Spricht man Werner Dubach darauf an, ob nach all den Jahren noch irgend etwas bei Eichhof ohne Werner Dubach geht, lehnt sich der 61-Jährige zurück und erklärt «die sehr ausgeklügelten und detaillierten Planungsvorgänge» in der stark diversifizierten Gruppe, die neben dem Getränkegeschäft mit der Datacolor in der Farbmetrik tätig ist und über ein ansehnliches Immobilien-Portfolio verfügt.

Dubach ist VR-Präsident und CEO der Eichhof Holding. Dort gibt es neben ihm einen Finanzchef, zwei Controller, eine VR-Assistentin sowie eine Sekretärin in Teilzeit. «Wir sind eine kleine Gruppe, die als aktiver Investor in drei ganz unterschiedlichen Bereichen tätig ist», sagt Dubach. Eine eigentliche Konzernleitung existiert in Luzern nicht. Mit dem Vorteil, dass sich Dubach nicht ums eigentliche Tagesgeschäft zu kümmern braucht und ihm genügend Freiraum für Strategiefragen und die Investor Relations bleibt. Das Tagesgeschäft verantworten die drei Bereichsleiter mit eigenen Geschäftsleitungen.

Die Strategie der drei Bereiche wird in enger Zusammenarbeit mit dem Holding-Management entwickelt, bevor sie vom Verwaltungsrat abgesegnet wird. Dazu finden Analyse- und Zielsetzungsseminare statt, bei denen auch Werner Dubach mit von der Partie ist. «Die Ziele setzen wir dabei stets so, dass der Geschäftsgang nicht automatisch aus der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert werden kann», betont Dubach. Gemäss dem Chef haben Marcel Erne (Getränke), Terry Downes (Datacolor) und Christof Scherer (Liegenschaften) als Geschäftsbereichsleiter «extrem viel Gestaltungsspielraum. Nach der Absegnung der Budgets und einer Drei-Jahres-Planung durch den VR sind sie weitestgehend frei.»

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Coach mit kritischem VR

Der studierte Chemie-Ingenieur ETH versteht sich in Luzern als Coach und als derjenige, der viele Fragen stellt. Bei Problemen kontaktieren die Chefs ihrerseits ihn oder den Holding-Finanzchef Roland Kleeb. Alle sechs Wochen finden Meetings mit den Geschäftsbereichsleitern statt. Der VR tagt mindestens viermal jährlich. Dubach legt Wert darauf, dass das Gremium angesichts seines Doppelmandats auf Holdingstufe alles andere als ein Kopfnicker-Gremium sei. «Das sind alles ausgewiesene Persönlichkeiten, die in einem Bereich stark sind und sehr klar ihre Meinung einbringen.»

Dubach bezeichnet es als Glücksfall, dass er selbst sämtliche Führungsstufen bei Eichhof durchlief. Als er 1971 nach einem MBA in Pennsylvania in Luzern als Direktionsassistent einstieg, präsidierte sein Vater den Eichhof-Verwaltungsrat. Obwohl Dubach gleichzeitig ein Angebot bei der Werbeagentur McCann-Erickson in New York vorliegen hatte, entschied er sich für die wesentlich kleinere Brauerei-Gruppe in der Heimat, weil er überzeugt war, hier mehr bewegen zu können. «McCann-Erickson New York hätte ich nicht verändert.»

Dass er als Sohn des Chefs zur Gruppe stiess, sei kein Vorteil gewesen. Es seien eher höhere Ansprüche an ihn gestellt worden. Als es später um den Chefjob des Getränketeils ging, hatte er das gleiche Assessment wie seine Mitbewerber zu bestehen. So war Dubach in verschiedenen Funktionen im Verkauf und Marketing tätig, war technischer Leiter und schliesslich verantwortlich für den Getränkebereich.

Er trug den bereits 1959 getroffenen Entscheid zur Diversifikation an vorderster Front mit, genauso wie die vollständige Erneuerung der Brauerei, die er damals leitete. Unter Dubach gelang es, als inzwischen grösste unabhängige Schweizer Brauerei- und Getränke-Gruppe erfolgreich zu bleiben ­ unter anderem auch dank der früh eingeleiteten Diversifikation. «Mich interessiert der Wandel und dass man ihn frühzeitig voraussieht und sich darauf vorbereitet», sagt Dubach und es wird klar, dass ihm die Führung eines reinen Getränkekonzerns zu eintönig wäre. Bei Datacolor kann er seine technische Ausbildung zur Geltung bringen.

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Die Farbmetrik-Sparte ist für Werner Dubach so etwas wie das Tor zur Welt. Seit kurzem produziert Datacolor auch in China, wo sich Dubach bereits des öftern aufhielt. «Die Grössenordnungen in China relativieren die Probleme, die wir hier in der Schweiz wälzen», sagt Dubach und pflegt solches auch gerne seinem Führungsteam an Kadertagun-gen zu vermitteln. Seine grössten Stärken sieht er auf strategischer Ebene. Dies ist es auch, was ihm am meisten Spass bereitet.

Von Vertrauen geprägt

Dubachs Führungsstil ist von Vertrauen geprägt. Viele seiner Top-Kader sind seit Jahren bei Eichhof, die Fluktuationsrate ist tief. Er führe über klar definierte Zielsetzungen mit leistungs- und erfolgsabhängigem Entlöhnungssystem, versuche den Mitarbeitenden viel Spielraum zu geben und Eigenverantwortung zu fördern. In der Kommunikation dürfe es keine Tabus geben, sagt Dubach. Dazu gehört, dass auch er selbst von anderen ohne Hemmungen kritisiert und hinterfragt werde.

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«Management by walking around» gehört zu einem seiner Grundsätze. Den Kaffee holt er sich selbst. Er müsse spüren, wo die Mitarbeitenden der Schuh drücke. Von den immer wieder neuen Management-Philosophien hält Dubach wenig bis nichts. Für ihn sind es zuhören können und die Erfahrung, die den guten Chef ausmachen. Qualität ist für Dubach entscheidend. Auch beim Personal. «Nur mit den besten Leuten können wir die besten Produkte herstellen.» Bei Eichhof gilt grundsätzlich das Vier-Augen-Prinzip, auch bei der Anstellung von neuen Mitarbeitern ­ egal auf welcher Stufe.

Fairness und Konsequenz

Unangenehmes gehört für Dubach zum Job des Firmenlenkers. Und doch ist er dankbar für die Unterstützung des VR, wenn es etwa darum geht, sich von einem Top-Manager zu trennen. Vor drei Jahren war das bei Datacolor der Fall, als sich ein Wechsel des Geschäftsbereichsleiters aufdrängte. Fairness gehört in solchen Fällen zur obersten Maxime Dubachs, aber ebenso wichtig sei absolute Konsequenz. Von heute auf morgen Leute zu entlassen, kommt bei Eichhof nicht in Frage.

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Eine persönlich unangenehme Zeit erlebte Werner Dubach ab August 2000, als er im Zuge des abgesagten Datacolor-Börsengangs zu Unrecht unter Insider-Verdacht geriet und es bis April 2002 dauerte, bis die Strafuntersuchung offiziell eingestellt wurde. Für Dubach war jene Phase ein «Lehrblätz».

Überhaupt scheint der Mann vieles mit stoischer Ruhe anzugehen ­ mit Erfolg. Eichhof wusste sich im Getränkesektor seit der Übernahme von Feldschlösschen durch Carlsberg erfolgreich mit Swissness zu positionieren und wuchs seither kontinuierlich entgegen dem Markttrend.


Werner Dubachs Führungsprinzipien

1. Führen mit vereinbarten Zielen
2. Delegation von Aufgaben und Verantwortung
3. Einfache, flache und kundennahe Organisationsstrukturen
4. Leistungs- und erfolgsabhängige Entlöhnung
5. Hohe Qualität der Mitarbeitenden durch Förderung und Weiterbildung
6. Aktive, offene Kommunikation

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Zur Person

Werner Dubach (61) ist dipl. Ing. Chem. ETH und hält einen MBA der University of Pennsylvania. 1971 trat er als Direktionsassistent in die Eichhof-Gruppe ein und wurde 1981 Direktionspräsident. Heute ist er VR-Präsident und CEO der Eichhof Holding und mit rund 30% Anteil auch deren grösster Aktionär. Die Gruppe erwirtschaftete mit 700 Mitarbeitern im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 280 Mio Fr. Dubach ist verheiratet mit Anne Keller, die bei Swiss Re als Head Brand Management wirkt, und hat zwei Töchter aus erster Ehe.