Die Erfahrung, dass Worte und Fakten nicht immer in Einklang stehen, musste Luigi Macaluso (49) Anfang der 1990er Jahre machen. Die Realität bei Girard-Perregaux (GP) stimmte mit dem, was ihm Francis Besson als Verkäufer verheissen hatte, nicht sonderlich überein. 1992 hatte der Italiener die Traditionsmarke in der hehren Absicht erworben, seine Vision von Haute Horlogerie zu realisieren.

Macaluso: «Seit meinem Architektur-Abschluss an der Turiner Universität 1974 habe ich immer in oder für die Schweizer Uhrenindustrie gearbeitet. Girard-Perregaux besitzt Charakteristika wie wenig andere Marken, denn es handelt sich um eine echte Manufaktur für mechanische und elektronische Uhren. Dazu kommt eine wichtige Haute-Horlogerie-Abteilung mit hoher Tourbillon-Kompetenz. Mehr als ein Grund, nach meiner Tätigkeit als Italien-Agent und einer finanziellen Beteiligung im Jahr 1989 ganz einzusteigen.» Für den Turiner stellt das Engagement bei einer Uhrenmarke ohnehin keine Frage der Nationalität, sondern nur eine solche des Sachverstands dar. Aber er gesteht, «dass wahre Kompetenz auf dem Gebiet der höchsten Uhrmacherkunst nur schwer zu finden ist.»

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Inzwischen verlassen jährlich etwas 18000 GP-Uhren die Ateliers in La Chaux-de-Fonds. Daneben gebietet die Sowind-Gruppe seit 1996 auch noch über die Uhrenmarke Jean-Richard sowie seit 1997 über die EMG SA, einen Hersteller von Uhrenteilen und -ausstattung. Das Institut Mensch und Zeit dankte das Engagement im November 1998 durch Verleihung des Prix Gaia «Esprit dentreprise – industrie». Zudem ist der «Dottore» Mitglied im Rat der schweizerisch-italienischen Handelskammer, der beratenden Kommission für Wirtschaftsfragen des Kantons Neuenburg und im Aufsichtsgremium der Neuenburger Industrie- und Handelskammer. Macaluso: «Ich glaube, dass ich in der Schweiz stets akzeptiert und nie als Ausländer betrachtetet worden bin.»

Die Geburtsstunde der Technowatch SA schlug 1991. Gründungsväter waren der Uhrmacher Franck Muller und sein Gehäusefabrikant, der Armenier Vartan Sirmakes (51). Sieben Jahre später erhielt das Gemeinschaftsunternehmen den Namen Franck Muller Watchland SA. Traumhaft wie die Aussicht vom Gebäude am Nordufer des Genfersees waren auch die jährlich zweistelligen Wachstumsraten, welche der Firma 2003 mit rund 49000 verkauften Luxusuhren einen konsolidierten Jahresumsatz von rund 400 Mio Fr. (inklusive Pierre Kunz und European Company Watch) und damit einen bisherigen Rekord bescherten. Das brachte einen Spitzenplatz in der Topliga der letzten unabhängigen Uhrenfirmen.

In dieser Erfolgsperiode führten schillernde Eskapaden des Namensgebers zu einem anhaltenden Zerwürfnis mit dem Partner und harten Arbeiter Vartan Sirmakes. Seit November 2004 nimmt Sirmakes seine Aufgabe als alleiniger CEO mit grosser Hingabe wahr. «Wenn Sie sich mit Herz und Seele in ein Projekt hineingeben, dann ist es auch sehr schwer, sich von den operativen Tätigkeiten zu distanzieren. Zudem schenkt mir meine Arbeit viel Zufriedenheit. Sie ist meine Leidenschaft und keine Pflicht.» Zum breit gefächerten Firmenkonglomerat gehören neben Franck Muller unter anderem auch die Uhrenmarken Pierre Kunz, European Company Watch (ECW) sowie Rodolphe, Zulieferer wie GecoH SA, Pignons Juracie SA und Neo SA (Komponenten), F. Arnold Lidner SA (Zifferblätter) sowie die Franck Muller Technocases SA (Gehäuse und Einschalung von Uhrwerken). «Schweizer und Armenier teilen denselben Sinn für Business. Wenn sie in der Schweiz Geschäfte machen wollen, müssen sie hart und seriös arbeiten, denn nur so erlangen sie Respekt», bilanziert Sirmakes.

Alles begann mit unserer Passion für Uhren. Während den Skiferien in der Schweiz bewunderten wir immer wieder die schönen Armbanduhren. Obwohl wir erfolgreich in Grossunternehmen arbeiteten, wollten wir etwas Eigenes starten», so Peter C. Stas. Ende der 1980er Jahre fertigten Aletta Stas-Bax und Peter C. Stas , ein holländisches Ehepaar, erste Prototypen auf der Basis eigener Designs. Aletta Stas-Bax: «1991 präsentierten wir sie auf einer Messe in Fernost. Ein japanischer Grossist orderte 350 Stück.» 1992 brachte die erste Kollektion, bestehend aus sechs Modellen, um die sich primär Aletta kümmerte. Ihr Mann, ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler, arbeitete unterdessen weiter als Marketing-Manager bei Philips. «Das bescherte uns Sicherheit für alle Fälle.»

Weil jedes Kind einen Namen braucht, kamen Alettas Urgrossmutter Frédérique Schreiner und Peters Urgrossvater Constant Stas in Form der Frédérique Constant SA zu Ehren. Selbige fertigte 1992 etwa 1000 Armbanduhren. Unermüdliches Schaffen liess den Zähler klettern. Von den gut 50000 Uhren des Jahres 2006 stammt ein beachtlicher Teil aus eigener Manufaktur. Auch ein eigenes Gebäude im Genfer Vorort Plan-les-Ouates konnte 2006 eröffnet werden. «Ausser der Hypothek dafür haben wir keine Schulden. Die Firma startete mit 60000 Fr.; wir finanzierten das Wachstum bis heute immer aus eigener Kraft», so Peter. Hingegen ist das Ehepaar von der Unterstützung durch die Behörden, den kommunalen, kantonalen wie auch nationalen, weiterhin sehr angetan: «Man motivierte uns, in die Schweiz zu kommen. 1996 stellten wir einen Businessplan für eine Firmenzentrale in Genf auf. Nach dessen Akzeptanz erhielten wir eine Arbeitserlaubnis mit der Auflage, dass wir innerhalb von fünf Jahren zwölf Mitarbeiter beschäftigen mussten.» Dieses Ziel war bereits nach zweieinhalb Jahren erreicht. Inzwischen sind es mehr als deren 40. Die Stas gemeinsam: «Und unsere Firma gewinnt kontinuierlich an Stärke.»

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Hans Wilsdorf: «Verschlossene Auster» gäbe es ohne ihn nicht

Hans Wilsdorf: Geboren am 22. März 1881 in Kulmbach in Deutschland und gestorben am 6. Juli 1960 in Genf, war deutscher Geschäftsmann. Er ist der Gründer der Rolex-Uhren AG. Mit zwölf Jahren wurde er zum Vollwaisen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung verliess er 1900 Deutschland, um in La Chaux-de-Fonds bei einem Import/Export-Geschäft als Angestellter zu arbeiten. Drei Jahre später wurde er in London im Uhrenimport tätig. Nachdem er dort mit Erfolg Taschenuhren bei Uhrmachermeistern bestellt und für diese ein Ganggenauigkeitszeugnis vom Observatorium in Neuenburg erhalten hatte, beschloss er 1905, sich selbstständig zu machen. Er gründete zusammen mit dem Gehäusebauer Davis den Uhrengrosshandel Wilsdorf & Davis. 1908 liess er den Markennamen Rolex – unbestätigten, sich bis heute haltenden Vermutungen zufolge ein Kürzel aus horlogerie exquise – eintragen. Die Rolex-Gruppe gilt als «verschlossene Auster». Geführt wird sie von Patrick Heiniger (57).