Wenn die Schweizerische Post wieder Lehrstellen zu vergeben hat, dann wird sie wohl erneut Werbung auf dem Musik-Streamingdienst Spotify schalten. Mediensprecher Bernhard Bürki scheint auf jeden Fall zufrieden mit der letzten Kampagne, welche den Konzern als Ausbildungsbetrieb auf der Musikplattform in Szene setzte. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Post Spotify nutzte und Bürki ist voll des Lobes über «die Qualität der Eingänge».

Die Post stellte überdurchschnittliche Klickraten gegenüber sonstiger Online-Werbung fest, meinte er. So bemerkten die Pöstler auch, dass Spotify-Kunden auf der Seite relativ lange verweilten, im Schnitt 90 Minuten. Das ist länger, als etwa auf Facebook und ist den Musik-Playlists geschuldet.

«Über klassische Werbung hinaus»

Auf eine junge Zielgruppe zielt auch die Credit-Suisse-Tochter Bank-now. Sie strahlt über Spotify für ihr Produkt «Credit-now» seit einiger Zeit klassische Radiospots aus, die den Hörern, die über das Abonnement «Spotify free» gratis Musik konsumieren, in regelmässigen Abständen eingespielt werden.

Bank-now will damit Personen ansprechen, die «über klassische Radiowerbung» nicht erreicht würden, kommentiert ein Sprecher. Für ihn ist klar: «Spotify hat in der Vergangenheit an Gewicht im Markt gewonnen.»

Genauere Zielgruppen

Spotify erlaubt den Werbekunden, im Gegensatz zu herkömmlichen Radios, die Zielgruppen viel genauer einzukreisen. Spotify-Werbung kann nach Alter, Geschlecht oder passend zur jeweiligen Situation zugeschnitten werden. Beim Radio kann man maximal bestimmen, in welchem Kanton die Werbung ausgestrahlt wird.

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Weiter bietet Spotify den Anzeigenkunden die Möglichkeit, durch klickbare Werbung die Musikhörer auf ihre Seiten umzuleiten – etwas, das die Schweizer Post mit animierten Grafiken offenbar wiederholt erfolgreich anwandte. Auch Werbung über Videobotschaften ist möglich, etwas, das fürs Erreichen von Handynutzern von immer grösserer Bedeutung wird.

Coop setzt auf Gesamtpaket

Auch Coop ist auf den Zug aufgesprungen. Der Detailhändler lancierte seine Grillkampagne mit einem entsprechenen Lied, dem Grillsong «Chill 'n' Grill». Die Aktion habe man auch mit Spotify entsprechend begleiten wollen, sagte Mediensprecher Urs Meier.

Innerhalb einer Woche habe man zirka 750'000 Audio- und über 100'000 Display-Kontakte generieren können, sagte Meier, der Song sei 20'000 mal abgerufen worden – «durchaus beachtliche Werte». Auch die Klicks seien überdurchschnittlich gewesen, meinte der Coop-Sprecher. Coop hat nun schon zum zweiten Mal Spotify als Werbeplattform ausgewählt. Interessant sei die Verbindung zwischen Audiowerbung, Display- und Textanzeigen sowie den Werbe-Playlists.

Gelenkt aus Berlin

Auch die Preisgestaltung sprach Coop an. Die Preise seien vergleichbar mit jenen anderer Webradio-Angeboten, so Meier. Spotify hat einen Audio- und Display-Tausenderkontaktpreis (TKP) von brutto 40 Franken. Teurer ist etwa die Übernahme der Homepage, die pro Tag brutto 2500 Franken kostet.

Seit Mitte 2014 hat Spotify die Vermarktung der Schweizer Werbemöglichkeiten in die Hände der Goldbach Group gelegt. Man habe in der Schweiz weder ein Büro noch Angestellte, so eine Sprecherin von Spotify Deutschland. Gelenkt wird der Schweizer Auftritt aus Berlin.

Spotify-Charts für traditionelle Radios

Wird Spotify zur ernsthaften Konkurrenz traditioneller Radios? So offensiv möchte die Firma das nicht sehen. Man stelle im Gegensatz zu den Radios ja keine Inhalte her, man biete bloss die Distributionsplattform, sagt die Sprecherin. Immerhin: Bereits heute nutzen Radiosender in Deutschland wie BigFM oder KissFM die Spotify-Charts und versuchen so, ihre Jugendformate aufzumöbeln.

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Für Coop-Sprecher Meier ist jedoch klar: «Zwar ist Spotify nicht direkt mit einem Radiosender vergleichbar, durch die Möglichkeit des Einsatzes von Radiospots aber natürlich eine Konkurrenz zu den Sendern.»