Der Schweizer Beratermarkt wächst. In der letzten Erhebung des Branchenverbands Asco wurde die 2-Milliarden-­Umsatzgrenze übersprungen. Viele zahlungskräftige Firmen, ein starker Transformationsdruck und üppige Honorare treiben das Geschäft an.

Ein Deutscher hat sich nun zum Ziel gesetzt, diesen umkämpften Markt auf­zumischen und an der Preisschraube zu drehen: Till Schmid hat einen Online-Pool für selbstständige Unternehmensberaterinnen und -berater ins Leben gerufen.

Consultport heisst die Vermittlungsplattform, die Anfang 2018 in Deutschland und Österreich mit zehn registrierten Consultants gestartet ist. Mittlerweile kann das Startup auf über 2500 Managementberater und Digitalexperten aus 47 Ländern zurückgreifen.

 

upbeat - die Schweizer Startup-Serie

Hören Sie mehr zum Thema Startups im Podcast «upbeat».

2020 will das Jungunternehmen auch die Schweiz erobern. «Wir haben bereits sieben Beratungsprojekte in der Schweiz betreut und 43 Schweizer ­Beraterinnen und Berater in unserem Pool», teilt Gründer und Geschäftsführer Schmid mit.

KMUs im Fokus

Die Hauptzielgruppen sieht der Geschäftsführer in den Beratenden selbst und in mittelständischen Unternehmen mit 200 bis etwa 2000 Mitarbeitenden. «Besonders KMU haben es schwer, zu angemessenen Preisen an gute Berater he­ranzukommen, und sind hier in stetigem Kampf mit den Topunternehmen», ist Till Schmid überzeugt, der selbst während ­sieben Jahren Erfahrung als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group und BCG Digital gesammelt hat.

«Wir bieten eine Alternative zu den grossen Consulting-­Unternehmen – und einen ­unkomplizierten Zugang zu den Besten für jedermann.» Die Corona-Pandemie sei vor allem für selbstständige Beraterinnen und Berater eine finanzielle Herausforderung gewesen: «Die meisten Unternehmen haben schnell externe ­Kosten reduziert, Projekte eingestampft, Beratermandate gekündigt», sagt Till Schmid.

Anzeige

«Grosse Beratungshäuser sind sehr teuer – wir bieten die Vermittlung von Consultants mit internationaler Praxiserfahrung teilweise für einen Drittel der üblichen Marktpreise an»

Till Schmid

Die Probleme im Homeoffice hätten Firmen aber gezeigt, dass sie um eine Digitalisierungsstrategie nicht mehr herumkommen.

Pitch der Berater

Dass es vielen Unternehmen nach der Pandemie aber auch an finanziellen Ressourcen fehlen dürfte, sieht Schmid nicht als Nachteil: «Grosse Beratungshäuser sind sehr teuer – wir bieten die Vermittlung von Consultants mit internationaler Praxiserfahrung teilweise für einen Drittel der üblichen Marktpreise an», sagt er.

«Möglich ist das, weil bei uns keiner zusätzlich für eine riesige Infrastruktur oder einen bekannten Markennamen zahlen muss – die Plattformlösung macht den Consultingmarkt effizienter.»

Ist das gut – oder leidet die Qualität ­unter diesem Preisdumping? «Alle bei uns registrierten Consultants durchlaufen ­einen dreistufigen Qualitätscheck», sagt der Geschäftsführer, «alle bringen Referenzen und mindestens vier Jahre Berufserfahrung bei einschlägigen Unternehmen mit – und sind Experten auf ihrem Gebiet.»

Der Beratermarkt in der Schweiz

Verdoppelung Die Schweiz gilt als anspruchsvoller und kompetitiver Markt für Unternehmensberaterinnen und -berater. Die Beraterdichte hierzulande ist die höchste der Welt. Von den 20 grössten Beratungsfirmen sind heute 16 im Branchenverband Asco organisiert. Zwischen 2002 und 2017 hat sich die Zahl der Beraterinnen und Berater in der Schweiz verdoppelt (6180), auch das Marktvolumen wuchs in dieser Zeit auf das Doppelte, nämlich auf gut 2 Milliarden Franken. Allein die Unternehmensberater, die sich im Branchenverband Asco organisieren, konnten ihren Honorarumsatz um 200 Prozent steigern.

Wettbewerb Die meisten Beratungsfirmen sind ähnlich organisiert: viele Consultants, einige Projektleiter, wenige Partner – das ist die klassische Struktur, oft im Verhältnis 1:6 zwischen den Stufen. Wer es nicht nach oben schafft, muss gehen – «up or out» nennt sich das Prinzip, das in letzter Zeit aber aufgeweicht wurde.

Ob ehemalige McKinsey-, Google-, Amazon- oder Tesla-Beraterinnen und -Berater: Der Pool von Consultport sei reich gefüllt mit hochquali­fizierten Consultants.

Beraterwahl per Algorithmus

Sucht ein KMU Unternehmensberaterinnen und -berater für ein Projekt – sei es für eine Strategie, di­gitale Transformation, Internationali­sierung, Kostenoptimierung oder für andere Themen –, stellt das KMU mittels eines Online-Fragebogens oder telefonisch eine vertrauliche Anfrage, in der die Ziele des Projekts so konkret wie möglich beschrieben sind.

Alle Korrespondenzen unterliegen ­einer Verschwiegenheitserklärung. Per ­Algorithmus wird eine Berater-Vorauswahl getroffen, die von Consultport noch einmal geprüft wird.

Zehn bis zwanzig Beraterinnen und Berater pitchen dann in wenigen Sätzen um den Auftrag, werden noch einmal durch Consultport priorisiert und dann für eine Art Bewerbungsgespräch mit dem KMU zusammengebracht.

In der Regel arbeiten schliesslich bis zu fünf Consultants an einem Projekt – das kann vor Ort an einem gemeinsamen Tisch oder international per digitaler Kommunikation erfolgen, je nach Projektanforderung und Kundenwunsch. Für registrierte Beraterinnen und Berater ist die Nutzung der Plattform kostenlos.

Till Schmid und seine elf Mitarbeitenden in Berlin sowie vier weitere in der Türkei und der Ukraine erhalten 15 bis 20 Prozent des Vertragswertes als Vermittlungs- und Administrationsprovision. «Mit diesem Modell können wir uns seit Beginn selbst tragen», sagt Till Schmid stolz. «2019 konnten wir bereits einen siebenstelligen Umsatz verzeichnen.»

upbeat - der Startup-Podcast der Schweiz

Wöchentliche Interviews mit den innovativen Gründerinnen und Gründern des Landes. Gespräche über Ideen, Risiken und Nebenwirkungen. Offen, ehrlich und mit vielen Tipps für Menschen, die selber in der Startup-Welt durchstarten möchten. Mehr dazu finden Sie hier.