Der Schweizer Franken ist und bleibt eine steinharte Währung, darüber sind sich die Koryphäen einig. Auch wenn die hiesigen Zinsen im internationalen Vergleich niedrig sind und obwohl die Schweizer Börse nicht zu den Stars gehört, haben in- und ausländische Investoren ihre Frankenanlagen trotz eines allgemeinen Rückgangs des handelsgewichteten Wechselkurses nicht bedauern müssen. Mit welchen künftigen Relationen gegenüber anderen Leitwährungen zu rechnen ist, darüber scheiden sich jedoch die Geister.

Die wichtigste Fremdwährung ist für die Schweiz der Euro. In den ersten elf Monaten dieses Jahres hat die europäische Einheitswährung gegenüber dem Franken ganze 7% zugelegt. Von einer Frankenschwäche kann aber nicht die Rede sein, zumal der heutige Stand des Euro von knapp Fr. 1.55 mehr als 4% unter dem Niveau zur Zeit dessen Einführung liegt. Was kommt nun auf uns zu?

Der Franken ist gegenüber dem Euro angesichts der Kaufkraftparität überbewertet, meint Alex Hinder, Chief Investment Officer der Bank Leu. Er rechnet mit einer weiteren Abwertung im kommenden Jahr, sofern die Furcht vor neuerlichen Terroranschlägen abnimmt. Mitte November bezeichnete Anja Hochberg, Leiterin Fixed Income and Forex Research bei Credit Suisse, Fr. 1.50 als «fairen Wert» und rechnete Mitte November mit einer Spanne zwischen Fr. 1.50 und 1.55 Fr.: In einem später geführten «HandelsZeitung»-Interview setzt CS-Chefökonom Alois Bischofberger inzwischen auf einen Kurs von 1.55 bis 1.60. Seinerseits hält Peter Ott, Manager des UBS (CH) Equity Fund Germany, schon den gegenwärtigen Franken/Euro-Kurs für fair bewertet und geht von keiner weiteren Abwertung aus. Anders sieht es Alfred Roelli, Directeur Etudes Financières bei Pictet & Cie. in Genf. «Bei Fr. 1.55 ist der Franken gegenüber dem Euro unterbewertet», erklärt er ­ und zitiert neben der Netto-Gläubigerposition der Schweiz gerade den Faktor Kaufkraftparität, der für Hinder ein Abwertungsgrund ist. Roelli rechnet damit, dass der Euro im kommenden März bei Fr. 1.53 zu stehen kommt, um bis Juni auf Fr. 1.50 und bis Ende Jahr weiter auf Fr. 1.45 zurückzufallen.

Auch beim Dollar schwimmt Roelli gegen den Strom. Die US-Währung ist für den Pictet-Finanzanalysten leicht ­nämlich um etwa 4% ­ unterbewertet, dies wiederum im Hinblick auf die Kaufkraft. Zunächst einmal erwartet er zwar im ersten Quartal 2004 einen weiteren Rückfall auf 1.23 Euro, danach aber eine Erholung auf 1.20 Euro und bis Dezember eine Verbesserung auf 1.15 Euro. Weniger positiv eingestellt ist Roelli für den Dollar gegenüber dem Franken: Diesen Kurs sieht er bei 1.24 Fr. im März 2004 vor einem langsamen Anstieg auf 1.25 Fr. im Juni und 1.26 Fr. im Dezember. Für die nächsten 12 Monate prognostiziert Bischofsberger eine Abschwächung des Dollars auf 1.25 gegenüber dem Euro und auf Fr. 1.24.

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Wie Roelli meint Hinder, aufgrund der Kaufkraftparität könne der Dollar «nicht mehr als überbewertet bezeichnet werden». Dafür werde sich dessen Abwertung 2004 als Folge des hohen aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichts vermutlich fortsetzen. Neben dem Zwillingsdefizit nennt die Neue Aargauer Bank das «schwindende Vertrauen in die US-Aussenpolitik» als Grund für weitere Kursverluste des Dollar auf kurze Frist, allerdings mit anschliessender Konsolidierung auf etwas höherem Niveau.

Lendenlahmer Dollar

Auf jeden Fall rechnen alle zunächst mit einer weiteren Schwächung des Greenback gegenüber dem Franken. Längerfristige Prognosen sind ohnehin fraglich, hängen sie doch von Imponderabilien wie der amerikanischen Finanz- und Aussenpolitik im Zeichen des bereits anlaufenden Wahlkampfes, dem Ausmass der konjunkturellen Erholung in Europa und leider­ der Schwere künftiger Terroranschläge ab.

Über eine Währung herrscht lauter Einigkeit. Sollte die Bank of Japan ihre Interventionen auf dem Devisenmarkt nicht endlos weiterführen, so Alex Hinder, dürfte die graduelle Aufwertung des Yen nicht aufzuhalten sein. Für Alfred Roelli ist der Yen «sehr unterbewertet». Er weist unter anderem auf das gute Gewinnwachstum und die günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse japanischer Unternehmen sowie auf den Ertragsbilanzüberschuss des Landes hin. Im kommenden Jahr erwartet das CS-Team eine Aufwertung gegenüber dem Dollar auf 100 Yen; nach Aussage von Roelli haben japanische Unternehmen intern schon eine noch stärkere Landeswährung eingeplant. Kurzum: Sollten die Konjunkturdaten weiter auf eine Expansion weisen, sagte Martin Heutschi, Fondsmanager des LLB Portfolio Invest Aktien Japan, in einem kürzlichen «HandelsZeitung»-Interview, «dürfte es schwer werden, den Yen von einer weiteren Aufwertung abzuhalten».

Was die übrigen Valuten betrifft, hält Hinder künftige Kursgewinne von anderen asiatischen Währungen für wahrscheinlich. Roelli sieht eine allmähliche Stärkung des Pfundes gegenüber dem Euro vor, bezeichnet «Rohstoffwährungen» wie den Neuseeland-, Australien- und Kanada-Dollar als «teuer» und die meisten Schwellenland-Währungen ­ aber auch die Schwedenkrone ­als unterbewertet.