Würde der von aussen geholte Konzernchef Mark Schneider Wan Ling Martello, Digital-Turbo und Chefin von Schlüsselmärkten wie China und Indien, an Bord halten können, nachdem sie die Kür zur Konzernchefin wegen ihm verpasst hatte? Die Frage stand im Raum, seit die ambitionierte ehemalige Nestlé-Finanz- und aktuelle Asienchefin vor zwei Jahren bei der Nachfolge von Konzernchef Paul Bulcke übergangen worden war.

Nun ist es doch passiert. Wan Ling Martello tut, was Spitzenmanager in solchen Situationen tun: Sie bricht zu «neuen Horizonten» auf, wie es in der Mitteilung so schön heisst. Man darf gespannt sein, bei welchem Unternehmen die blitzgescheite, sprachlich und interkulturell beschlagene Sino-Amerikanerin, eine der erfolgreichsten Topmanagerinnen überhaupt, als CEO auftauchen wird.

Herber Rückschlag für Mark Schneider

Der Abgang ist ein herber Rückschlag für Mark Schneider. 2011 von Paul Bulcke von Walmart nach Vevey geholt, hat Wan Ling Martello zuerst die Finanzabteilung des Milliardenkonzerns modernisiert, um dann in Rekordtempo das ins Stocken geratene Asien-Geschäft wieder flott zu machen. Unvergessen bleibt, wie sie gleich nach ihrer Landung in Asien die Krise um angeblich kontaminierte Nudelfertiggerichte in Indien in Rekordzeit aus der Welt schaffte und dabei das Kunststück fertig brachte, den Reputationsschaden für Nestlé für einmal in Grenzen zu halten. Ihr grösstes Verdienst aber dürfte sein, dass sie dafür sorgte, dass Nestlé in China, dem globalen digitalen Versuchslabor, den Anschluss wieder schaffte.

Anzeige

Die Personalie trifft den 2016 vom Verwaltungsrat vom Gesundheitskonzern Fresenius an den Genfersee geholten deutschen M&A-Zampano Schneider zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Nestlé steckt mitten in der Portfolio-Transformation, der König der Konsumgüterindustrie vom Genfersee muss sich nach der Decke strecken.

Grosse Fusstapfen für Nachfolger Chris Johnson

Nachfolger von Wan Ling Martello wird Chris Johnson, ehemals Chef Amerika- und heute Chef Human Resources und Business Services. Der Amerikaner sei eine wachstumsorientierte Führungskraft, wird Schneider zitiert. Das ist zweifellos so, aber die Fussstapfen, in die er nun tritt, muss auch ein Mann mit 35 Nestlé-Dienstjahren erst noch ausfüllen.