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Werner Welti: «Wollen doppelt so schnell wachsen»

Der Präsident der Carlo-Gavazzi-Gruppe bestätigt, dass der Turnaround geschafft ist. Mehrwert für den Shareholder zu schaffen, steht jetzt im Vordergrund. Das schliesst die Fokussierung auf eine Divis

Von Christian Huggenberg
am 16.03.2005

Carlo Gavazzi besteht aus zwei verschiedenen Tätigkeitsbereichen, die sich in ihrer Grösse, ihrem Entwicklungspotenzial sowie ihrer geografischer Ausdehnung sehr unterscheiden. Wie sieht da Ihre Strategie für das Unternehmen aus?

Werner Welti: Es ist sicher so, dass die grössere Division Automation Components für uns das Schwergewicht darstellt. Dies ist unser Core-Business, wo wir einen Grossteil unserer Ressourcen investieren werden, wo wir speziell wachsen und Marktanteile gewinnen wollen. Dagegen hat der Bereich Computer Solutions, den wir jetzt neu ausrichten, nicht die gleiche strategische Bedeutung.

Werden Sie den kleineren Bereich Computer Solutions verkaufen?

Welti: Die Frage, wie man für den Shareholder Mehrwert schaffen kann, stellt sich immer. Aber momentan sehen wir den Handlungsbedarf vor allem in der Verbesserung des operativen Resultates dieses Unternehmensbereichs.

Das heisst, zuerst muss der Bereich Computer Solutions als Braut zurechtgemacht werden?

Welti: Wir wollen diesen Bereich fit trimmen ­ in erster Linie für uns selbst.

Eine Eigenkapitalquote von nahezu 60% ist eine komfortable Situation, die auch Akquisitionen nicht ausschliesst. Ist der Zukauf eines neuen Geschäftsfeldes vorstellbar?

Welti: Mit Sicherheit kaufen wir keinen neuen Bereich. Vorstellbar ist dagegen, dass wir uns im Bereich Automation Components verstärken. Dies aber nur, wenn die Produkte der akquirierten Firma synergetisch wären. Ferner müsste es auch geographisch Sinn machen, und selbstverständlich müsste auch der Preis stimmen.

So wie Sie die Planung der Zukunft beschreiben, muss man doch davon ausgehen, dass Computer Solutions nicht mehr wirklich zum Kernbereich gehört.

Welti: Dies kann man so sehen.

Was heisst, dass man sich doch von diesem Bereich trennen will?

Welti: Das muss nicht sein. Wie wollen auch in diesem Bereich zunächst einen akzeptablen Betriebsgewinn erarbeiten. Wenn diese Zielsetzung erreicht ist, werden wir die strategischen Optionen neu prüfen. Primäres Ziel bleibt, den Wert der Unternehmung für den Shareholder zu steigern.

Sie erwähnen den Shareholder und sagen gleichzeitig, das Unternehmen soll attraktiv sein für den Investor. Wie erklären Sie dem Anleger heute, für was Carlo Cavazzi steht beziehungsweise was die Aktie interessant macht?

Welti: Wir haben die Strategien für beide Geschäftseinheiten so definiert, dass sie erstens sinnvoll und zweitens nachvollziehbar sind. Wir haben die Strategien kommuniziert und arbeiten an der Umsetzung.

Glauben Sie denn, dass die Grössenordnung des Unternehmens und die Ausrichtung von Carlo Gavazzi heute so sind, dass es wirklich gelingen kann, für den Shareholder Mehrwert zu schaffen?

Welti: Die Frage, ob langfristig mehr Shareholder Value geschaffen werden kann, wenn man zwei Geschäftseinheiten hat, oder ob es besser wäre, wenn wir uns nur auf eine konzentrieren, stellen wir uns permanent.

Carlo Gavazzi soll vor allem aus eigener Kraft wachsen. Was für ein organisches Wachstum erwarten Sie auf Gruppen-Stufe?

Welti: Die Zielsetzung im Bereich Automation Components ist es, doppelt so schnell zu wachsen wie der Markt. Es wird prognostiziert, dass der Markt in den Jahren 2005 bis 2008 jährlich um 3,3 bis 3,5% wächst.

Kann das Wachstum von Automation Components in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von über 10% fürs ganze Jahr gehalten werden?

Welti: In der Tat lag das Wachstum im ersten Halbjahr bei 11%, und wir gehen davon aus, dass wir auch im zweiten Halbjahr unsere Budgetwerte erreichen.

Werden Sie die Ebit-Marge, die im ersten Halbjahr bei rund 9% lag, weiter verbessern?

Welti: Mit Sicherheit nicht kurzfristig. Doch wir können uns weiter verbessern. Unsere Zielmarge liegt bei 10%.

Ein Ziel, das Sie allerdings für die ganze Gruppe nicht erreichen können, solange der zweite Bereich schwach tendiert.

Welti: Ja, das ist sicher richtig. Aber über einen Zeitraum von drei Jahren sollte auch Computing Solutions wieder einen Betriebsgewinn erreichen, der dem von Automation Components entspricht.

Rechnen Sie denn mit einer starken Wiederbelebung im Telekom-sektor?

Welti: Nein, aber es sind zum einen die sich derzeit in Umsetzung befindenden weiteren operativen Verbesserungen, die den Betriebsgewinn positiv beeinflussen werden. Zum anderen hilft uns der erhöhte Auftragsbestand im kommenden Jahr, auch im Bereich Computing Solutions wieder ein Umsatzplus zu erreichen.

Auf einen Nenner gebracht: Was Sie in der Division Automation heute erreichen, erwarten Sie in Zukunft auch von der zweiten Division. Oder in Zahlen ausgedrückt: Gavazzi will mit 7% wachsen und eine Ebit-Marge von mindetens 10% erreichen.

Wieso soll ein Anleger eine Aktie von Carlo Gavazzi kaufen?

Welti: Wir haben in den letzten zwei Jahren bewiesen, dass wir die Firma durch einen Turnaround hindurchführen können. Wir haben eine klare Vision, was wir machen wollen. Das heisst, wir haben unsere Zielmärkte und Applikationen sowie unseren geografischen Rahmen definiert. Im April 2005 werden wir anfangen, für den Bereich Automation Components in China zu produzieren, gleichzeitig verstärken wir unsere Distribution in Asien. All diese Aktivitäten werden positiv sein für die Entwicklung unserer Gruppe und die Gewinnaussichten.

Der Kurs von Carlo Gavazzi hat sich seit Jahresbeginn zwar ansehnlich entwickelt und liegt derzeit zwischen 115 und 121 Fr. Damit bewegt er sich aber immer noch unter dem Buchwert von 140 Fr. Zufrieden können Sie da noch nicht sein.

Welti: Sind wir auch nicht. Allerdings lag der Kurs vor zwei Jahren bei 27.50 Fr. Da hat der Markt doch eine wesentliche Neubewertung vorgenommen. Ich gehe davon aus, dass der Markt die erwarteten weiteren Ertragsfortschritte auch künftig honorieren wird und dass der Kurs noch weiteres Potenzial hat.

Eine Grössenordnung?

Welti: Es ist nicht untypisch, dass der Markt für andere vergleichbare Unternehmen, bei vergleichbarem Reingewinn, einen Kurswert bezahlt, der 1,3 bis 1,4 Mal dem Buchwert entspricht. Über die Zeit könnte der Markt dies auch als eine faire Bewertung für die Carlo-Gavazzi-Gruppe ansehen.

Allerdings spielen bei Carlo Gavazzi auch noch ein paar Sonderfaktoren mit, die auf den Kursverlauf Einfluss nehmen. In einer Art Palastrevolution hat sich die Familie im letzten Jahr aus der operativen Verantwortung zurückgezogen, hält aber nach wie vor die Mehrheit am Unternehmen. Damit stellt sich die Frage, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.

Welti: Es war keine Palastrevolution. Sondern die Familie hat sich aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen, weil sie sich sagte, dass die Interessen der Familie durch einen professionellen Verwaltungsrat besser vertreten sind. Gleichzeitig hat die Familie aber mitgeteilt, dass sie an der Beteiligung am Unternehmen festhalten will und ihr Engagement weiterhin als strategische Finanzinvestition betrachtet. Ich habe keinerlei Indikation, dass die Familie inzwischen an ihrer Ansicht etwas geändert hat.

Ist der rasche Kursanstieg in jüngster Zeit somit reine Spekulation?

Welti: Ich habe keine Kenntnis von Marktspekulationen. Wenn Sie meinen, dass es irgendwelche Spekulationen gibt, die Familie könnte sich von ihrem Aktienpaket trennen, so muss ich sagen, dass ich dafür keinerlei Anhaltspunkte habe.

Es ist nach wie vor so, dass die Familie das Unternehmen über ihre Holding zu 80% kontrolliert, während sich ihre Beteiligung auf 45% beläuft. Wäre es nicht an der Zeit, die Einheitsaktie einzuführen?

Welti: Die Struktur der Aktien wird von der Mehrheit der Aktionäre festgelegt.

Gleich mehrere familiegetragene Firmen haben in letzter Zeit die Einheitsaktie eingeführt. Wieso also nicht bei Gavazzi?

Welti: Jeder Aktionär, der sich an dieser Unternehmung beteiligt, kennt die Aktienstruktur, die er bei Gavazzi vorfindet. Ein Investor muss die Strukturen, so wie sie heute sind, annehmen. Sollte sich die Aktienstruktur irgendwann ändern, umso besser für den Investor, der heute schon dabei ist. Allerdings im Glauben einzusteigen, die Strukturen änderten sich auf absehbare Zeit, wäre spekulativ.

Wird Carlo Gavazzi das Resultat vom ersten im zweiten Halbjahr per Ende März übertreffen?

Welti: Ja. Das können wir bestätigen.

Das heisst, Carlo Gavazzi liegt darüber?

Welti: (lacht) Das können Sie mir nicht in den Mund legen.

Interview: Christian Huggenberg

Lange Verbundenheit: Steckbrief

Name: Werner Welti

Alter: 62

Wohnort: Dietikon ZH

Familie: Verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung: Betriebswirt

Karriere

1967­-1990 Verschiedene Managementfunktionen bei Carlo Gavazzi; u.a. Corporate Headquarters, CFO

1977 Wahl in den VR der Holding

1991­-1997 Konzernchef

1997 Gründung einer Management Consulting Firma

Seit 2003 VR-Präsident der Carlo Gavazzi Holding AG Firma

Carlo Gavazzi versteht sich als Anbieter elektronischer Ausrüstungen für die Industrieautomation und die Informationsverarbeitung. Der Einbruch in der Telekomindustrie hat die Gruppe schwer getroffen. Alleine durch den fast gänzlichen Wegfall des Hauptkunden (Lucent) gingen gegen 100 Mio Umsatz verloren. Inzwischen hat sich Gavazzi gefangen und erwartet, dass die Ergebnisse im zweiten Semester (per Ende März 2005) die Werte des ersten Semesters leicht übertreffen werden. Damals wurde ein Umsatz von 99 Mio Fr. und ein Ebit von 3,8 Mio erreicht.

Gavazzi Letzter Kurs: Fr. 121.­

FAZIT: So lange die Aktie von Carlo Gavazzi unter dem Buchwert von rund 140 Fr. notiert, dürfte der Titel noch ein gewisses Potenzial aufweisen. Zu viel Fantasie wäre aber verfehlt, weil der Turnaround in der kleineren Division nicht abgeschlossen ist.

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