interessante Alternativen, Kundenbeziehungen zu pflegen oder neue potenzielle Kunden zu gewinnen, die zudem deutlich kosteneffizienter ausfallen.