Geschätzte zehn bis elf Milliarden Franken beträgt das Vermögen von Viktor Vekselberg (62). Seit 2004 hat er seinen Wohnsitz in Zug und investiert in Schweizer Unternehmen, ihm gehören Anteile von Sulzer, Schmolz + Bickenbach, OC Oerlikon und Züblin.

Vekselberg ist auch Kunstliebhaber und ein bedeutender Mäzen. Er sponsert Ausstellungen, Orchester, Theater. Er ist Präsident des Jüdischen Museums in Moskau und finanziert jüdische Projekte in der ganzen Welt.

Nun wollte Vekselberg in der Schweiz einen Millionenbetrag gegen den Corona-Notstand spenden!

Das geht aus Dokumenten hervor, die Blick vorliegen. Die von ihm ins Leben gerufene Lamesa-Stiftung hätte das Geld an Hilfsorganisationen und Forschungseinrichtungen überwiesen, und zwar vom Konto bei der Zürcher Privatbank Julius Bär – Kontostand: rund 500 Millionen Franken.

Hätte. Denn die Bank weigert sich, das Geld freizugeben!

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Der russische Oligarch steht auf der US-Sanktionsliste

Der Grund: Vekselberg steht seit 2018 auf der Sanktionsliste der US-Regierung. Seine Vermögenswerte in den USA wurden eingefroren, er musste seine Beteiligungen auf unter 50 Prozent senken. Eine Begründung hat die US-Regierung nie geliefert.

Vekselberg sagte kürzlich im SonntagsBlick: «Ich halte die Sanktionen für unbegründet und ungerecht. Sie spiegeln offensichtlich die schlechten Beziehungen zwischen den USA und Russland wider, aber warum sie mich betreffen, kann ich nicht verstehen. Ich bin zurückhaltend optimistisch, dass das Problem früher oder später gelöst wird.»

Die Schweiz und auch alle EU-Länder beteiligen sich nicht an den Sanktionen, auch die hiesigen Banken sind nicht verpflichtet, Vekselbergs Gelder einzufrieren.

Entsprechend schrieb die Stiftungspräsidentin bis an die Spitze von Julius Bär, an Präsident Romeo Lacher (60) und CEO Philipp Rickenbacher (49). Der Brief endet mit den Worten: «Wir bitten Sie, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen und unserer Stiftung diese bedeutende Spende zu ermöglichen.» Doch Julius Bär blieb hart.

Julius Bär versteckt sich hinter Bankgeheimnis

Die Bank äussert sich mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht, lässt aber ohne Bezug zum Fall ausrichten, sie «unterstütze selbstverständlich Kunden, die sich gemeinnützig grosszügig zeigen», sie können aber «allfällige Kundenaktivitäten nur so weit unterstützen, als diese den vertraglichen und regulatorischen Vorgaben entsprechen».

Ein Sprecher Vekselbergs bestätigt den Sachverhalt gegenüber Blick. Vekselberg und seine Stiftungen leisteten bereits in Russland umfangreiche Hilfe. «Ein ähnliches Programm sollte auch auf die Schweiz ausgedehnt werden. Deshalb wurde die Bank Julius Bär um die Freigabe der notwendigen Beträge gebeten. Die Bank hat diese Freigabe unverständlicherweise abgelehnt. Das ist angesichts dieser humanitären Katastrophe bedauerlich.»

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Viktor Vekselberg: «Kräfte bündeln, um die Firma zu retten!»

Im Kampf um die Stahlschmiede Schmolz + Bickenbach meldet sich der Oligarch erstmals zu Wort und ruft zur Versöhnung auf. Er selbst könne aber nicht zur Rettung beitragen. Mehr dazu gibt es hier

Vekselberg verteilt Schnelltests in Russland

In Russland hat Vekselberg 50'000 Covid-19-Schnelltests gekauft und verteilen lassen. Vekselberg besitzt in Russland sechs öffentliche Flughäfen. Sie sind derzeit geschlossen, doch die Caterer kochen weiter und lassen über Hilfsorganisationen täglich mehr als 3000 Mahlzeiten an ältere Personen nach Hause liefern.

Immerhin: Zeitgleich mit dem Njet an Vekselberg hat die Bank Bär selber fünf Millionen Franken Nothilfe gesprochen und den Betrag dem Schweizerischen Roten Kreuz und an Pro Senectute übermittelt.

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Dieser Artikel erschien zuerst im «Blick» unter dem Titel: «Vekselberg darf nicht für Corona-Opfer spenden»