Schwingen ist in der Schweiz eine Jahrhunderte alte Tradition. Doch so populär wie heute war der Nationalsport noch nie. Das zeigt sich vor allem an einem Anlass. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) ist seit Aarau 2007 zu einem Megaevent herangewachsen. Während die Austragungen vor der Jahrtausendwende mit einstelligen Millionenbudgets auskamen, kosteten sie zuletzt immer mehr.

Das Budget für Burgdorf 2013 betrug schon 25 Millionen Franken. Das Fest am kommenden Wochenende wird mit einem Budget von 29 Millionen Franken bestritten. Estavayer 2016 findet wie das Eidgenössische 2013 wieder in einer riesigen temporären Arena statt, die 52'000 Zuschauer fasst. Und das Stadion ist nur der Kern eines riesigen Festgeländes, auf dem 250'000 Besucher erwartet werden. Der Swissness-Boom, der sich hier kristallisiert, macht das Eidgenössische auch für grosse Unternehmen zu einem interessanten Event.

«Einmalige Kundenbindungsplattform»

Das Eidgenössische sei eine «einmalige Kundenbindungsplattform mit nationaler Ausstrahlung, von der viele unserer Unternehmer-Generalagenturen profitieren», sagt die Mobiliar, die als einer von sechs sogennanten Goldsponsoren auftritt. Die Migros gehört ebenfalls zu den Hauptunterstützern des Schwingfestes. «Mit dem Sponsoring wollen wir der Bevölkerung und im Speziellen unseren Kunden die Verbundenheit der Migros zur Schweiz und ihrem Brauchtum vermitteln», schreibt der Detailhändler in einer Stellungnahme.

Schon seit 2007 mit von der Partie ist die UBS. Der Schwingsport könne direkt mit Swissness im Sinne der Heimatverbundenheit assoziert werden, so die Grossbank. «Mit dem Engagement unterstreicht die UBS ihre Verankerung in der Schweiz.» Die Vereinigung von Tradition und Sport, in Kombination mit breiter TV-Abdeckung, macht das Eidgenössische attraktiv für Sponsoren, obwohl zum Beispiel Werbung im Stadion weiterhin nicht erlaubt ist.

Ein Drittel der Einnahmen

Während viele kleine Schwingfeste ums Überleben kämpfen, kennt das Eidgenössische keine Sorgen – auch dank der Sponsoren. Das Sponsoring mache ungefähr ein Drittel der Einnahmen aus, sagt Direktorin Isabelle Emmenegger. Dass die Geldgeber dafür etwas zurückhaben wollen, liegt indes auf der Hand. Einerseits können sie sich auf dem Festgelände mit Zelten, Pavillons und Attraktionen präsentieren. Und andererseits erhalten sie Tickets, die sie an Kunden verschenken oder verlosen können.

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Von den 52'016 zur Verfügung stehenden Sitzplätzen wurden 32'000 direkt an die Schwingvereine und -verbände verteilt. Die 20'000 übrigen Karten gingen zu einem Grossteil an Gäste und Sponsoren, wozu beispielsweise auch die Gabenspender gehören. Nur 4016 Tickets wurden dem Publikum direkt zum Verkauf angeboten. Sie waren in weniger als zwei Stunden ausverkauft, teilten die Organisatoren mit.

Grösseres Stadion geht nicht

Für den Schwingverband und die Organisatoren ist die Eventisierung des Eidgenössischen kein Problem. Alleine mit den Billeteinnahmen wäre die Arena nicht mehr zu bezahlen, gibt Paul Vogel, Obmann des Eidgenössischen Verbandes zu Bedenken. Das habe eine Studie der Hochschule Luzern unter anderem gezeigt. «Wenn sich einige Schwingfans über die Volksfeststimmung ums Stadion aufregen, müssen sie sich fragen, ob sie bereit wären, 400 oder 500 Franken für ein Ticket zu bezahlen.»

Mit 52'000 Plätzen sei bei der Arena die obere Grenze erreicht, ist Vogel überzeugt. Ein grösseres Stadion wäre viel teurer – und die Sicht auf die Kämpfe könnte nicht mehr garantiert werden. Statt von einem «Schwing- und Älplerfest» müsste man inzwischen vielleicht von einem «Schwing- und Volksfest» sprechen, so Vogel. Das Fest ums Stadion sei wichtig, um den Sport in der Bevölkerung zu verankern, gerade in der Romandie, wo das Eidgenössische nur alle 15 Jahre stattfindet. «Ich bedaure die Entwicklung überhaupt nicht.»

1 Million Franken für den Verband

Ähnlich sieht man es im Organisationskomitee: «Wir versuchen der Nachfrage gerecht zu werden und wollen natürlich damit auch die Romandie näher zum Schwingen führen», sagt Direktorin Emmenegger. Für den Schwingverband ist das Eidgenössische absolut überlebenswichtig. Vogel rechnet mit Einnahmen von ungefähr 1 Million Franken aus der Beteiligung an den Ticketeinnahmen. «Damit müssen wir dann drei Jahre haushalten», erklärt der Obmann, denn die kleineren Schwingfeste werfen für den Verband nur jeweils nur wenige Tausend Franken ab, die gleich wieder in die Teilverbände und die Nachwuchsförderung fliessen.

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Auch von der Million fliesst ein guter Teil zurück an die Teilverbände. Den grössten Anteil bekommt der Südwestschweizer Schwingverband als Veranstalter. Im Eidgenössischen Verband hofft man, dass die Romandie in Zukunft wieder einen absoluten Spitzenschwinger hervorbringen kann – und das Eidgenössische soll hier der Startschuss sein.

«Schwingen soll nicht zum Profisport werden»

Während im Sponsoring grosse Firmen und PR-Profis übernommen haben, bleibt das Schwingen selber ein Amateursport. Bloss zwei bis drei Spitzenschwinger könnten vom Sport leben, schätzt Vogel. Die Schwinger müssen 10 Prozent ihrer Werbeeinkünfte an den Verband abgeben. Alle Schwinger zusammen haben im letzten Jahr 180'000 Franken abgeliefert. Die Einnahmen von 1,8 Millionen Franken hätten sich auf 55 Schwinger verteilt, so Vogel.

2013 betrugen die Einkünfte noch 1,3 Millionen Franken. Doch obwohl heute mehr Geld im Schwingen stecke, seien die Einnahmen immer noch bescheiden. Für Vogel ist dies auch gut so: «Schwingen soll nicht zum Profisport werden», sagte er in einem Interview. Glücklicherweise sähen das die jungen Schwinger auch im Jahr 2016 noch genau so.

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