Die Murmel-Sammelaktion der Migros sorgt bei den Kunden bereits zum zweiten Mal für grossen Ärger. Heute Samstag ist für Kinder und Eltern ein spezieller Sammel-Tag. Statt eine der vierzig normalen Murmeln gibt es heute - und nur heute - vier verschiedene Spezial-Murmeln, die sogenannten «Super-Stars». Doch die Migros hat nicht genug davon.

Ankündigt war (siehe zum Beispiel hier), dass die Migros pro 20 Franken Einkaufswert eine Spezial-Murmel abgibt. Bei 100 Franken wären es beispielsweise fünf Murmeln, bei 140 Franken eben sieben Murmeln. Das Maximum pro Einkauf liegt bei 15 Murmeln.

Geänderte Spielregeln wegen Murmel-Mangel

Über Nacht aber hat die Migros die Spielregeln geändert und gibt den Kunden heute pro Einkauf nur noch eine Spezial-Murmel ab, egal ob die Kunden für 25 oder 180 Franken einkaufen. Eine entsprechende Weisung habe die Zentrale in Zürich, also der Migros-Genossenschaftsbund (MGB), ausgegeben, hiess es in den Filialen.

Bei den Kunden sorgen die geänderten Regeln für gewaltigen Ärger. «Die Kunden laufen Sturm in den Filialen. Und das ist keine Übertreibung. Die Eltern und die Kids sind sehr enttäuscht», sagte eine Kundin gegenüber der «Handelszeitung». Was sie besonders gestört habe, sei, dass das Personal in den Filialen sich bloss hinter der Weisung der Zentrale verstecke und sich nicht bemühe, den verärgerten Kunden eine Lösung anzubieten.

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Der Migros-Genossenschaftsbund hat auf Anfrage am Samstag Schwierigkeiten eingeräumt. Man verstehe die Enttäuschung der betroffenen Kundinnen und Kunden. Die Murmel-Aktion erfreue sich einer «sehr hohen Beliebtheit». Die Migros sei vom Grosserfolg und der hohen Nachfrage am Samstag «etwas überrascht» gewesen. Deshalb sei es zu diesem Engpass gekommen. «Das tut uns sehr leid», sagt Sprecher Marcel Schlatter.

Schlatter rät den Kunden, ihre Kassenzettel per E-Mail beim Migros-Kundendienst einzureichen. Die Migros sei bestrebt, für «einen gleichwertigen Ersatz» zu sorgen. «Wir setzen alles daran, dies so schnell wie möglich abzuwickeln», so sein Versprechen.

Festzuhalten ist allerdings, dass der Verweis auf eine überraschend hohe Nachfrage nach einer Ausrede klingt. Die Weisung des MGB an die Filialen, welche die Spielregeln mitten im Sammel-Spiel Spiel ändert, kann sicher nicht erst als Reaktion auf eine erhöhte Nachfrage ergangen sein. Sie wurde bereits bei Ladenöffnung am frühen Samstag Morgen in den Filialen umgesetzt. Wie diverse Kunden berichten, war am Morgen nichts von einem Ansturm zu spüren. Wahrscheinlicher ist also, dass die Migros schlicht zu wenig Spezial-Murmel bestellt hat oder nicht alle bestellte Ware von den Lieferanten erhalten hat - und nun versucht, das eigene Versäumnis mit dem Hinweis auf den Erfolg der Sammel-Aktion zu kaschieren.

Bei ersten Ärger ging es um Mogel-Rabatte

Bereits Anfang November hat die Sammel-Aktion der Migros ein erstes Mal für Unmut gesorgt. Damals ging es nicht um die Murmeln selbst, sondern um Mogel-Rabatte im Zusammenhang mit Kugelbahnen, welche die Detailhändlerin den Sammlern vergünstigt abgibt. Die tatsächlichen Rabatte entpuppten sich, wie die SRF-Sendung «Espresso» berichtete, als viel kleiner als in der «All-Stars-Werbung» versprochen.