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Wie VR-Kandidat Kundert die Kampfwahl bei Comet gewinnen will

Heinz Kundert, President of SEMI Europe, attends a Reuters Global Technology Summit in Paris May 16, 2011.   REUTERS/John Schults   (FRANCE - Tags: BUSINESS) - PM1E75G150001

Heinz Kundert, Kandidat für das Comet-Präsidium: «Ich bin ein Halbleiter-Mensch und allgemein techaffin.»

Quelle: John Schults

Der Machtkampf um das Präsidium beim Tech-Unternehmen geht in die letzte Phase. Kandidat Heinz Kundert erklärt, wo er ansetzen würde.

Von Marc Badertscher
am 17.04.2019

Bei Comet stehen Sie und Christoph Kutter gegeneinander zur Wahl als Präsident. Wie ist es, in eine Kampfwahl zu gehen?
Heinz Kundert:
Das ist keine Kampfwahl. Nicht für mich. Sie haben noch nie ein schlechtes Wort von mir über Comet oder deren Entscheidungsträger gehört. Das interessiert mich gar nicht. Werde ich gewählt, ist gut. Und sonst ist es eben anders.

Warum sollten die Aktionäre Sie wählen?
Ich habe als Chef von VAT gezeigt, dass ich eine Firma erfolgreich führen kann. Ich bin ein Halbleiter-Mensch und allgemein techaffin. Das hilft im Fall von Comet. Ich könnte kein Warenhaus wie Globus sanieren.

Sie sind aber kein Tech-Spezialist.
Ich bin kein ausgesprochener Technologe, kenne aber die Halbleiter- und verwandten Technologiebereiche. Ich stehe für Geschäftsentwicklung. Und die hat bei Comet in allen Divisionen noch Potential.

Würden Sie stärker fokussieren?
Fokus ist ein gutes Argument, gerade bei Tech-Firmen.

Es besteht die Befürchtung, Sie würden Comet eindampfen.
Wie käme ich dazu? Es gibt ja mit PCT und Röntgen zwei Divisionen, die absolut in Ordnung laufen. Notabene in der Schweiz. Schwierigkeiten macht das Ausland.

Was denn?
In den USA hat man sich mit Davenport von einem schwierigen Teil getrennt. Das war sicher richtig. Yxlon in Hamburg hat nach wie vor eine ungenügende Profitabilität. Dort sollten Möglichkeiten zur nachhaltigen Steigerung der Profitabilität oder alternative Lösungen geprüft werden. Eine vorgefasste Meinung habe ich nicht.

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«Unter mir sind unter dem Strich Jobs aufgebaut worden.»

Nochmals: Stehen Sie für den Kahlschlag?
Das ist an den Haaren herbeigezogen. Man kann Hunderte von Leuten fragen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Man wird keinen finden, der mich so charakterisieren würde. Unter mir sind unter dem Strich Jobs aufgebaut worden. Aber klar ist auch: Wenn etwas nicht funktioniert, muss man handeln.

Warum tun Sie sich das an – gegen den Willen des aktuellen Präsidenten zu kandidieren?
Das ist kein Sich-etwas-Antun. Sonst täte ich es nicht. Wenn ich eine Schweizer Firma mit grossem Potential sehe, das man mobilisieren kann, dann reizt mich das.

Comet hat doch kein grundsätzliches Problem, sondern steckt in einem temporär schrumpfenden Markt.
Man muss eine Firma langfristig ausrichten. Zyklen sind nicht das Problem. Ich habe etwa vier davon erlebt. Wenn es runtergeht, sieht man nur den Boden wie auf einer Achterbahn. Und wenn es raufgeht, nur den Himmel. Ändern kann man das nicht, aber man muss vorbereitet sein.

Sie reden über Dinge, die auch stark den CEO angehen. Wie sehen Sie Ihre Rolle, falls Sie gewählt würden?
Ich wäre Verwaltungsratspräsident, nichts weiter. Aber wenn man Veränderungen haben will, muss man gegebenenfalls eingreifen. Das geschieht über den CEO. Entscheidungen werden im VR-Gremium und mit der Geschäftsleitung besprochen und dann entsprechend umgesetzt. Ich kenne die meisten VR-Mitglieder gut.

«Wenn ich es in drei Jahren nicht hinkriege, die Firma auf Kurs zu bringen, dann habe ich dort nichts verloren.»

Zuletzt haben sich die Stimmrechtsberater Actares und Glass Lewis gegen Sie und für den Kandidaten Kutter ausgesprochen.
Dafür unterstützt mich ISS. Das ist immerhin der grösste Stimmrechtsberater. Aber jeder soll seine eigene Meinung haben.

Das Aktionariat ist gespalten. Was gedenken Sie da zu unternehmen?
Ich bin nicht so überzeugt, ob es gespalten ist. Und mit den meisten Verwaltungsräten hatte ich in der Vergangenheit gute Gespräche. Für mich gibt es keinen Grund, nicht mit allen zusammenzuarbeiten.

Sie wurden vom Fonds Veraison vorgeschlagen. Wie kam das?
Ich kenne Veraison-Gründer Gregor Greber aus meiner Zeit bei Unaxis, habe ihn dann aber zwischenzeitlich nicht mehr gesehen. Veraison hat mich dann angefragt, ob ich als Kandidat zur Verfügung stehe. Aber ich bin frei, habe etwa keine Aktien oder andere Verflechtungen mit Veraison.

Sie selber werden wegen der Statuten nur drei Jahre im Amt sein können.
Wenn ich es in drei Jahren nicht hinkriege, die Firma auf Kurs zu bringen, dann habe ich dort nichts verloren. Und wenn ich in drei Jahren keinen Nachfolger aufbauen kann, mache ich ohnehin etwas falsch.

Hätten Sie überhaupt Zeit für Comet?
Ja, 30 bis 50 Prozent meiner Arbeitszeit. Ich bin noch Vizepräsident bei VAT und habe ein Mandat bei einer kleineren Firma. Beim Camox Fonds träte ich zurück.

Würden Sie eine Wahl in den VR annehmen, auch wenn Sie nicht zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt würden?
Das kann ich heute nicht sagen. Es käme auch auf das Wahlergebnis an. Es bräuchte ein deutliches Mandat vom Aktionariat.