CS-Präsident Urs Rohner informierte am Dienstagmorgen in Zürich über die Untersuchung zur Observation des Ex-Managers Iqbal Khan: «Entscheidend war für mich, dass die Beobachtung von Iqbal Khan nicht durch CEO Tidjane Thiam angeordnet wurde», betonte der Verwaltungsratspräsident. Der Konzernchef geniesse weiterhin das volle Vertrauen des Verwaltungsrates.

Er wolle sich im Namen der CS bei den Mitarbeitern, Kunden und Aktionären entschuldigen, dass es zu diesem Vorfall kam. «Ich entschuldige mich auch bei der Familie Khan für die Überwachung», sagte Rohner weiter. Über private Differenzen zwischen Tidjane Thiam und Iqbal Khan äusserte sich Rohner nicht – auch, weil in dem Fall die Polizei ermittle. 

Thiams Whatsapp-Nachrichten

Anwesend war auch Flavio Romerio, der bei Homburger die Untersuchung der Vorfälle leitete, sowie CS-Verwaltungsrat John Tiner. Anwalt Romerio betonte, es gebe «keinerlei Hinweise», dass CEO Tidjane Thiam über die Überwachungsaktion informiert gewesen sei. Das habe die Auswertung von Nachrichten und E-Mails des CS-Chefs ergeben. Die Anwälte hätten dafür auch die Whatsapp-Nachrichten von Thiam angeschaut. Auf Polizeiakten hätten die Anwälte jedoch keinen Zugriff gehabt. 

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Dass ausser dem COO und dem Sicherheitschef niemand von der Überwachungsaktion wusste, wurde von den Journalisten mehrmals hinterfragt. Es gebe «schlicht keinen Hinweis», dass es anders sei, so Rohner: Die ganze Überwachung sei «nicht die Art», wie die Bank ihr Geschäft führe. 

Observationen Ehemaliger durch die Bank seien künftig ausgeschlossen – das habe es zuvor nicht gegeben und werde es in der Zukunft nicht geben. Denn solche Aktionen gehörten nicht zur Unternehmenskultur der Credit Suisse.

«Erzürnt und betroffen»

Insofern sei der Casus Khan auch nicht Ausdruck einer mangelhafte Kultur der CS, so Rohner auf eine entsprechende Journalisten-Frage: Der COO und der Sicherheitschef hätten zwar das Interesse der CS waren wollen, ihr Vorgehen entspreche aber nicht der Unternehmenskultur.

Die Reputation der Bank habe gelitten, urteilte Rohner weiter: «Wir sind erzürnt und betroffen von der Aktion. Das tolerieren wir nicht. Das Vorgehen war inakzeptabel und hat nichts mit unseren Geschäftspraktiken zu tun.»

Kein goldener Fallschirm

Pierre-Olivier Bouée hat laut offizieller Lesart die «Verantwortung für diese Angelegenheit übernommen» – und von sich aus seinen Rücktritt erklärt. Das ist die halbe Wahrheit: Bouée hat gekündigt, weil er für den Verwaltungsrat nicht mehr tragbar war. Seine Kündigung hat für ihn weitreichende finanzielle Folgen: Er dürfte seine volle Kompensation für 2019 erhalten (geschätzt 8 Millionen Franken) und darüber hinaus das Basissalär über eine Frist von weiteren 10 Monate in der Höhe von 3 Millionen Franken. Weil er aber selber gekündigt hat, dürfte Bouée die aufgelaufenen Aktienoptionen (deferred compensation) in der Höhe von 5 Millionen Franken verlieren. In seiner Zeit bei der Credit Suisse – ab 2015 - dürfte der Franzose unter dem Strich 30 Millionen verdient haben.  

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Eine Abgangsentschädigung erhalte Pierre-Olivier Bouée nicht, so die konkrete Aussage von Urs Rohner vor den Medien. Das sei auch vom Gesetz so vorgeschrieben.

Ungleich besser kommt Iqbal Khan, das Opfer der CS-Beschattungsoffensive, über die Runden. Seine Aktienoptionen, die er beim alten Arbeitgeber Credit Suisse angehäuft hat, gehen nach seiner Kündigung zwar ebenfalls verloren. Aber sie werden ihm vom neuen Arbeitgeber UBS kompensiert. Diese Ersatzzahlung liegt bei rund 5 Millionen Franken.

Ermittler begeht Selbstmord

Die Untersuchung zur Überwachung von Khan sei nun «abgeschlossen», meinte Rohner. Allenfalls wolle man in den nächsten Monaten überprüfen, ob man die Security-Abteilung einem anderen Bereich anschliesse, so der Präsident. 

Am Montagabend war noch bekannt geworden, dass im Rahmen des Skandals auch ein Todesfall zu beklagen ist: Ein Privatermittler, der zwischen der CS und der Detektivfirma stand, die Khan ausspionierte, beging letzte Woche Suizid. Er habe sich eine Woche nach Bekanntwerden des Skandals erschossen, meldete «Inside Paradeplatz»; der Sachverhalt wurde bestätigt von Thomas Fingerhuth, dem Anwalt des involvierten Detektivbüros Investigo.

CS-Präsident Rohner sprach der Familie sein Beileid aus. Zur Frage, ob die CS eine Mitverantwortung am Tod des Privatermittlers trage, wollte Rohner keine Stellung nehmen. 

(tdr | bar)

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