Sarah Youngwood, seit zehn Monaten Finanzchefin der UBS, ist die erste Frau auf diesem Schlüsselposten. Und es gibt kaum eine Person aus der Beletage, die mehr zu reden gibt als sie.

Youngwood hatte einen holprigen Start, der ihr einiges an Kritik eintrug. Am 1. Mai 2022 trat sie offiziell an, am 26. Juli präsentierte sie die Zahlen vom ersten Halbjahr. Gleichentags brach die Aktie fast 9 Prozent ein und brauchte Tage, bis sie sich erholte. Die einen schreiben diesen Einbruch Youngwoods erstem Auftritt zu, was völlig übertrieben ist.

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Wahr ist aber, dass die Abstimmung zwischen ihr und UBS-Chef Ralph Hamers nicht optimal war. Entscheidende aber war vielmehr: Die Zahlen zum zweiten Quartal lagen unter den Erwartungen der Analystengemeinde. Genau umgekehrt war es Ende Oktober bei der Präsentation der Q3-Zahlen: Da schoss die Aktie um 7 Prozent nach oben. 

Gleichwohl ist nicht alle Kritik verstummt. Besonders das Finanzportal «Finews» feuerte schon zweimal eine Breitseite gegen Youngwood ab – darunter allerlei Gerüchte. Etwa jenes, ihr Bewerbungsdossier sei vorgängig im UBS-Verwaltungsrat «mehrmals» refüsiert worden, was die Bank hart dementierte.

«Sie muss noch ihre Rolle finden»

Zweifellos muss sie als Group CFO des weltgrössten Vermögensverwalters noch einiges lernen; vor dem Wechsel zur UBS war sie die Zahlenmeisterin der Retail-Sparte bei JPMorgan, nicht aber Konzernfinanzchefin. Ihr Vorgänger bei der UBS, Kirt Gardner, trat nach sechs Jahren als CFO logischerweise souveräner auf und war von amerikanischem Positiv-Spin beseelt. Er und UBS-Chef Ralph Hamers spielten sich an Präsentationen vor Investoren und Analysten elegant die Bälle zu. Ein eingespieltes Doppel.

Zwischen Hamers und Youngwood braucht es noch einigen Koordinationsaufwand, beim Auftritt zu den Q3-Zahlen fiel sie Hamers schon mal ins Wort, was dieser mit einem gequälten Lächeln quittierte.

Nach den ersten detailgetriebenen Auftritten von Youngwood soll ihr Auftreten durch ein Coaching dem Sprachduktus der UBS angepasst werden. «Sie muss noch ihre Rolle finden», sagt ein UBS-Banker. Sie ist auf bestem Weg: Ihre Präsentation zu den Q4-Zahlen liess keine Fragen offen - sie war professionell, einordnend, klar. Auch das Zusammenspiel mit ihrem Chef funktionierte. Geholt wurde die gebürtige Pariserin und Tochter eines Immobilienmaklers auch wegen ihrer Fintech-Kompetenzen. «People, Plattform, Purpose» sind ihre Buzzwords, wie sie an der Barclays Global Financial Services Conference verriet.

Kein Umzug in die Schweiz

Zu reden gibt intern auch, dass Youngwood keine Lust verspürt, in die Schweiz zu zügeln. Stattdessen pendelt sie zwischen dem Zürcher Paradeplatz und Manhattan, wo sie mit ihrem Mann, der Chef der Film-Produktionsfirma Sesame Workshop ist, und drei Kindern lebt. Keine optimale Lösung, sagen einige, die wieder zurück aus dem Homeoffice sind. Immerhin: Bei wichtigen Sitzungen ist sie vor Ort, auch bei Treffen mit der Finma. Gartner, ihr Vorgänger verlegte seinen Wohnsitz zwar in die Schweiz, sein Vorgänger Tom Naratil hielt es wie Youngwood und pendelte über den Atlantik.

Und da sind ein paar Interne, die wohl angesäuert sind, weil ihnen die amerikanisch-französische Doppelbürgerin den Topposten wegschnappte. Ein Mann und zwei Frauen machten sich gemäss internen Quellen Hoffnungen auf den Job.

Da war Todd Tuckner, ein Amerikaner mit bald zwanzig Dienstjahren; aktuell ist er CFO bei der wichtigsten Sparte, der globalen Vermögensverwaltung, die von Iqbal Khan geführt wird. Tuckner zog 2020 in die Schweiz, als er den Finanzchefposten in der Paradedisziplin übernahm. Im Rennen war auch die Britin Caroline Stewart, Finanzchefin im Investment Banking und dazu Finanzchefin der UBS Grossbritannien. Stewart, die aus den Investors Relations stammt, hat 17 UBS-Jahre auf dem Buckel.

Schliesslich soll auch Bea Martin anfänglich auf einen Karrieresprung gehofft haben. Die Britin versieht drei Jobs: Sie ist Group Treasurer, CEO UBS Grossbritannien und wurde letzten März auch noch zur Chief Transformation Officer gekürt. Gut möglich, dass Martin diesen Zusatzposten als Goodie für die Nichtberücksichtigung als Finanzchefin erhielt. Alle drei – Stewart, Martin und Tuckner – gelten als kompetent und erfahren; Martin eilt der Ruf voraus, beim Durchsetzen ihrer Vorstellungen wenig zimperlich zu sein.

Sie löst ihren eigenen Stab auf

Wenig angetan von Youngwood dürfte auch die langjährige Stabschefin von Kirt Gardner sein. Youngwood hat ihre Stelle offenbar ersatzlos gestrichen. Derzeit weilt sie, heisst es, in einem Sabbatical – Ausgang ungewiss. Die UBS will sich zu Interna nicht äussern. Es kommt noch gröber: Youngwood hat offenbar ihren ganzen Stab aufgelöst, weil sie die Truppe schlicht für überflüssig hält. Ein konsequenter Weg: Andere lieben es, ihre Stäbe auszubauen.

Überhaupt weht nun ein anderer Wind, erzählen Banker. Youngwood greift im Vergleich zum Vorgänger bei den Kosten viel konsequenter durch und setzt auf digitale Analysetools statt auf ausgedruckte Excel-Tabellen. 

Sie soll alles hinterfragen, fordert zum Mitdenken auf und späht ständig nach neuen Sparmöglichkeiten. Keine schlechte Eigenschaft in einer Grossbank, die nicht gerade als kosteneffizient gilt und die bis Ende Jahr insgesamt 1 Milliarde Franken eingespart haben will.

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