1. Home
  2. Unternehmen
  3. Postfinance zahlt 150 Millionen für die neue Bankensoftware

Finanzplatz
Wie viel Postfinance für ihre neue Banksoftware zahlt

Postfinance-Chef Hansruedi Köng: Er will bis 2020 bis zu 500 Stellen streichen.
Postfinance-Chef Hansruedi Köng: Zuversichtlich, dass an Ostern die grosse Umstellung der Kernsoftware gelingt.Quelle: Keystone

Postfinance stellt ihre Systeme auf eine Software des indischen Anbieters Tata um. Erstmals macht die Staatsbank Angaben zu den Kosten.

Von Michael Heim
am 29.01.2018

Die Postfinance macht erstmals Angaben zu den Kosten ihrer neuen Bankensoftware. Kommende Ostern soll diese in Betrieb genommen werden. Sie ersetzt die heutigen Systeme, die noch aus den 1990er-Jahren stammen.

Insgesamt werde man 150 Millionen Franken, die für das neue System der indischen Anbieterin Tata Consultancy Services (TCS) aufgewendet wurden, in der Bilanz aktivieren und über die nächsten zehn Jahre abschreiben, sagt Postfinance-Chef Hansruedi Köng an einer Medienveranstaltung. Im Jahresabschluss 2017 werde das erstmals ausgewiesen. Eine indische Zeitung berichtete, der Auftrag an Tata hätte einen Wert von 50 Millionen Franken.

Vermutlich mehrere hundert Millionen

Hinzu kommen jene Kosten, die bereits in den vergangenen Jahren über die laufende Rechnung gebucht wurden. In welchem Verhältnis diese zu den 150 Millionen stehen, will die Postfinance nicht konkretisieren.

Aussagen von Köng ist zu entnehmen, dass die Postfinance keine abschliessende Rechnung erstellt hat, da sich Informatik- oder Ausbildungskosten offenbar nicht immer eindeutig dem Projekt zurechnen liessen. Es ist davon auszugehen, dass die Systemumstellung insgesamt mehrere hundert Millionen Franken kostet.

Für die Kunden der Staatsbank macht sich die Umstellung während der Tage über Ostern bemerkbar. Verschiedene Dienste werden zeitweise nicht nutzbar sein. Den längsten Unterbruch wird es bei der E-Banking-Plattform geben, die voraussichtlich von Donnerstagabend bis Montagabend nicht zur Verfügung steht. Auch die Handy-App wird während zweier Tage offline sein. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden zudem nur eingeschränkt Zahlungen mit den Postfinance-Cards möglich sein.

Neue Dienstleistungen erst ab Herbst

Ansonsten wird sich für Retail-Kunden durch die Umstellung unmittelbar nichts ändern. Sowohl die Benutzeroberflächen von Internet-Banking und App, als auch die Zahlungsverkehr-Produkte blieben gleich, heisst es. Alle Einstellungen der Kunden – zum Beispiel Daueraufträge – würden zudem übernommen. Es sei aber möglich, dass das neue System in den ersten Tagen noch instabil laufe.  

Später im Jahr sollen dann erste Neuerungen folgen, die auf dem neuen Banksystem beruhen. So werde es ab Herbst möglich sein, Adressänderungen online vorzunehmen oder Einstellungen für die Nutzung der Debitkarten online zu verändern. Mittelfristiges Ziel sei es, bis in ein paar Jahren sämtliche Transaktionen digital abwickeln zu können.

Für Firmenkunden bedeutet die Umstellung eine Anpassung des Zahlungsverkehrs auf ein neues Datenformat für den Austausch von Zahlungsdaten nach dem Standard ISO 20022. Diese sei jedoch weitgehend abgeschlossen, sagt Postfinance-Sprecherin Renate Schoch.

Das Projekt läuft seit 2011

Die Umstellung auf das neue Banksystem ist ein lang laufendes Projekt. Erstmals angekündigt wurde es 2011. Einst war geplant, bereits 2015 eine neue Plattform aufschalten zu können. Bereits früh zeigte sich jedoch, dass dieser Fahrplan nicht eingehalten werden konnte.

Einzelne Komponenten ihrer Banksoftware hat die Postfinance bereits auf Module von TCS umgerüstet. So etwa das Fondsgeschäft oder den Handel mit Devisen und Obligationen. Seit April 2016 laufen die Tests mit der neuen Kernbankensoftware, im September 2017 hat ein erste von vier «Generalproben» stattgefunden. Postfinance-Chef Köng zeigt sich zuversichtlich, dass das System nach den noch verbleibenden zwei Generalproben für die Umstellung bereit ist.

Anzeige