Die Schweizer Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Der Stillstand des öffentlichen Lebens verursacht enorme Schäden über alle Branchen hinweg.

Die UBS hat nun eine grobe Schätzung gemacht, welche Kosten den Vermietern von Gewerberäumen drohen: Rund eine halbe Milliarde Franken, so die neuste Bankstudie zum Immobilienmarkt.

Die Summe entspricht den Mietzinseinnahmen, auf welche die Eigentümer der Räume in diesem Jahr verzichten müssen. «Die Wertschöpfung im Detailhandel dürfte im Jahresdurchschnitt um knapp 10 Prozent sinken. Die Vermieter werden einen Teil dieser Einbusse wohl mittragen müssen», heisst es im Bericht.

Zum Vergleich: Die Immobilienberatungsfirma Wüest Partner geht davon aus, dass sich die Mieten der geschlossenen Gewerberäume auf monatlich 430 Millionen Franken belaufen. Die Beratungs- und Forschungsfirma IAZI schätzt die Mieten der derzeit geschlossenen Geschäfte gegenüber der «HZ» etwas tiefer auf 283 Millionen Franken pro Monat. Beide Beratungsunternehmen machen keine Prognose, auf wie viel dieser Mieten die Vermieter verzichten werden.

Der Bundesrat will kein Machtwort sprechen

Das Thema ist politisch heiss umstritten: Müssen Restaurants, Läden oder Hotels für Räume Miete zahlen, die auf behördliche Anweisung verriegelt sind?

Auf diese Frage gibt es aktuell weder von der Politik noch von juristischer Seite eine abschliessende Antwort. Der Bundesrat will kein Machtwort sprechen, und der Mieterinnen- und Mieterverband beziehungsweise der Hauseigentümerverband vertreten gegensätzliche Positionen.

Vielleicht wird das Bundesgericht in Lausanne dazu ein abschliessendes Urteil  fällen müssen.

«Damit werden sich Gerichte befassen müssen»

Gewerbler verlangen Mietreduktionen, Hauseigentümer pochen auf die volle Miete – wer hat Recht? Das sagt Jus-Professor Thomas Koller dazu.

Gegenseitige Abhängigkeit

Für UBS-Ökonom Matthias Holzhey ist klar, dass auch viele Vermieter einen Mietrabatt oder einen temporären Mieterlass gewähren werden. In vielen Mietverhältnissen werde es zu intensiven Verhandlungen zwischen Mietern und Vermietern kommen.

Vor allem Vermieter von wenig begehrten Liegenschaften würden sich verhandlungsbereit zeigen, weil sie nicht einfach Ersatz für die Mieter finden könnten. «Es wird in den nächsten Monaten sehr schwer werden, neue Mieter für leere Gewerberäume zu finden. Die Abhängigkeiten sind vielfach gegenseitig.»

Grösser Immobilienfonds rechnet mit Ausfällen

Viele der grossen Immobilienfonds stellen sich bereits auf Ausfälle ein, beispielsweise jene von der UBS:

Auf wie viele Einnahmen die Vermieter tatsächlich verzichten müssen, hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten Monaten ab, glaubt Matthias Holzhey.

Anzeige