75 Jahre nachdem die erste Flasche «Vivi Kola» abgefüllt worden ist, ist jetzt ein anschauliches und reich illustriertes Buch dazu erschienen: «Vivi Kola - Zeitgeist in Flaschen» wurde am Donnerstag in Eglisau ZH, der «Heimat» des Süssgetränks, den Medien vorgestellt. Braun, prickelnd, schäumend - die Kinder nannten es gern «Kinderbier». Ein Welterfolg wie die «grosse Schwester» Coca Cola wurde Vivi zwar nie. Für ältere Schweizerinnen und Schweizer gehört es jedoch untrennbar zu den schönen, sommerlichen Erinnerungen. 1986 wurde die Produktion eingestellt. 2010 lebte es als Produkt mit viel Swissness wieder auf.

Im Buch «Vivi Kola - Zeitgeist in» zeichnen Andrea Sailer und Barbara Weber-Ruppli die bewegte Geschichte des Getränks nach. Illustriert ist das Buch mit Fotos, einstigen Plakaten und dergleichen. Zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort. Den Auftakt macht der Sohn des damaligen Vivi-Erfinders Otto Müller (1895-1964). Er schildert Bemühen und Erfolg seines Vaters.

Entwickelt von «Schümlimüller»

Müller senior hat von Gerüchten aus Amerika «über ein zukunftsträchtiges Getränk zwischen Medizin und aufputschendem Genuss» gehört, wie es im Buch heisst. Mit Konzentrat aus Kolanüssen von Kamerun pröbelt Müller im Labor der Eglisauer Mineralquellen. Als ihm die damals ganz neue Idee, einen Schaum aufs gesüsste Mineralwasser zu bringen, gelingt, hat er seinen Spitznamen weg: «Schümlimüller».

Vivi Kola kommt als erstes Schweizer Kolagetränk 1938 auf den Markt. Die Etikette erinnert an die Herkunft des Kola und spiegelt den damaligen Zeitgeist: Sonnengelb prangt da eine Landkarte von Afrika. Vier stilisierte Afrikaner mit Körben auf dem Kopf marschieren in einer Reihe Richtung Küste. Dort wartet ein Schiff. Es wird die Ware nach Europa bringen, das ganz oben grade noch im Bild ist.

Vorübergehendes Aus im Jahr 1986

Das Getränk hat Erfolg und ist in der Schweiz bald allgegenwärtig. Aber die Konkurrenz ist stark. Ab 1971 lässt sich das Ende erahnen. Das Unternehmen in Eglisau wird verkauft und wieder verkauft, Coca Cola und Pepsi Cola machen das Rennen. 1986 verschwindet Vivi vom Markt.

Christian Forrer ist damals ein Teenager, grade mal 13 Jahre alt. Jahre später lässt er die Schweizer Marke wieder aufleben, vielen Widerständen zum Trotz: Am 12. Juni 2010 eröffnet er in Eglisau das «Vivi Café». Dort verkauft er neben dem - koffeinhaltigen - Mineralwasser auch Kaffee. Langsam etabliert sich das einstige Kultgetränk wieder. Seit Ende 2012 gibt es auch eine zuckerlose Variante. Das Nostalgiegetränk wird mittlerweile auch über die Grenzen von Eglisau, des Kantons Zürich und der Schweiz hinaus verkauft.

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(sda/ama/se)