Gute Nachricht für den Vatikan: Die Meldestelle für Geldwäscherei des Kirchenstaates ist in die renommierte Egmont Group aufgenommen worden. Bei der Vereinigung handelt es sich um ein internationales Netzwerk staatlicher Meldestellen für Geldwäscherei, sogenannte «Financial Intelligences Units».

Mit der Aufnahme wird der Vatikan für seine Bemühungen im Kampf gegen unsaubere Finanzgeschäfte belohnt. Der neue Wind hat bereits erste prominente Opfer gefordert: Erst diese Woche haben zwei Führungsmitglieder der Vatikanbank ihre Posten geräumt: Direktor Paolo Cipriani und sein Stellvertreter Massimo Tulli hatten am Montag ihre Rücktritte beim päpstlichen Finanzinstitut eingereicht. Sie hätten diesen Schritt nach vielen Amtsjahren vollzogen, weil dies laut Mitteilung im besten Interesse des Vatikans und des «Instituts für religiöse Werke» sei, wie die Vatikanbank offiziell heisst.

Verhaftung des Chefbuchhalters

Bereits in der Vorwoche war Monsignor Nunzio Scarano, der Chefbuchhalter der vatikanischen Vermögensverwaltung, verhaftet worden. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft ihm Delikte wie Betrug und Geldwäscherei vor. Scarano soll zu den beiden zurückgetretenen operativen Verantwortlichen der Vatikanbank beste Kontakte gehabt haben.

Interimistisch führt Ernst von Freyberg die Geschäfte. Papst Benedikt XVI. hatte ihn kurz vor seinem Rücktritt zum Präsidenten der Vatikanbank ernannt. Wie lange von Freyberg die Doppelrolleausüben wird, ist nicht bekannt.

Anerkennung für die Fortschritte

Dass nun die vatikanische Finanzaufsicht in das internationale Netzwerk der Egmont Group aufgenommen wurde, ist ein deutliches Zeichen internationaler Anerkennung für die Fortschritte hinter den Leonischen Mauern.

Bereits im Mai hatte der Kirchenstaat einen Prestigeerfolg verzeichnen können und mit den USA ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Die beiden Länder kooperieren seither bei der Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorfinanzierung sowie dem Informationsaustausch zu diesem Zweck.

Kritik der Experten

Noch vor kurzem war der Vatikan von der Geldwäscherei-Expertengruppe Moneyval des Europarates nach Besuchen im November 2011 und März 2012 kritisiert worden. Zwar lobten diese den Kirchenstaat dafür, dass er «einen langen Weg in kurzer Zeit» hinter sich gebracht habe – doch die Kritik überwog: Der Heilige Stuhl erfüllte nur 9 der 16 Schlüssel- und Kernempfehlungen, die heute als internationaler Standard gelten.

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