Die Solothurner Regierung lässt sich die Rückkehr von Linux zu Microsoft- Produkten über 8 Millionen Franken kosten. Ist die Zeit der Open-Source- Projekte in der Verwaltung vorbei?

Peter Waser: Wir freuen uns, dass der Kanton Solothurn sich für unsere Lösungen entschieden hat. Aus diesem Fall lässt sich kein «Open Source versus Closed Source»-Trend ableiten. Organisationen und Unternehmen wählen die Lösung, mit der sie langfristig am besten fahren. In diese Betrachtung fallen auch das Thema Risiko, die Schulungskosten für Mitarbeiter, Wartung, Kompatibilitätsüberlegungen und weitere Aspekte.

Der Microsoft-Konzern konnte zuletzt erfreuliche Zahlen präsentieren, vor allem dank dem Unterhaltungsprodukt Kinect und der Bürolösung Office. Spürt das auch die Niederlassung in der Schweiz?

Waser: In den meisten Bereichen sind wir sogar über dem weltweiten Durchschnitt gewachsen. Die Schweiz ist ein wohlhabendes Land. Daher sind Investitionen in die Produktivität und in die Unterhaltung überdurchschnittlich hoch. Innovative Produkte schlagen in einem Markt wie der Schweiz noch stärker auf die Erfolgsrechnung nieder.

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Wie entwickelt sich der Markt mit Lösungen zur Kundenbeziehungspflege, dem CRM?

Waser: In Europa wächst der Anwendungssoftware-Markt weiterhin stark und CRM wächst in diesem Segment überdurchschnittlich. Microsoft Dynamics CRM ist eine der schnellstwachsenden Lösungen am Markt. Der breite Einsatz unserer über 20 000 CRM-Kunden, bei ganz kleinen bis zu sehr grossen Unternehmen, zeigt, dass unser Anspruch bezüglich intuitiver Nutzung, der Möglichkeit, Prozesse rasch anzupassen, sowie hinsichtlich hoher Integration aufgeht. Wir erwarten in der Schweiz daher auch in diesem Jahr erneut ein Wachstum, das über dem Marktschnitt liegt.

Welche Ziele verfolgt Microsoft in der Schweiz mit den Einsatzplanungs-Werkzeugen, den ERP?

Waser: Mit Microsoft Dynamics NAV und Microsoft Dynamics AX haben wir zwei Plattformen, welche sich dank der modernen Technologie in bestehende Strukturen integrieren lassen oder auch an andere ERP-Lösungen, etwa SAP, angebunden werden können. Die aktuellen Zahlen belegen eine erfolgreiche Entwicklung in beiden Produktbereichen. Auch hier wachsen wir um ein Vielfaches schneller als der Markt. Im Sommer 2011 werden wir unsere neuste Lösung auf den Markt bringen.

Die Schweiz gilt als ein iPhone-Land, doch auch Android-Smartphones behaupten sich am Markt. Welche Rolle will Microsoft mit Windows Phone 7 und Partner Nokia in der Schweiz übernehmen?

Waser: Zusammen mit Nokia und unseren anderen Partnern wollen wir in der Schweiz zu den drei führenden Smartphone-Plattformen gehören.

Microsoft propagiert das Arbeiten im Home Office. Neue Arbeitsmodelle brauchen andere Geräte. Welche Erwartungen haben Sie an das Geschäft mit Tablet-Computern?

Waser: Mit der aktuellen Infrastruktur ist ortsunabhängiges Arbeiten bereits problemlos möglich. Die signifikanteste Umstellung muss im Kopf und nicht bei Hard- oder Software stattfinden.

Viele schätzen Tablets auch für das Arbeiten unterwegs.

Waser: Mit Tablet-PC hat diese Entwicklung aber wenig zu tun. Tablets sind spannend, wenn es um das Konsumieren von Inhalten geht. Wenn es um produktives Arbeiten und Schaffen von Inhalten geht, gibt es geeignetere Geräte.

Microsoft Schweiz ist einer der Initianten des nationalen Home Office Days. Was soll damit bezweckt werden?

Waser: Der Home Office Day ist primär eine Sensibilisierungsaktion. Gemeinsam mit Partnern möchten wir an diesem Tag und darüber hinaus Einzelpersonen und Organisationen dazu aufrufen, ihr bestehendes Verhalten zu hinterfragen.

Weshalb?

Waser: Studien gehen davon aus, dass die Schweiz ihre Produktivität gesamthaft um bis zu 30 Prozent steigern könnte, wenn Home Office gezielter eingesetzt würde. Home Office ist zudem ein wirkungsvolles Instrument, um die Mitarbeiterzufriedenheit und den Umweltschutz zu fördern.

Wird das auch bei Microsoft Schweiz umgesetzt?

Waser: Wir bieten schon lange flexible Arbeitsformen an. Unsere Mitarbeiterbefragungen zeigen ganz klar, dass diese Flexibilität zu einer höheren Zufriedenheit und Motivation führt. Momentan sind wir dabei, unsere Infrastruktur den aktuellsten Veränderungen anzupassen.

Was ändert sich konkret?

Waser: Wir stellen fest, dass sich das Büro immer mehr zum Begegnungsort mit Arbeitskollegen, Partnern und Kunden entwickelt. Die Herausforderung solcher Anpassungen sehe ich darin, jeden Einzelnen abzuholen und sicherzustellen, dass er vom neuen Umfeld profitiert.