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Verleger Charles von Graffenried ist gestorben

Die Verleger-Legende Charles von Graffenried ist ot. (Bild: Keystone)

Die Schweiz ist um einen Verleger ärmer: Charles von Graffenried verstarb in der Nacht auf Dienstag.

Veröffentlicht am 11.07.2012

Der Berner Verleger und Unternehmer Charles von Graffenried ist in der Nacht auf Dienstag gestorben. Dies teilte Tamedia mit.

Der 1925 geborene Rechtsanwalt und Notar von Graffenried war Gründer und Verwaltungsratspräsident des Berner Medienunternehmens Espace Media und Verleger der «Berner Zeitung» und der Zeitung «Der Bund».

Mit dem Verkauf von Espace Media an Tamedia wurde von Graffenried 2007 auch Verwaltungsrat des Zürcher Medienhauses.

Grundstein mit der Berner Zeitung

Von Graffenried gehörte ausserdem die Von-Graffenried-Gruppe (GR), mit der Privatbank Von Graffenried, einem Liegenschaftsunternehmen, einem Treuhandbüro und einem Rechtsbereich. Die BILANZ schätzte sein Vermögen 2011 auf 350 Millionen Franken.

Der aus einer der bekanntesten Berner Familien stammende von Graffenried setzte den Grundstein zu seiner Verlegerkarriere, als er als Unternehmer 1979 aus der Fusion der «Berner Nachrichten» und dem «Berner Tagblatt» die «Berner Zeitung BZ» bildete. Aus der BZ-Herausgeberin AG für das Berner Tagblatt ging via Berner Tagblatt Medien AG 2001 die Espace Media AG hervor.

Somit war in Bern während vieler Jahre ausgerechnet von Graffenried - der Berner Patrizier - als Verleger der «BZ» Gegenpart des Berner Traditionsblatts «Der Bund», der bis 1995 unabhängig blieb und viel mehr die bürgerlich-liberale Tageszeitung vom Stil eines von Graffenried war, als die «Berner Zeitung».

Graffenried rettete den «Bund»

Es war aber schliesslich von Graffenried, der 2003 den damals schwer defizitären «Bund» rettete, indem er einen Teil der NZZ-Anteile am «Bund» übernahm und diese Zeitung gemäss dem sogenannten «Berner Modell» unter das Dach der Espace Media nahm. «Ich habe immer gesagt, dass ich nicht der 'Bund'- Killer sein will», sagte von Graffenried damals.

«Der Bund» und «Berner Zeitung» lebten fortan als redaktionell eigenständige Blätter neben- respektive miteinander weiter. Das ist auch heute noch so, nachdem sich 2007 Tamedia und die Espace Media zusammenschlossen. Von Graffenried trug insofern dazu bei, dass in Bern auch heute noch zwei Tageszeitungen erscheinen - die er jahraus, jahrein - beide las.

Engagement über den Tod hinaus

Von Graffenried machte sich für die Presse auch mit dem Preis für Lokaljournalismus verdient, der bis 2010 jeweils unter dem Titel «BZ-Preis für Lokaljournalismus» verliehen wurde, ab 2011 unter der Bezeichnung «Medienpreis der Stiftung Reinhardt von Graffenried».

Mit diesem Preis wird das Engagement des bekanntesten Berner Verlegers für die Presse also über dessen Tod hinaus weitergehen.

(muv/tno/sda)

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