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Beteiligung
Was der neue Investor mit Charles Vögele will

Kleider von Charles Vögele: Modehaus kommt nicht vom Fleck. Charles Vögele

Die Schweizer Investmentfirma Teleios ist beim angeschlagenen Modehaus eingestiegen. Experten rätseln über die Gründe. Nun erklärt der neue Investor, wie er bei Charles Vögele vorgehen will.

Von Dominic Benz
am 30.01.2015

Beim schwächelnden Kleiderkonzern Charles Vögele ist die Zuger Investmentfirma Teleios Capital Partners eingestiegen. Sie beteiligt sich mit 3,04 Prozent, wie am Donnerstag bekannt wurde. Der Einstieg überrascht. Charles Vögele kämpft seit Jahren mit Imageproblemen und negativen Zahlen. Der Turnaround lässt noch immer auf sich warten.

Doch offenbar setzt der neue Investor auf den Erfolg von Charles Vögele. Ein Manager von Teleios erklärt gegenüber handelszeitung.ch die Beweggründe hinter dem Einstieg: «Wir wollen mit dem Management von Charles Vögele konstruktiv zusammenarbeiten, um eine Wertsteigerung herbeizuführen.» Diese könne darin begründet sein, den Turnaround zu schaffen oder das Unternehmen weiter zu verkaufen.

Vögele schweigt

Chef der Investmentfirma ist Igor Kuzniar. Er war vor seiner Gründung von Teleios Managing Director und Partner beim New Yorker Finanzinvestor Octavian Advisors. In die Schlagzeilen kam dieser Finanzinvestor durch den «Putschversuch» bei der deutschen Firma Balda.

Charles Vögele will zum neuen Investor nichts sagen. Man befinde sich aktuell in der Sperrperiode bis zur Publikation der Jahreszahlen Ende März, liess die Sprecherin des Modehauses auf Anfrage ausrichten. «Aus diesem Grund führen wie auch keine Gespräche mit Aktionären oder Analysten und äussern uns auch nicht zu zukünftigen Erwartungen.»

Anleger freuen sich

An der Schweizer Börse kam der Einstieg von Teleios gut an. Gestern Donnerstag stiegen die Aktien von Charles Vögele um knapp 10 Prozent. Auch heute notieren die Papiere am Nachmittag erneut mit rund 6 Prozent im Plus.

Vom Einstieg der Investmentfirma hält ZKB-Analyst Marc Strittmatter nicht viel: «Der Investition durch Teleios messe ich keine grosse Bedeutung zu.» Der Einstieg könne für einen Investor Sinn machen, wenn man an einem Erfolg des Unternehmens glaubt. «Aus dieser Perspektive  ist der Aktienkurs dann günstig.»

Aktienkurs kein Anreiz

In den letzten Jahren mussten die Aktien von Charles Vögele kräftig Federn lassen. Im Fühjar 2011 wurden die Papiere noch mit knapp 70 Franken bewertet. Heute stehen sie bei rund 14 Franken. Die Kursentwicklung stellt daher nicht unbedingt Anreize für einen Einstig beim Konzern dar. Eine Dividende hat Vögele seit 2012 nicht mehr bezahlt.

Ob Investor Teleios mit seinem Aktienpaket beim Management Gehör finden kann, ist fraglich. Grösster Einzelaktionär des Modehauses ist der Detailhandelsriese Migros. Doch im Gegenteil zu Teleios hat der organge Riese den Glauben an Charles Vögele offenbar verloren. Im April reduzierte Migros seine Anteile von 25 auf 19,7 Prozent reduziert. 2013 hatte bereits die Grossbank UBS ihre Beteiligung von 4,8 auf 3 Prozent gesenkt.

Turnaround dürfte auf sich warten lassen

Die Zukunft für Charles Vögele sieht nicht rosig aus. Der von Teleios erhoffte Turnaround dürfte denn noch eine Weile auf sich warten lassen. ZKB-Mann Strittmatter schätzt, dass das Modehaus erst wieder 2018 einen ganz kleinen Reingewinn vorlegen kann. «Ein etwas höheres Umsatzwachstum würde helfen, dass schon früher wieder Gewinne geschrieben werden könnten.» Ein besseres Markenimage wäre dabei hilfreich, so der Analyst.

In den letzten Jahren versuchte Charles Vögele, mit neuen Chefs auf einen grünen Zweig zu kommen. Zudem versuchte das Modehaus mit den Hollywoodstars Penélope und Monica Cru als Werbeträger ein Imagewechsel herbeizuführen. Auch der deutsche Schauspieler Til Schweier gab sein Gesicht her. Genützt hat es nichts. Die Kampagnen schossen an der Zielgruppe der über 40 Jährigen vorbei.

Negativer Umsatztrend gestoppt

Zuletzt konnte Charles Vögele den negativen Umsatztrend stoppen. Der Bruttoumsatz verbesserte sich im ersten Halbjahr 2014 währungsbereinigt um 1 Prozent. Das Konzernergebnis verbesserte sich um 9 Millionen auf minus 12 Millionen Franken.

 

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